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Goldacher erklären die Schweiz

In Büchern klären Goldacher das aufwühlende Thema Schweizer und Deutsche. Wolf Buchinger schöpft aus Erfahrungen als Einwanderer. Renato Kaiser überspitzt Klischees, bis man sie für die Wirklichkeit hält.
Fritz Bichsel
Die Bücher der Goldacher Wolf Buchinger und Renato Kaiser zum Thema Schweiz und Deutsche. (Bild: Fritz Bichsel)

Die Bücher der Goldacher Wolf Buchinger und Renato Kaiser zum Thema Schweiz und Deutsche. (Bild: Fritz Bichsel)

GOLDACH. Der Goldacher Wolf Buchinger, zugewandert aus der Pfalz, schreibt fürs Schweizer Satiremagazin «Nebelspalter». Der gebürtige Goldacher Renato Kaiser, jetzt studienhalber in Freiburg (nicht jenes in Deutschland), schreibt fürs österreichische Pendant «Bananenblatt». Und nun das: Je ein Schweiz-Buch, auf dem Umschlag Kuh und Schokolade da, Alphörner dort. Wo bleibt da die Satire? Diese kommt bei Renato Kaiser im Text knüppeldick. Wolf Buchinger lässt stattdessen Begebenheiten sprechen – Realsatire.

«Über sich selber lachen»

Der Verlag Bruckmann in München suchte für das Thema Beziehungen zwischen Schweizern und Deutschen einen Autor beim «Nebelspalter». So kam es, dass Wolf Buchinger «Ich bin jetzt in der Schweiz – Ein Selbstversuch» schrieb. Das Buch fand solchen Anklang, dass es jetzt ausgewählt wurde für die Leipziger Buchmesse 2014, an der die Schweiz Gastland sein wird.

Nach Jahrzehnten kennt Wolf Buchinger unser Verhalten besser als wir Eingeborenen. Unterschiede zwischen Ureinwohnern von Kanton zu Kanton ortet und ordnet er glasklar, er hört Feinheiten deutschschweizerischer Dialekte, obwohl er keinen spricht. Der Goldacher aus der Pfalz weiss auch, dass Schweizer nicht gleich Schweizer ist: «Bei Zugfahrten verstecke ich meinen Hund immer aus Protest unter dem Sitz, weil ich für ihn so viel bezahlen soll wie für einen Erwachsenen. Wenn ich nördlich der Alpen erwischt werde, muss ich nachzahlen samt Busse. Südlich der Alpen kniet der Kondukteur (deutsch: Schaffner) vor dem Hund nieder, streichelt ihn und gibt ihm ein Leckerli.»

Eine Bloggerin in Deutschland schreibt: «Nie hatte ich viel über die Schweizer und die Unterschiede zu Deutschen nachgedacht, bis ich einen Schweizer kennenlernte, der mir gestand, er fände mich so forsch und offen – typisch deutsch eben. Aha. Und wie sind dann die Schweizer im Gegensatz dazu? Dieses Buch klärt das und vieles Weitere und ist dabei so launig geschrieben, dass ich es in einem Rutsch durchgelesen habe.»

Eine Schweizerin schreibt auf der Homepage des Verlags: «Zugegeben: Man muss die Gabe besitzen, über sich selber lachen zu können, wenn man als Schweizerin dieses Buch liest. Dann ist es allerdings sehr amüsant. Ich habe sogar dies und das gelernt. Ein Beispiel? Ich wusste nicht, woher der Begriff <Sauschwabe> kommt. Aber lest selber.»

«Neutralala» – mehr als neutral

Der Verlag Conbook gelangte für das Thema Schweiz in der Reihe «Heimatbücher» an Renato Kaiser, der auf Bühnen in Deutschland Erfolge feiert. Der junge Poetry-Slammer ging es so an: Auf fiktive Fragen von Deutschen gibt er Antworten, die jedes Klischee stärken. «Nein, wir Schweizer essen nicht so viel Käse. Wir essen nur Käse.» – «Mit dem Frauenwahlrecht nahmen die Dinge einen unheilvollen Verlauf. Bis zu dem vermaledeiten Jahr 1990 hiess unser Land noch <der Schweiz>! Oder <der Schweiss>, um genau zu sein.»

Das Buch «Neutralala» löste auch in Deutschland viel Echo aus. In der Rezension von reisebuch.de ist zu lesen: «Wenn es jemand tatsächlich schafft, sich durch diesen Wust an elaboriertem Blödsinn zu kämpfen und dabei zu unterscheiden lernt, was ernst und was satirisch gemeint ist, dann wird er eine Menge erfahren über dieses oft heimlich bewunderte und gelegentlich öffentlich geschmähte Alpenland, das für uns Deutsche vor allem eins ist: teuer (in des Wortes doppelter Bedeutung).»

Renato Kaiser hat auch journalistische Wurzeln. In ergänzenden Kästen enthält sein Buch auch Wahres über die Schweiz und augenzwinkernde Erklärungen für Eigenartiges.

Alles nur Satire?

Beide Bücher bieten Vergnügen, Anstösse zum Nachdenken und Anlass zum Kopfschütteln. Aber es ist ja alles nur Satire. Oder doch nicht?

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