GOSSAU: Büros bleiben verstreut

Das Sozialberatungszentrum muss das «Marktstübli» den Vereinen überlassen. Damit steht es ohne neue Büros da – und ohne einen Plan B.

Noemi Heule
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Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Der Entscheid des Stadtrates, das Markstübli vorerst nicht in Büros umzubauen, stiess in der Gossauer Bevölkerung, bei Vereinen und Politikern auf Wohlwollen. Nur ein stummer Verlierer bleibt zurück: Das Sozialberatungszentrum kann nun doch nicht wie geplant im Erdgeschoss des Alten Gemeindehauses einziehen.

Um nicht unnötig Unruhe zu stiften, hatte sich Andreas Haltinner, Präsident der regionalen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb), aus der öffentlichen Debatte herausgehalten. Längst drehte sich diese nicht mehr um leer stehende Räume, sondern um ein Stück Gossauer Tradition.

Auch jetzt möchte sich Haltinner nicht auf die emotional aufgeladenen Diskussion einlassen. Er bedaure den Entschluss, sagt er lediglich. Bereits im März hätte das Sozialberatungszentrum acht neu geschaffene Büros im Erdgeschoss des Alten Gemeindehauses beziehen sollen. «Es wäre eine schnelle und gute Lösung gewesen», sagt Haltinner. Er fügt an: «Wir akzeptieren den Entscheid.» Nun gelte es die Situation neu zu beurteilen.

Zusammen mit der Kesb teilt sich das regionale Sozialberatungszentrum momentan die drei oberen Stockwerke des Alten Gemeindehauses. Beide sind mit Andreas Haltinner derselben administrativen Leitung unterstellt.

Die Zeit drängt momentan nicht

Nicht etwa Platznot veranlasste das Zentrum zum geplanten Ausbau, sondern ein strategischer Entscheid: Rund 30 Arbeitsplätze sollten neu an einem Ort vereint werden. Momentan sind Ableger des Beratungszentrums in Flawil, im Gossauer Schulamt sowie im Alten Gemeindehaus untergebracht. Diese drei Standorte sollten gebündelt werden. «Die ungünstige Verteilung der Arbeitsplätze erschwert zurzeit die Zusammenarbeit», sagt Haltinner.

Gegner der Umnutzung des Marktstüblis hatten im Vorfeld argumentiert, die geplanten Büros könnten auch anderorts stationiert werden, etwa in der Überbauung Perron 3. Haltinner widerspricht: «Das ist keine Alternative», auch dort sei es nicht möglich, alle Arbeitsplätze unterzubringen.

Mietpeis für Marktstübli bleibt gleich

Die Stadt hätte mit den neuen Mietern gewonnen – zumindest finanziell. 33000 Franken pro Jahr hätte die Kesb für die zusätzlichen Büros bezahlt – ein Vielfaches dessen, was das Marktstübli bisher eingebracht hat. 140 Franken beträgt die Tagesmiete für einen einheimischen Verein. Der Tarif erhöhe sich auch mit der geplanten Verbesserung der Einrichtung nicht, versichert Ivan Furlan, Leiter des Hochbauamtes. Er erhofft sich nach der öffentlichen Debatte allerdings eine höhere Belegung.