GOSSAU: Bald zieht Lidl nach Gossau

Wegen der Konkurrenz im Ausland musste der Gossauer Lackierbetrieb Grass aufhören. In beiden Gebäuden sollen ab Herbst andere Firmen heimisch werden. Noch gibt es bauliche Abklärungen.

Angelina Donati
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Das Gebäude direkt hinter der Coop-Tankstelle sowie jendes linker Hand will Rolf Grass weitervermieten. Noch muss die Verkehrsführung neu geregelt werden. (Bild: Urs Bucher)

Das Gebäude direkt hinter der Coop-Tankstelle sowie jendes linker Hand will Rolf Grass weitervermieten. Noch muss die Verkehrsführung neu geregelt werden. (Bild: Urs Bucher)

An kleine Konkurrenten aus der Schweiz war man sich bei der Firma Grass seit jeher gewöhnt. Auf einmal aber zeichnete sich eine neue Dynamik im Markt ab, wie Geschäftsführer Rolf Grass sagt. Plötzlich sah sich der Lackierbetrieb auch im Eins-zu-eins-Vergleich mit ausländischen Unternehmen, vor allem aus Deutschland. «Besonders der starke Franken setzte uns in den vergangenen Jahren zu.» Mit der Konkurrenz habe der Gossauer Betrieb nicht Schritt halten können, wurden doch ins Ausland vergebene Aufträge bis zu 25 Prozent günstiger ausgeführt, so Grass.
Nach
Als plötzlich grosse Kunden abwanderten und damit ein enormes Auftragsvolumen verloren ging, wusste Rolf Grass, dass es Zeit war zu handeln. Bereits geplante Investitionen wurden sofort gestoppt. Dabei wäre sogar die Weiterführung des Unternehmens durch einen seiner Söhne geregelt gewesen, wie er rückblickend sagt. Per Ende November vergangenen Jahres wurde der Lackierbetrieb in den beiden Werken an der St.Gallerstrasse 240 und 244 eingestellt. Mit rund 30 Mitarbeitern und unter dem Namen Grass Malerei AG konzentriert sich das Unternehmen heute auf herkömmliche Malerarbeiten. «Die 22 Mitarbeiter, welche nicht weiterbeschäftigt werden konnten, haben wir weitervermittelt.»

Zweiter Einlenker und Zebrastreifen nötig
Die Grass Malerei AG operiert weiterhin am gleichen Standort. Sie beansprucht aber lediglich einen kleinen Teil der grossflächigen Gebäude von jeweils 2500 und 7000 Quadratmetern. Wie weiter mit den Flächen, die jetzt leerstehen? Für das kleinere Werk hinter der Coop-Tankstelle seien bereits Mieter gefunden worden: Fachbetriebe für Bauzubehör. Im grösseren Werk gleich gegenüber sollen bis zu vier Betriebe Platz finden, wie Grass sagt. Einer davon ist voraussichtlich Lidl. «Das Interesse Lidls, in Gossau eine Filiale zu eröffnen, ist riesig», sagt Rolf Grass. Die Verträge mit dem Discounter seien zwar so gut wie abgeschlossen – wegen des künftigen Publikumsaufkommens müsse aber noch die Verkehrsführung der Kantonsstrasse neu geregelt werden. Zusammen mit dem Kanton und der Stadt Gossau würden dazu Abklärungen laufen. Nötig seien unter anderem ein zweiter Einlenker sowie ein Fussgängerstreifen auf Höhe der Tankstelle.

Mit dem «Quartierladen», wie Grass Lidl nennt, werde endlich eine Lücke gefüllt. «In diesem Gebiet sind die Anwohner einkaufsmässig unterversorgt.» Die Fachbetriebe für Bauzubehör eröffnen voraussichtlich diesen Herbst, etwas später dann Lidl. Bis dahin werden die beiden Gebäude umgebaut und energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Investorin und Bauherrin ist die Grass AG. Zudem wird die Parkplatzordnung neu geregelt. Nach der Auflage des Baugesuchs habe es eine Einsprache eines ansässigen Betriebes gegeben. Diese könne gütlich geregelt und demnächst bereinigt werden, wie Gespräche gezeigt hätten.

Schon früh zweites Standbein aufgebaut
Vor weniger als drei Jahren wirkten noch 150 Mitarbeiter im Familienunternehmen Grass mit. Das Ende des rund 70-jährigen Lackierbetriebs sieht Rolf Grass dennoch pragmatisch. Natürlich sei er von Beginn weg mit Herzblut dabei gewesen. Einfache Zeiten waren es aber nicht. Als sein Vater, der damalige Geschäftsführer, verstarb, übernahm Rolf Grass mit gerade einmal 22 Jahren den Betrieb. «Ich versuchte, meine Mutter so gut, wie ich nur konnte, zu unterstützen.» Das Marktumfeld aber habe sich mittlerweile geändert. «Der Wirtschaftsstandort Schweiz befindet sich in einem Umbruch.» Die Agilität der KMU wird oft stark von Marktentwicklungen, wie beispielsweise dem starken Franken, eingeschränkt. In der heutigen Zeit müssten Unterneh- mer und auch Mitarbeiter flexi-bel sein. Wichtig sei, die Zeichen frühzeitig zu erkennen und sie richtig zu deuten. Möglich wer- de dies mit jahrelanger Erfah-rung und auch Sensibilität. «Ich sehe mich als Macher. Lieber agiere ich, als dass ich reagieren muss. Proaktive Entscheidungen sind meist die besseren», sagt Grass.

Bereits schon in den Anfängen als Geschäftsführer der Lackiererei habe er sich ein zweites Standbein aufgebaut und Fuss in der Immobilienbranche gefasst. Unter anderem ist Rolf Grass Mitbegründer der Gossauer Immocity AG, wo er als Verwaltungsratspräsident fungiert. Dank dieser Ausrichtung sei es ihm nun überhaupt möglich, das grossflächige Gebiet, wo einst die Werke der Lackiererei standen, weiterzuentwickeln.
Das Gebäude direkt hinter der Coop-Tankstelle sowie jenes linker Hand will Rolf Grass weitervermieten. Noch muss die Verkehrsführung neu geregelt werden.