Glücksmomente an Tisch 6

Im Ausflugsrestaurant Kurzeck oberhalb der Notkersegg wirten seit September Cristina Basualdo und Juliana Borges. Sie pflegen eine Gastronomie mit familiärer Note.

Beda Hanimann
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Sie bringen frischen Wind in die altehrwürdige Ausflugsbeiz: Cristina Basualdo (links) und ihre Tochter Juliana Borges. (Bild: Urs Bucher)

Sie bringen frischen Wind in die altehrwürdige Ausflugsbeiz: Cristina Basualdo (links) und ihre Tochter Juliana Borges. (Bild: Urs Bucher)

Wo oberhalb der Notkersegg Bahn und Strasse eine scharfe Rechtskurve machen, da thront links auf einer Aussichtskanzel das Restaurant Kurzeck. Die Stadt ist nah und scheint doch wie eine andere Welt, der Bodensee liegt in der Tiefe, auf der andern Seite geht's in die Appenzeller Hügelwelt. Der neue Slogan der «Kurzeck» könnte treffender nicht sein: «Ganz draussen und doch mittendrin.»

Die «Kurzeck» ist eines von zahlreichen Ausflugsrestaurants, die im 19. Jahrhundert in der ländlichen Umgebung der Stadt entstanden sind. Während Generationen wurde sie von der Besitzerfamilie selber geführt, Bauern von nebenan. Nun ist sie im Besitz der Erbengemeinschaft, seit knapp zwanzig Jahren besorgen Pächter die Wirtschaft. Der Zufall wollte es, dass die ersten beiden durch ihre Herkunft elsässisches Flair in die Ausflugsbeiz brachten. Und auch nachdem Isabelle Zuber und Vincent Jambert das Lokal im Sommer verlassen haben, weht ein Hauch Internationalität: Am Wochenende stehen brasilianische Spezialitäten auf der Karte.

Mutter und Tochter

Seit September heissen die Wirtinnen Cristina Basualdo und Juliana Borges, Mutter und Tochter, die am Wochenende von ihren Männern assistiert werden. «Ich habe früher an verschiedenen Orten der Region gewohnt», sagt Cristina Basualdo, die Mutter, «da bin ich oft hier vorbeigefahren, ich kannte auch die Besitzer. Das Restaurant hat mir immer gefallen – aber dass ich einmal selber hier wirten würde, hätte ich nicht gedacht.»

Die beiden Frauen sind Quereinsteigerinnen. Und doch wieder nicht ganz. Tochter Juliana Borges war vorher im kaufmännischen Bereich tätig, Mutter Cristina Basualdo aber arbeitete im Weinhandel und lässt sich derzeit zur Weinakademikerin ausbilden. Und da ist noch ihre zweite Tochter, die in Zürich als Köchin arbeitet und wertvolle Tips nach St. Gallen bringt.

Flair für kleine Winzer

Es überrascht deshalb nicht, dass dem Wein eine besondere Sorgfalt widerfährt. Das geschieht allerdings nicht in Form einer ausufernden Karte, sondern durch gezielte Auswahl jenseits von Rioja und Primitivo. Cristina Basualdo pflegt persönliche Kontakte zu kleinen Winzerbetrieben, biologisch oder naturnah produzierte Weine sind ihr ein Anliegen.

Aber auch sonst wird die Authentizität der Produkte hochgehalten. Das Fleisch kommt vom St. Geörgler Quartiermetzger Bechinger, die Salatsauce wird selber hergestellt, Obstbrände liefert die Mörschwiler Brennerin Bernadette Wick.

Kinder willkommen

Die Speisekarte enthält rustikale Klassiker wie Spätzli, Fischknusperli, Wiener Schnitzel oder Rindshuftsteak – und am Wochenende eben geht es brasilianisch zu. Die neue «Kurzeck» aber sieht sich nicht als reines Speiserestaurant. Auch Jasser und durstige Ausflügler sind willkommen. Und Familien. «In St. Gallen sind Kinder vielerorts nicht gross erwünscht», sagt Juliana Borges, «bei uns soll es kinderfreundlich und unkompliziert sein.» Der Kinderspielplatz unterstreicht das Anliegen. Und ein Argument für sich ist die Aussicht über Stadt und See. Nicht nur an Tisch 6, der besonders beliebt ist, wie Juliana Borges bereits festgestellt hat.

Montag/Dienstag Ruhetag www.kurzeck-sg.ch