Glutenfrei durchs Leben

Helena Lazraj hat Zöliakie. Eine Krankheit, die viele haben, aber nur wenige kennen. Das versucht die Wittenbacherin zu ändern: In ihrer Pizzeria bietet sie glutenfreies Essen an.

Gabriela Spycher
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Glutenfreie Pizze: Das bietet Helena Lazraj in ihrer Pizzeria Arrabbiata. (Bild: Urs Bucher)

Glutenfreie Pizze: Das bietet Helena Lazraj in ihrer Pizzeria Arrabbiata. (Bild: Urs Bucher)

Wittenbach. Vor eineinhalb Jahren musste Helena Lazraj zum Arzt. Diagnose: Zöliakie. «In diesem Moment brach die Welt für mich zusammen», sagt die Besitzerin der Pizzeria Arrabbiata in Wittenbach. «Nach der Diagnose war es sehr schwer für mich, weiterzumachen. Ich musste auf vieles verzichten.»

Zöliakie, oder auch Glutenunverträglichkeit, ist die häufigste chronische Dünndarmerkrankung weltweit und kann in jedem Alter auftreten. Die einzige Therapie ist eine lebenslange glutenfreie Ernährung (siehe Kasten).

«Sehr gewöhnungsbedürftig»

Heute denkt Helena Lazraj nicht mehr so schlecht über ihre Krankheit. «Es geht mir phantastisch. Es hätte nie besser sein können.» Vor der Diagnose sei sie immer gereizt gewesen. Vor allem ihr Magen war sehr empfindlich. Ihr Körper war schwach und kränklich. Nun fühle sie sich wie neugeboren, erzählt sie. «Von Weizenmehl auf Maismehl umzusteigen braucht viel Geduld und Mut, neue Sachen zu probieren. Aber man gewöhnt sich daran.» Helena Lazraj erinnert sich heute noch an ihr erstes glutenfreies Essen: «Mein Mann hat mir Pasta Arrabbiata gekocht. Mir kamen die Tränen. Es war schrecklich gewöhnungsbedürftig», sagt sie. Ihr kam es vor als würde sie Sand essen, als würde die Pasta in ihrem Mund zerfallen. Heute findet sie das Essen köstlich.

Um es anderen Menschen mit der gleichen Krankheit zu vereinfachen, bieten sie und ihr Mann in ihrer Pizzeria auch glutenfreie Mahlzeiten an. «Fast alles, was auf unserer Karte steht, machen wir auf Wunsch glutenfrei», sagt die junge Frau. Für sie sei es wichtig, Menschen mit Zöliakie die Möglichkeit zu geben, ein normales Leben zu führen. «Mit dieser Krankheit ist es sehr schwierig, auswärts essen zu gehen. Fast kein Mensch versteht, was es heisst Zöliakie zu haben. Und noch weniger, wie man damit umgehen muss.» Nur mit der Hilfe ihres Mannes, der für sie jeden Tag neue Sachen kocht, habe sie es geschafft.

Für Zopf nach Appenzell

Ihr Angebot komme auch gut bei den Leuten an. «Wir haben viele Gäste die davon profitieren. Anfangs waren es nur zwei oder drei. Jetzt kommen immer mehr», sagt Helena Lazraj. Sie fände es allerdings sehr traurig, dass andere Geschäfte in ihrer Nähe kein glutenfreies Angebot hätten. «Um Zopf zu kaufen, muss ich nach Appenzell fahren. Für Kuchen nach Mörschwil. Und sonntags kann ich es vergessen, wenn ich Lust auf irgendetwas bekomme», erzählt sie.

Das Ehepaar Lazraj versucht deshalb, den Gästen die Krankheit näherzubringen. «Es ist eine riesige Umstellung, aber sie lohnt sich. Denn man fühlt sich im nachhinein einfach besser», sagt Helena Lazraj.