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GOLDACH: Zeitzeuge muss weichen

Das alte Seewasserwerk der Stadt St. Gallen im Rietli wird abgebrochen. Daran ändert auch die neu entdeckte historische Fassade nichts. Die Zukunft des Areals ist offen. Die Gemeinde Goldach hat schon Ideen.
Linda Müntener
Auf dem Areal im Rietli sind die Bagger aufgefahren. Derzeit wird der alte Maschinenraum abgebrochen. (Bilder: Linda Müntener)

Auf dem Areal im Rietli sind die Bagger aufgefahren. Derzeit wird der alte Maschinenraum abgebrochen. (Bilder: Linda Müntener)

Linda Müntener

linda.muentener@tagblatt.ch

Die letzten Tage des alten Seewasserwerks der Stadt St. Gallen sind gezählt. Auf dem Areal im Goldacher Rietli sind die Bagger aufgefahren. Stück für Stück werden die Gebäude abgerissen. Damit weicht ein Zeuge der Geschichte um die wachsenden Infrastrukturen der Stadt St. Gallen.

Die Geschichte um den Rückbau des alten Seewasserwerks ist bewegt. 2010 wurde die Filterhalle – ein architektonisches Kunstwerk von Robert Maillart – abgerissen. Der Aufschrei war gross. Weder die kantonale Denkmalpflege noch die Stadtparlamentarier hätten von der «Nacht-und-Nebel-Aktion» etwas gewusst, hiess es damals. Die Halle sei nicht denkmalgeschützt gewesen, sagt Marcel Steiger, ­Bereichsleiter bei den St. Galler Stadtwerken, heute. Diesen Punkt habe man im Vorfeld genau abgeklärt. In der Folge beantragte der Stadtrat dem Stadtparlament im Herbst 2016 den Abriss der restlichen Gebäude. Das Stadtparlament hat dem Antrag zugestimmt. Die Gebäude seien derart marode und verfallen, dass eine Renovation keinen Sinn ergebe, war sich die grosse Mehrheit einig. Schliesslich hat sich auch die Gemeinde Goldach als lokale Schutzaufsichtsbehörde für den Abbruch entschieden und die Bewilligung erteilt.

Bürger wehren sich gegen den Abriss

Als erstes soll nun der Maschinenraum weichen. «Dazu haben wir die Fassadenverkleidung aus den 60er-Jahren entfernt», sagt Marcel Steiger. Dass dabei die alten Fassaden des 1895 erbauten Gebäudes zum Vorschein kommen, hatte in dieser Form niemand erwartet. Steiger stoppte den Abbruch und bestellte die kantonale Denkmalpflege ein. «Wir nehmen die saubere Überprüfung sehr ernst», betont er. Indes wurden Bürger auf die Arbeiten aufmerksam. Sie besichtigten die Baustelle auf eigene Faust und forderten Steiger und die Gemeinde auf, das historische Gebäude zu erhalten.

Am vergangenen Freitag haben schliesslich Vertreter der Denkmalpflege, des St. Galler Stadtrats sowie der Goldacher Gemeindepräsident Dominik Gemperli den Bau besichtigt und dokumentiert. Ihre Beurteilung: Die Umformung aus den 60er-Jahren hat dem Gebäude stark zugesetzt. Die Räume stehen seit 2009 leer. Das hat Spuren hinterlassen. Die Fassade ist beschädigt, die Decken sind undicht, die Keller werden regelmässig mit Seewasser überflutet. Der Abriss sei zwar bedauerlich, aber ein logischer Schluss. Sobald der Maschinenraum abgebrochen ist, beginnen die Arbeiten am eigentlichen Seewasserwerk. Läuft alles nach Zeitplan, sind die Gebäude in den kommenden Wochen verschwunden. Einzig ein kleiner Teil des alten Seewasserwerks bleibt bestehen. Diesen nutzt die Firma Amcor, die ihren Sitz ebenfalls im Rietli hat, zur Wasserkühlung.

Goldach will das Gebiet entwickeln

Was mit dem Rest des Grundstücks passiert, ist offen. Das Areal liegt grösstenteils in der Industrie-Gewerbe-Zone und ist im Besitz der Stadt St. Gallen. Die Gemeinde Goldach ist daran ­interessiert, das Gebiet zu ent­wickeln. «Wir haben unser Interesse an einem Kauf bereits in Gesprächen mit der Stadt signalisiert», sagt Gemeindepräsident Dominik Gemperli. Ein aktualisiertes Konzept stehe zwar noch nicht. Der Gemeinderat könne sich aber vorstellen, hier Platz für Wohnen und Gewerbe zu schaffen. Und er könnte ein Legislaturziel erreichen: den Seezugang verbessern. «Dieser ist heute nicht optimal», sagt Gemperli. Mit dem Areal im Rietli würde sich die Chance für Lösungen mit einer integrierten Unter- oder Überführung zum See bieten. Ein Entscheid über das Kaufinteresse soll laut Gemperli bis zu den Herbstferien fallen.

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