GOLDACH: Kosten für das «La Vita» laufen aus dem Ruder

Im Dezember informierte der Gemeinderat darüber, dass beim La Vita Seniorenzentrum mit Mehrkosten von 1,9 Millionen Franken – gesamt 17,84 Millionen – zu rechnen ist. Rund drei Monate später zeigt sich, dass diese Zahlen zu tief angesetzt sind.

Rudolf Hirtl
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Trotz markanter Kostenüberschreitung ist die Selbstfinanzierung des Seniorenzentrums in Goldach weiterhin gewährleistet. (Bild: Rudolf Hirtl)

Trotz markanter Kostenüberschreitung ist die Selbstfinanzierung des Seniorenzentrums in Goldach weiterhin gewährleistet. (Bild: Rudolf Hirtl)

Goldachs neuer Gemeindepräsident Dominik Gemperli spricht von einer unglücklichen, für den Gemeinderat sehr ärgerlichen Entwicklung. Gemeint ist die Kostenprognose für das Seniorenzentrum La Vita, die nicht der im vergangenen Dezember veröffentlichten Annahme entspricht. Damals teilte der Gemeinderat noch unter Thomas Würth mit, dass für den Umbau und die Erweiterung des «La Vita» gemäss Prognose des Architekten mit Mehrkosten von 1,9 Millionen Franken bzw. Gesamtkosten von 17,84 Millionen Franken zu rechnen ist.

Bereits ein Jahr zuvor informierte der Gemeinderat Goldach an dieser Stelle erstmals über zu erwartende Kostenüberschreitungen. Damals ging er allerdings noch von deutlich tieferen Zahlen, von 835000 Franken aus. Gemperli sagt denn auch, dass sich die Kostenüberschreitung bereits 2015 abgezeichnet hätte. Worüber der Gemeinderat offen und transparent informiert habe.

Ursache für fehlerhafte Kostenprognose unklar

Ursachen für den dann im Dezember 2016 publizierten Mehraufwand sind Positionen, bei denen der effektive Aufwand deutlich grösser war als erwartet; beispielsweise bei den Abbrucharbeiten im Erdgeschoss, bei der Entsorgung, bei den Innentüren oder den Bodenbelägen. Hinzu kamen Zusatzkredite für die Totalsanierung der Küche (175000 Franken) oder die Erneuerung der Kommunikationsanlagen mit 208000 Franken. Weiter führt der Rat negative Effekte auf, die sich aus der Ausgliederung des La Vita Seniorenzentrums in ein unselbstständiges öffentlich-rechtliches Unternehmen ergaben. Und nicht zuletzt hätten auch falsche Entscheidungsgrundlagen wegen fehlerhaften Zahlen zur Genehmigung von zusätzlichen Leistungen zur Kostenüberschreitung geführt.

Nun schreibt der Gemeinderat in seiner neuesten Mittelung, «dass die jüngste Kostenprognose des Architekten wiederum nicht stimmt und von weiteren Mehraufwendungen bzw. Kostenüberschreitungen in noch nicht abschliessend bekannter Höhe auszugehen ist.» Laut Dominik Gemperli zeichnet sich ab, dass der Mehraufwand die Zehn-Prozentmarke überschreitet, die in der Kompetenz des Gemeinderates liegt. Genaue Zahlen könne der Rat aktuell aber noch nicht nennen, weil er den gelieferten Zahlen nicht mehr traue.

«Der Gemeinderat bedauert diese Entwicklung sehr und entschuldigt sich dafür. Für ihn bleibt unklar, wie die fehlerhaften Kostenprognosen und die daraus folgenden Kreditüberschreitungen zu Stande kommen konnten», heisst es in der Mitteilung. «Der Rat will nichts beschönigen. Aus diesem Grund lässt er die Vorgänge rund um das Controlling der Kosten und Abrechnungen von einer noch nicht bestimmten, externen Revisionsgesellschaft aufarbeiten», sagt Dominik Gemperli dazu. Klar sei, dass die Zeit dafür nicht ausreiche, um bereits an der Bürgerversammlung vom 27. März konkret informieren zu können.

Selbstfinanzierung weiterhin realistisch

Und was, wenn die zehn Prozent überschritten werden? «So ein Fall ist nicht geregelt. Es bleibt wohl nicht viel mehr, als sich bei der Bevölkerung zu entschuldigen», so Gemperli. Fakt sei aber, dass der überarbeitete Businessplan für das «La Vita» die Schlussfolgerung zulasse, dass die Selbstfinanzierung für den Umbau und die Erweiterung trotz höherer Gesamtaufwendungen möglich bleibt, und zwar ohne zusätzliche Belastung für Bewohnerinnen und Bewohner.

Rudolf Hirtl

rudolf.hirtl@tagblatt.ch