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GOLDACH: Dürfen wir vorstellen: Der einzige männliche Kindergärtner der Region

Jakob Näf ist der einzige Kindergärtner in der Region. Er sagt, es sei wichtiger denn je, dass auch Männer den Beruf ausübten. Warum dies dennoch selten der Fall ist, erklärt er im Gespräch.
Arcangelo Balsamo
Jakob Näf erzählt, und alle Kinder hören gebannt zu. (Bild: Arcangelo Balsamo)

Jakob Näf erzählt, und alle Kinder hören gebannt zu. (Bild: Arcangelo Balsamo)

Arcangelo Balsamo

arcangelo.balsamo@tagblatt.ch

«Wie nennt man das, was man draussen gerade sieht?», fragt Jakob Näf. Die Hand eines Kindes schnellt in die Höhe. «Nebel», antwortet es. «Richtig», sagt Näf, der in der Zwischenzeit die Gitarre hervorgeholt hat. Er stimmt das Lied «Gross und schön isch d’Sunne» an. Mit diesem soll die Sonne herausgelockt werden. Die Kinder singen voller Enthusiasmus mit. Nach dem Lied verstaut Näf die Gitarre. Es ist Zeit, eine Geschichte zu erzählen. Dafür dimmt Näf das Licht und zündet die Kerzen in den Laternen an. Danach läutet er kurz mit einem Glöcklein – sogleich hören ihm 19 Kinder gebannt zu. Die Geschichte handelt vom Hirten Simon und dessen Lamm. Dieses geht verloren, doch Simon findet es schliesslich wieder. Die Erzählung kommt bei den Kindern gut an. «Ich fand alles schön», meinen einige von ihnen danach. Einem anderen Kind gefiel der Schluss besonders gut. Näf erklärt ihm, dass ein solches Ende «Happy End» heisse.

Ein schwieriger Entscheid

Näf ist seit 2008 Kindergärtner in Goldach und hat seither mehr als 100 Kinder durchs Vorschulalter begleitet. Während des Gesprächs gerät er ins Schwärmen: «Es ist einfach cool, wenn die Kinder richtig mitmachen. Kindergärtler befinden sich in einem ‘magischen’ Alter. Wenn man sie richtig anspricht, dann sind sie voll dabei. Wenn Kinder älter werden, wird dies immer schwieriger.» Man spürt, dass er seine Arbeit liebt. Dennoch ist es ihm nicht leicht gefallen, sich für den Beruf zu entscheiden. «Ich habe lange überlegt, bevor ich meine Anmeldung für die Ausbildung in den Briefkasten geworfen habe», sagt er.

Obwohl Näf ein Exot unter vielen Frauen ist – er ist der einzige Kindergärtner in der Region – fühlt er sich wohl. Wenn er Leuten erzähle, was er beruflich mache, reagierten die meisten positiv, sagt er. «Zu Beginn wundern sie sich zwar, aber viele finden es lässig.»

Von den Kühen zu den Kindern

Bevor der dreifache Familienvater Kindergärtner wurde, machte er eine landwirtschaftliche Ausbildung. «Ich bin in Bächli-Hemberg auf einem Bauernhof aufgewachsen. Da ich der einzige Bub war, sollte ich den Hof übernehmen», sagt Näf. Nach dem Abschluss bemerkte er rasch, dass der Beruf nicht das Richtige für ihn war. Es folgten Praktika in Pflegeheimen für Kinder und Erwachsene. «Als dann die ersten Freunde Kinder hatten und ich diesen Geschichten erzählte, wurde der Berufswunsch Kindergärtner immer grösser, und ich entschied mich dafür», so Näf.

Es gebe wohl mehr Männer, die sich vorstellen könnten, als Kindergärtner tätig zu sein, sagt Näf. «Aber vielen fehlt der Mut zum letzten Schritt.» Dabei sei es wichtiger denn je, dass auch Männer den Beruf ausübten. «Viele Paare trennen sich und die Kinder bleiben bei der Mutter. Vielen fehlt dann eine männliche Bezugsperson. Dabei ist es wichtig, dass ein Kind sowohl eine weibliche als auch eine männliche Person hat, an der es sich orientieren kann. Zudem merken Kinder so, dass Männer nicht nur gross und stark sind, sondern auch einfühlsam und tröstend sein können», sagt er. Deshalb möchte er auch Männer dazu ermutigen, Kindergärtner zu werden. «Wenn man merkt, dass man das machen will, dann soll man auf sein Herz hören und es tun. Egal was andere davon halten.»

Der Unterricht neigt sich dem Ende zu. Näf legt das Buch weg und löscht die Laternen. Er stimmt ein weiteres Lied an, dieses Mal ohne Gitarre. Die Kinder singen sofort mit. In der Zwischenzeit scheint draussen die Sonne. «Habt ihr gesehen? Unser Lied hat genützt!», sagt Näf den Kindern. Diese freuen sich. «Fast wie ein Zauberspruch», sagt eines von ihnen. Danach reicht ein Kind nach dem anderen «Herrn Näf» die Hand und verlässt den Kindergarten.

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