GOSSAU: «Bedeutung verloren gegangen»

Das Marktstübli steht an über 300 Tagen im Jahr leer – dies war der Grund, weshalb der Stadtrat die Räume umnutzen wollte. Seine Interpellationsantwort wird am Dienstag im Parlament diskutiert.

Johannes Wey
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«Die Fensterläden im Erdgeschoss des alten Gemeindehauses blieben in den vergangen Jahren an den meisten Tagen geschlossen», schreibt der Stadtrat in seiner Interpellationsantwort. (Bild: Ralph Ribi (3. November 2016))

«Die Fensterläden im Erdgeschoss des alten Gemeindehauses blieben in den vergangen Jahren an den meisten Tagen geschlossen», schreibt der Stadtrat in seiner Interpellationsantwort. (Bild: Ralph Ribi (3. November 2016))

Johannes Wey

johannes.wey@tagblatt.ch

Der Stadtrat hat Wort gehalten. Bei der Aussprache zur Zukunft des Marktstüblis hatte er angekündigt, eine entsprechende Interpellation der Flig-Fraktion prioritär zu behandeln (Tagblatt vom 16. November). Und genau zwei Wochen später hatte der Stadtrat seine Antworten zu Papier gebracht.

Darin legt der Stadtrat nochmals dar, was ihn dazu getrieben hat, die Umnutzung des Marktstüblis ohne Absprache mit Vereinen und Parteien zu beschliessen: Das Interesse an den Räumen war in den vergangenen Jahren mehr als gering. Während des Maimarkts hätten zuletzt weder Vereine noch der Marktverband und auch keine Partei Interesse gehabt, eine Wirtschaft zu führen. Im Rahmen dieser Abklärungen habe der Stadtrat festgestellt, dass kaum mehr Bedarf an der Nutzung bestehe. Das Stübli habe jeweils an über 300 Tagen im Jahr leergestanden. Die tiefe Belegung zeige, «dass die Bedeutung des Marktstüblis im Gossauer Vereinsleben verloren gegangen ist». 2016 habe es mit den 18 Tavola-Mittagstischen und den acht Gottesdiensten der «Family Church» mit 49 Anlässen einen «einmaligen Höchststand» gegeben. Gedanken zur Umnutzung habe man sich gemacht, weil die Räume an einer derart guten Lage nicht «brachliegen» sollten.

Alternative Räume für Vereine gebe es in Gossau genug. Der Stadtrat nennt insbesondere die «Sportlerbeiz» in der Sporthalle Buechenwald als vergleichbare Lokalität.

Flig glaubt, die Auslastung liesse sich steigern

Flig-Präsident Alfred Zahner ist nicht zufrieden mit der Antwort des Stadtrats. «Sie liest sich, als hätte die Aussprache im Marktstübli nicht stattgefunden. Für mich klingt es, als sei der Entscheid bereits gefallen.» Mit dem Marktstübli seien viele Emotionen verbunden, dem müsse man Rechnung tragen. Und das Problem der geringen Auslastung sei hausgemacht: «Ich bin überzeugt, die Nachfrage wäre da, wenn das Stübli richtig vermarktet würde.» Das Markstübli sei zentral gelegen, und es gebe genügend Parkplätze. Mit einer aktiven Vermarktung und geringen Investitionen, beispielsweise in einen Beamer, liesse sich Zahner zufolge die Zahl der Vereinsanlässe problemlos wieder steigern.

Stadtpräsident Alex Brühwiler dementiert, dass der Stadtrat seinen Entscheid bereits gefällt habe. Wie bei der Aussprache angekündigt, geschehe dies erst im Januar. Die angekündigte Aussprache mit IG Sport und IG Kultur habe Anfang dieser Woche stattgefunden.

Die Interpellationsantwort werde an der Parlamentssitzung kommenden Dienstag besprochen. Bis dahin könne er sich nicht weiter äussern, sagt Brühwiler. «Aber auch am Dienstag werden wir noch keine Entscheide präsentieren können.» Alfred Zahner hat bestätigt, dass die Flig-Fraktion die Diskussion der Interpellationsantwort beantragen werde. Neben dem Voranschlag und dem Kauf des Hastag-Areals dürfte also mindestens ein weiteres Geschäft für Kontroversen sorgen.