GOSSAU: Der Wirt ist auf und davon

Der Geschäftsführer des «La Piazza» hat kürzlich fluchtartig und über Nacht das Land verlassen. Das Verschwinden des Italieners beschäftigt ganz Gossau. Stammtisch, Schule und Polizeistützpunkt inbegriffen.

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Im «La Piazza» kann vorübergehend nicht eingekehrt werden. (Bild: Samuel Schalch (31. Oktober 2016))

Im «La Piazza» kann vorübergehend nicht eingekehrt werden. (Bild: Samuel Schalch (31. Oktober 2016))

An Stammtischen in Gossau machte dieser Tage eine spektakuläre Geschichte die Runde: Der Wirt des Restaurants La Piazza am Ochsenkreisel soll über Nacht seine sieben Sachen gepackt haben und mit einem Luxuswagen Richtung Italien abgerauscht sein. Zurück liess er ein geschlossenes Restaurant. Die Schlüssel soll er anständig in den Briefkasten gelegt haben. Nun geben mehrere Schilder den Hinweis, dass das Restaurant wegen Küchenumbaus vorübergehend geschlossen ist. Wer im Restaurant anrufen will, erfährt nur, dass die Telefonnummer gesperrt ist. Was genau ist geschehen? Stimmen die Stammtischgespräche?

Finanzielle Probleme als möglicher Fluchtgrund

Im geschichtsträchtigen Haus Ochsen im Gossauer Zentrum sind gleich mehrere Gastrobetriebe eingemietet. Der Geschäftsführer der Bar Oxe oberhalb des Restaurants weiss natürlich vom Schliessen des Restaurants, will auf Anfrage aber nichts zu den Ereignissen sagen. Guido Brändli, der die «Ochsenmetzg» nebenan führt, hat vom Verschwinden des italienischstämmigen Wirts auch gehört. Dass prompt auch an Stammtischen darüber gesprochen wird, erstaunt ihn nicht: «Dieses Restaurant ist so zentral gelegen, was hier geschieht, verbreitet sich in Gossau rasch.»

Rasch und fluchtartig muss auch das Verschwinden des Beizers gewesen sein. Immobilienhändler Fredi Brändle aus St.Gallen ist seit eineinhalb Jahren Eigentümer des «Ochsen». Er sagt ebenfalls, der Wirt sei über Nacht verschwunden – vor einer Woche von Sonntag auf Montag. Der Wirt habe mehrere Male die Miete nicht bezahlt. «Wir mussten ihm daraufhin kündigen», verrät Brändle auf Anfrage. Trotzdem wäre das Verduften nicht nötig gewesen, der Wirt hätte das Restaurant bis im September weiterführen können. Die genauen Umstände seines ehemaligen Pächters kennt auch Brändle nicht. Er habe auch keine Kontaktdaten, man habe sich bei Bedarf jeweils vor Ort in Gossau getroffen.

Schilder weisen auf einen Teil der Wahrheit hin. (Bild: Sebastian Schneider)

Schilder weisen auf einen Teil der Wahrheit hin. (Bild: Sebastian Schneider)

Tochter wurde in der Schule vermisst

Was geschehen sei, sagt Brändle, habe er von der Polizei erfahren. Tatsächlich kann Florian Schneider, Pressesprecher der Kantonspolizei, bestätigen, dass man von der Geschichte Kenntnis hat. Es seien aber keine Anzeigen eingegangen, weshalb derzeit auch nicht ermittelt werde.
Die Polizei wiederum wurde durch die Gossauer Schulbehörde informiert. Am Montag vor einer Woche wurde nämlich die Tochter des Wirts vermisst. «Die Schulleitung hat sofort reagiert», sagt Schulpräsident Urs Blaser. Weil das Mädchen nicht im Unterricht aufgetaucht war, habe man noch am gleichen Tag zu Hause nachgeschaut. Und da niemand auffindbar war, hätten die Lehrkräfte die Polizei informiert. Später sei bei der Schule die Meldung eingegangen, dass die Familie jetzt in Italien sei.

Der Wirt, der in Neapel aufgewachsen ist, hat auch zwei erwachsene Söhne, wie aus seinem persönlichen Umfeld zu erfahren ist. Wo die jungen Männer sind, weiss man aber auch dort nicht. «Wir sind alle schockiert», sagt ein Freund. Der Wirt habe sich nicht einmal verabschiedet, obwohl man einen guten Draht zueinander gepflegt habe. Und nun könne man nicht einmal miteinander telefonieren und erfahren, ob alle wohlauf seien.

Café ist wohl bald wieder offen

Die Schilder, die am Restaurant La Piazza auf den Küchenumbau hinweisen, wurden vom Vermieter Fredi Brändle angebracht. «Die Küchenrenovation war ohnehin geplant», sagt er. Weil aber der Wirt, mit dem das Mietverhältnis beendet wurde, Reissaus nahm, beschleunige sich die Nachfolgeregelung. Brändle ist bereits mit mehreren Interessenten im Gespräch. «Es zeichnet sich bald ab, was mit dem Restaurant geschieht», sagt er. Es sei sogar möglich, dass ein neuer Pächter bereits in wenigen Wochen beginne und die Küche während des Café-Betriebs saniert werde. So sollte also schon bald wieder Kaffee getrunken werden können. Dies würde auch Ochsen-Metzger Guido Brändle freuen, der sagt, dass die beiden Geschäfte in einer Art Symbiose leben. (ses)