Goldacher Helvetia auf Tells Spuren

Ab morgen trifft sich die Armbrust-Weltelite in Wil. Die OK-Präsidentin Vreny Liechti hat nach einer lediglich fünfmonatigen Vorbereitungsphase alles im Griff.

Urs Huwyler
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Vreny Liechti, hier im Stand in Goldach, ist seit über 30 Jahren eine treffsichere Armbrustschützin. (Bild: Urs Huwyler)

Vreny Liechti, hier im Stand in Goldach, ist seit über 30 Jahren eine treffsichere Armbrustschützin. (Bild: Urs Huwyler)

WIL. Viel schräger geht es kaum. Weil die deutschen Verwandten unseres Wilhelm Tell nicht in der Lage sind, eine Armbrust-Weltmeisterschaft zu organisieren, geben sie die Organisation kurzfristig an den Internationalen Verband zurück. Daraufhin springt die Schweiz ein – kein bärtiger Mann mit tannigen Hosen übernimmt das OK-Präsidium für die Nationalsport-Titelkämpfe, sondern eine Helvetia vom Bodensee. Als könnte eine Frau vergleichsweise an einem Eidgenössischen der Schwinger Regie führen.

Wer bisher so dachte, muss über die Bücher. «Wir sprechen von Armbrustschiessen als Sport», kontert die im idyllischen Stand von Goldach trainierende Schützin. Die Schweiz wird – fast schon symbolisch – im Teamwettbewerb der königlichen Open-Klasse erstmals von drei Frauen vertreten. Beim General Weber Gedenkschiessen in Frauenfeld gewann Vreny Liechti im 36. Aktivjahr das Familienduell gegen Ehemann Hans mit drei Ringen Vorsprung.

«Plämpel» für Chefin

«Die eigenen Resultate spielen im Moment eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass an der WM alles klappt», setzt die bei Oerlikon Saurer in Arbon stationierte Chefin der Lernenden auch im Sport Prioritäten. Sollte die WM tatsächlich ohne organisatorische Fehlschüsse über die vier Tage kommen, müsste ihr eine Goldmedaille überreicht werden. «Ich habe schon eine», sagt sie lachend. Der Medaillenfabrikant fertigte für sie einen zusätzlichen «Plämpel» an. Das Sujet entwickelte die OK-Präsidentin selbst und liess es vom Chef der Nationalmannschaft, Gerold Pfister (Wolfertswil), absegnen, der in Tübach arbeitet. Das Logo des Internationalen Verbandes (IAU) ist ebenso integriert wie das Schweizerkreuz. «Wir wollen den Sportlern eine WM bieten, die ihren Namen verdient. Deshalb sind wir als Organisator eingestiegen. Es kann nicht sein, dass ihnen das Saisonziel einfach gestrichen wird», sagt die ehemalige Präsidentin des Ostschweizer Verbandes.

Fünf Monate genügen

Normalerweise werden Weltmeisterschaften über Jahre hinweg vorbereitet. Liechti und ihr Team sollen es in fünf Monaten schaffen. «In einzelnen Bereichen mussten Abstriche gemacht werden – beispielsweise im Sponsoring oder den Aktivitäten rund um die WM. Es galt, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Unser Ziel war, zuerst den sportlichen Ablauf zu garantieren. Dies ist gelungen.» Die Eröffnungsfeier im Hof Wil könnte nicht nur den ausländischen Teilnehmern in Erinnerung bleiben. Vreny Liechti wird ihre Rede vor den Vertretern aus zehn Nationen auf Englisch halten.

Was soll die WM bewirken, wo liegt die Nachhaltigkeit bei einem Budget von rund 70 000 Franken? Weshalb werden ehrenamtlich Stunden, Tage geopfert, um einer kleinen Gruppe von 118 Startenden ein optimales Umfeld zu schaffen? «Das attraktive Armbrustschiessen ist als Sport in unserer Region verwurzelt und soll eine Plattform erhalten, sich zu präsentieren. Viele wissen gar nicht, welche Leistungen erbracht werden», sagt Vreny Liechti. Sie weist darauf hin, dass in Wil auch Rekorde fallen könnten. Das nationale Niveau ist derart hoch, dass Schweizer Bestleistungen teilweise Europa- oder Weltrekorde wären.

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