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GOLDACH: Hilfe beim Start in der Fremde

Angesichts der Flüchtlingskrise führt die Schule Goldach nach den Sommerferien eine Integrationsklasse. Ausländische Kinder lernen Deutsch und werden auf die Schule vorbereitet. Ein Modell, das Kinder und Lehrpersonen entlasten soll.
Linda Müntener
Der Schwerpunkt der Integrationsklasse liegt auf der Sprache: Ausländische Kinder sollen schnellstmöglich Deutsch lernen. (Bild: Andrea Stalder)

Der Schwerpunkt der Integrationsklasse liegt auf der Sprache: Ausländische Kinder sollen schnellstmöglich Deutsch lernen. (Bild: Andrea Stalder)

GOLDACH. Sie sind bei uns in einem fremden Land mit einer fremden Kultur, ohne ein Wort Deutsch zu verstehen: Flüchtlingskinder haben keinen leichten Start in ihrer neuen Heimat. Die Integration erfolgt über die Schule, über den Umgang mit Gleichaltrigen. Um ihnen diesen Start zu erleichtern, führt die Schule Goldach nach den Sommerferien wieder eine Integrationsklasse. Sieben Schüler werden vorerst dort unterrichtet und auf den Übertritt in die Regelklasse vorbereitet.

Nachbarn kennen das Modell

Goldach ist nicht die erste Gemeinde der Region, die eine solche Klasse führt. Rorschacherberg und Rorschach kennen dieses Modell bereits. «Die Schulen haben bisher zusammengespannt», sagt Goldachs Schulpräsident Andreas Gehrig. Kinder, deren Familien nach Goldach gezogen sind, wurden in Rorschacherberg unterrichtet. Dass sie künftig im «eigenen» Dorf zur Schule gehen, ist laut Schulleiterin Esther Marte ein Vorteil: «Nach einer Flucht, die an den Kindern nicht spurlos vorbei geht, brauchen sie Zuwendung und Kontinuität. Die Schule gibt ihnen dabei Halt.»

Erfahrungen hat Goldach in einem Pilotprojekt gesammelt: 2010 zog eine Familie aus Eritrea mit sechs Kindern hierher. Die Frau und ihre Kinder sprachen kein Wort Deutsch. Ein halbes Jahr lang wurden sie in einer separaten Klasse auf die Einschulung vorbereitet – mit Erfolg. Seither bestand dank Nachbarschaftshilfe kein Bedarf mehr für eine eigene Integrationsklasse. Mit der aktuellen Flüchtlingskrise hat sich dies geändert. Die Bildungskommission hat deshalb ein Konzept verabschiedet.

Stufenübergreifend lernen

Sieben Schüler besuchen nach den Sommerferien die neue Integrationsklasse. Diese dient ihnen als Starthilfe für den regulären Schuleintritt, ohne die Lehrpersonen der Stammklassen übermässig zu belasten. Unterrichtet werden die Schüler von Brigitte Bürge. Die Goldacher Primarlehrerin unterrichtet auch Deutsch als Zweitsprache und verfügt deshalb bereits über Erfahrungen in diesem Bereich – auch im Umgang mit Menschen, die aus einem Krisengebiet geflüchtet sind. Die Klasse ist stufenübergreifend, von der zweiten Primarklasse bis zur Oberstufe. Die grosse Altersspanne sei für die Lehrerin besonders herausfordernd, sagt Esther Marte. «Der Schwerpunkt wird auf die Sprache gelegt», sagt sie. Die Kinder und Jugendlichen sollen schnellstmöglich Deutsch lernen und damit verbunden an die hiesigen Gepflogenheiten herangeführt werden. Wie sagt man «Grüezi»? Wie verabschiedet man sich? Wie nennt sich das Möbel, auf dem ich sitze? «Dinge, die für uns selbstverständlich sind, müssen sie zuerst lernen», sagt Esther Marte. Wie lange ein Kind in der Integrationsklasse unterstützt wird, entscheiden Lehrperson und Schulleitung individuell, je nach Entwicklung. Ziel ist in jedem Fall der schnellstmögliche Übertritt in eine Regelklasse. Dieser Übertritt erfolgt meist schrittweise über Fächer wie Handarbeit oder Sport. «Im Fussball beispielsweise können sich die Kinder sehr schnell verständigen. Das hilft», sagt Esther Marte.

Schwierige Planung

Der Goldacher Schulpräsident Andreas Gehrig ist vom Konzept überzeugt. Die Schule biete zwar weiterhin Deutschunterricht für Fremdsprachige an. Dieses Angebot richte sich jedoch an fremdsprachige Kinder im Kindergartenalter und wenig darüber hinaus, als Erwachsenenangebot auch an Mütter und Väter. «Die Integrationsklasse ist ein Auffangbecken für die älteren Kinder», sagt Andreas Gehrig. Die Planung des Konzepts sei schwierig gewesen. Denn es ist unbekannt, wann wie viele Familien in die Gemeinde ziehen. Das Konzept sieht vor, mindestens vier und maximal zwölf Schüler in der Integrationsklasse zu beschulen. «Das erste Jahr dient dazu, Erfahrungswerte zu sammeln», sagt der Schulpräsident. Besteht danach weiterhin Bedarf, wird die Integrationsklasse fortgeführt.

Andreas Gehrig Schulpräsident Goldach (Bild: Rudolf Hirtl)

Andreas Gehrig Schulpräsident Goldach (Bild: Rudolf Hirtl)

Esther Marte Schulleiterin, Schulkreis Zentrum (Bild: Rahel Winter)

Esther Marte Schulleiterin, Schulkreis Zentrum (Bild: Rahel Winter)

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