Goldacher Kastanien sind gesund

GOLDACH. Edelkastanien müssen nicht zwingend aus südlichen Gefilden kommen. Sie gedeihen auch in unserer Region. Im Goldacher Witenwald. Wer sich morgens beizeiten aufmacht, kann dort im Herbst seine eigenen Marroni sammeln.

Marianne Bargagna
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Kerngesund ragt der etwa 250jährige Kastanienbaum im Witenwald etwa 25 Meter in die Höhe. (Bilder: Marianne Bargagna)

Kerngesund ragt der etwa 250jährige Kastanienbaum im Witenwald etwa 25 Meter in die Höhe. (Bilder: Marianne Bargagna)

Immer wieder schweben leise Blätter zu Boden. Braune, rote, gelbe Blätter bedecken den Waldboden. Im Witenwald ist Herbst. Jene Jahreszeit, in der auch die Kastanien reif zu Boden fallen. Nicht nur Rosskastanien, die man in unserer Gegend an vielen Orten sieht. Sondern auch Edelkastanien. Obwohl diese normalerweise südlich der Alpen gedeihen, findet man sie auch in unserer Region. Im Goldacher Witenwald zum Beispiel. Hier stehen prächtige Exemplare von Edelkastanienbäumen. Revierförster Reto Bless führt dies auf das milde Klima zurück.

Ein prächtiger Baum

Revierförster Bless schmunzelt. Sobald die Marroni reif seien, würden sich viele Leute auf den Weg in den Witenwald machen. Bereits frühmorgens, mit Taschenlampe. Ihr Ziel: Jene Bäume, die uns im Herbst die goldbraunen Früchte bescheren, die geröstet an kalten Wintertagen wärmen, glasiert gut zu Rotkohl passen und püriert als köstliche Vermicelles Schleckmäuler erfreuen. Im Witenwald gibt es einige Edelkastanienbäume. Einer überragt alle. Er ist laut Reto Bless etwa 250 Jahre alt, fast 20 Meter hoch und hat einen Stammumfang von 457 Zentimetern, was etwa 23 Kubikmetern Holz oder einem voll beladenen 40-Tonnen-Lastwagen entspricht.

Aber keine Bange. Der Baum wird nicht gefällt. Auch wenn das Holz sehr dauerhaft sei und deshalb auch für Lawinenverbauungen verwendet werde, sagt Bless. Der Baum bleibt stehen, wird vom Förster und seinen Mitarbeitern sorgsam gepflegt. Bless steht vor dem Baum. Schaut hinauf. «Diese mächtige Edelkastanie mitten im Wald muss vor allen anderen Bäumen da gestanden haben. Denn Edelkastanien benötigen viel Licht», sagt er. Dass auch die jüngeren Bäume Licht bekommen, dafür sind die Waldarbeiter besorgt. Sie lichten den Wald rund um die Kastanien aus. Und sie schauen, dass es immer wieder Nachwuchs gibt. Vor etwa 20 Jahren seien im Witenwald etwa 100 Kastanienbäume gepflanzt worden, etwa die Hälfte habe überlebt. Die Bäume seien aus Marroni aus dem eigenen Wald gezogen worden. Von diesen gibt es jeweils in Hülle und Fülle, Abertausende, sagt Bless. Man braucht sie also nur aufzulesen, in gute Erde zu stecken und schon schlagen sie Wurzeln. Jene Früchte, die weder im Koch- noch im Blumentopf landen, sondern liegen bleiben, wurzeln im Waldboden. Bless zeigt auf die jungen Pflänzchen, die rund um den mächtigen «Mutterbaum» spriessen. In diesen schlug vor etwa 20 Jahren ein Blitz ein. «Er hatte nach diesem Ereignis etwas Mühe, hat sich aber wieder gut erholt», sagt Bless.

Bäume sind gesund

Überhaupt: «Unsere Kastanienbäume sind gesund», stellt der Förster zufrieden fest. Schädlinge, wie sie in den Kastanienwäldern südlich der Alpen auftreten und die zu grossen Ernteausfällen führen können, gebe es im Witenwald keine. Und nein, einen reinen Kastanienwald wird es in der Witen auch nicht geben. Die Edelkastanien werden in der Minderheit bleiben. Für Förster Bless ist das auch gut so. Denn: «Minoritäten machen den Wald speziell.» Ein Wald, der für viele ein Erholungsgebiet ist, in dem es Waldkindergärten gibt, wo sich Biker, Spaziergänger, Jäger aufhalten, sagt Bless, der schon als Bub in Flums, wo er aufgewachsen ist, Edelkastanienbäume kennenlernte. Während seiner Ausbildung habe er sich dann mit diesen Bäumen intensiver befasst. Er schmunzelt: Und jetzt, als Revierförster im Revier Rorschach, komme er wieder hautnah in Kontakt mit diesen Bäumen, die bis zu 500 Jahre alt werden können. Der gut 250jährige Kastanienbaum im Witenwald hat also noch sein halbes Baumleben vor sich.

Revierförster Reto Bless zeigt einen spriessenden Kastanienbaum.

Revierförster Reto Bless zeigt einen spriessenden Kastanienbaum.