Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

GOSSAU: Der Mädertaler ist entkorkt

Der erste Gossauer Wein der Familie Bernhardsgrütter erweist sich als körperreicher Landwein. Der gerade geerntete 2016er wird nun als trendiger «orange wine» ausgebaut.
Beda Hanimann
Die stolzen Jungwinzer Lina, Peter und Markus Bernhardsgrütter vor ihrem Rebberg im Mädertal. (Bild: Ralph Ribi)

Die stolzen Jungwinzer Lina, Peter und Markus Bernhardsgrütter vor ihrem Rebberg im Mädertal. (Bild: Ralph Ribi)

GOSSAU. Abgefüllt vor Neumond im Mai 2016: So steht es auf der Rückenetikette. Die Bauchetikette zeigt ein Motiv in verschiedenen Rottönen, darüber der Schriftzug «Mädertaler Tröpfli 2014». Exakt 237 solcher Flaschen gibt es, seit neuestem sind sie auf dem Gossauer Wochenmarkt und auf dem Hof der Familie Bernhardsgrütter im Mädertal erhältlich.

Damit ist erstmals konkret greifbar, was vor über sechs Jahren als kühne Idee begonnen hatte: Auf Initiative eines damaligen Mitarbeiters der benachbarten «Freihof»-Brauerei entschlossen sich Peter und Lina Bernhardsgrütter damals, diesem Projekt eine Chance zu geben.

2010 pflanzten sie auf dem sanften Südhang vor ihrem Hof im Westen Gossaus 200 Rebstöcke der pilzresistenten weissen Sorte Muscaris. Als der Initiant bald darauf den «Freihof» verliess, entschlossen sie sich, allein weiterzumachen, beraten von einem befreundeten Weinexperten. «Die Stöcke auszureissen wäre ja doch schade gewesen», sagt Peter Bernhardsgrütter.

Denn das Experiment hatte sich gut angelassen. Allerdings bekamen die Gossauer Jungwinzer auch die Widrigkeiten des Rebbaus zu spüren, etwa mit der Kirschessigfliege. Die erste Ernte, der Jahrgang 2013, gab nur Trauben für einen Schnaps her. Im Jahr darauf wagten es die Bernhardsgrütters dann, den Wein auszubauen. Weil der Saft aus den eigenen Trauben nicht ausreichte, kauften sie jedoch von einem befreundeten Winzer einen Anteil der roten Sorte Maréchal Foch dazu. So entstand eine rote Cuvée, die im kleinen Eichenfass ausgebaut wurde.

Korpulent und von schönem Rot: Mädertaler. (Bild: Beda Hanimann)

Korpulent und von schönem Rot: Mädertaler. (Bild: Beda Hanimann)

Wunderbare Empfehlung zur Metzgete

Den Korkenzieher in den Zapfen des allerersten Gossauer Weins zu drehen, das ist auch für den erfahrenen Weintrinker (und ehemaligen Gossauer) ein besonderer Moment. Dem ein erstes Glücksgefühl folgt: Der Mädertaler ist von wunderschönem Rubinrot – was umso erstaunlicher ist, als er einen Anteil weisser Trauben enthält. Etwas ungewohnt ist die hefige Note in der Nase. Im Gaumen ist der Wein herb, überraschend korpulent und von einer kompakten Säure mit sehr, sehr dezenten Tanninen. Für einen Wein zum blossen Trinken fehlt noch ein bisschen die Eleganz. Als Begleiter von Speck und Bohnen aber spielen die schöne Säure und der kräftige Körper wunderbar mit. Auch zu einer Metzgeteplatte ist der robuste Landwein zu empfehlen.

«Ich habe ihn gern, aber man darf jetzt nicht dreinstürmen, vielleicht muss man ihn noch etwas ruhen lassen», sagt Peter Bernhardsgrütter. Und man spürt, auch wenn er mehrmals betont, kein Winzer zu sein: Er hat seine Freude am eigenen Wein. Wie die ganze Familie. Es sei schön, ein neues Gossauer Produkt anbieten zu können, findet Lina Bernhardsgrütter, ausserdem brächten die Reben ein wenig südländische Atmosphäre in ihren Garten. Auch Sohn Markus freut sich, mit den Reben eine neue Kulturpflanze kennen gelernt zu haben. Vor zwei Wochen haben die Bernhardsgrütters den 2016er geerntet. Die Ernte fiel so aus, dass sie diesmal auf Zukäufe verzichten konnten. So wird der Muscaris vom Mädertal reinsortig ausgebaut zu einem «orange wine», nach einer alten Methode, die gerade wieder entdeckt wird: Weissweintrauben werden verarbeitet wie rote, also länger an den Beeren vergoren. So entsteht ein Wein von dunkelgelber bis oranger Farbe.

Ob das Projekt Mädertaler Wein weiterverfolgt oder gar erweitert wird, müsse nun die nächste Generation entscheiden, sagt Peter Bernhardsgrütter. Auf Anfang nächsten Jahres übergibt er den Hof an seinen Sohn. Aber es ist keine Frage: Es wäre eine hübsche Entwicklung, wenn sich die Bierhochburg Gossau künftig auch als Weinbaugemeinde profilieren würde.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.