Glücksbringer geht in Pension

Eugen Eisenreich hat vor 43 Jahren als Kaminfegermeister sein Geschäft in Rorschacherberg eröffnet. Seither säubert er Kamine in der Region. Mit 70 Jahren geht er nun in den Ruhestand. Michael Frei tritt seine Nachfolge an.

Christoph Renn
Drucken
Teilen
Kaminfegermeister Michael Frei tritt die Nachfolge von Eugen Eisenreich an, der nach 43 Jahren in Pension geht. (Bild: Rudolf Hirtl)

Kaminfegermeister Michael Frei tritt die Nachfolge von Eugen Eisenreich an, der nach 43 Jahren in Pension geht. (Bild: Rudolf Hirtl)

RORSCHACH. Eine Kaminfeger-Ära geht zu Ende: Eugen Eisenreich, seit 1973 Kaminfegermeister in Rorschacherberg und ab 2006 in Rorschach, geht in den verdienten Ruhestand. Mit 70 Jahren übergibt er seine Arbeit an den halb so alten Michael Frei, der bereits die Gemeinden Thal, Eggersriet, Goldach und einen Teil Rorschachs von Russ befreit. Im Rathaussaal wurde Eisenreich von Rorschachs Stadtpräsidenten Thomas Müller und Rorschacherbergs Gemeindepräsidenten Beat Hirs verabschiedet und Frei willkommen geheissen.

Kaminfeger plaudern nicht

Eugen Eisenreich war Kaminfeger aber auch Feuerschutzbeamter und Feuerwehrkommandant. Er weiss noch von den Anfängen als Geselle, als er mit der Leiter in die Kaminrohre steigen und mit dem Besen den Russ von den Wänden wischen musste. «Als Atemschutz dienten uns lediglich sogenannte Mundtücher», sagt er. Geschadet habe ihm die Arbeit aber nie, sonst hätte er sie nicht bis jetzt ausführen können.

Und die Arbeit als Kaminfeger liebte Eugen Eisenreich, was auch Beat Hirs in seiner Ansprache nochmals verdeutlichte. «Ich bewundere die kontinuierliche, intensive, zuverlässige und gute Arbeit, die Eugen Eisenreich über diese lange Zeit geleistet hat», sagt er. Und er sei immer sehr diskret gewesen. Diskretion steht für Eisenreich denn auch ganz oben. «In der Ausbildung wurde uns immer wieder beigebracht, wie wichtig die Schweigepflicht ist», sagt er. Denn gesehen und erlebt habe er als Kaminfeger sehr viel. Es gehöre zum Beruf, nicht mit anderen darüber zu sprechen. Auch bei seinem Abschied im Stadthof in Rorschach verrät er nur wenig. Nur so viel: «Bauernhöfe waren früher ein heisses Pflaster.» Die Türen standen meist offen. «Als ich einmal einen Hof betrat und die Eigentümer suchte, hat mir ein Hund von hinten in die Wade gebissen», sagt Eisenreich und fügt schmunzelnd an: «Früher hat man schon mal ein Kratzeisen nach einem bissigen Hund geworfen.»

Ein Beruf im Wandel der Zeit

Den Ruhestand sieht Eisenreich als neuen Lebensabschnitt, dem er mit Freude entgegenschaut. «Ich habe keine grossen Pläne.» Mit seinen sechs Grosskindern werde es ihm aber sicher nicht langweilig. Langweilig wurde es Eisenreich auch während seiner 43 Jahre als Kaminfeger nicht. «Die Arbeit hat sich laufend verändert und ich musste mich stetig weiterbilden», sagt er. Die Anlagen wurden modernisiert, die Brandschutzordnung wurde laufend angepasst und auch die Leute hätten sich geändert. Trotz den Erneuerungen ist sich Eisenreich sicher: «Ich habe etliche Brände verhindert, weil ich die Kamine periodisch kontrollierte.»

Auch die Rolle des Glücksbringers hat Eugen Eisenreich immer gerne übernommen. «Ich war auf vielen Hochzeiten und anderen Festen.» Über viele Jahre besuchte er mit einem «Säuli» unter dem Arm die Silvesterparty im Hotel Waldau. «Ich wünschte allen Gästen persönlich ein glückliches neues Jahr.» Viel Glück und Erfolg wünscht er nun seinem Nachfolger Michael Frei.

Brände frühzeitig verhindern

Der 34jährige Frei ist kein Neuling unter den Kaminfegern. Er ist seit fünf Jahren für Thal zuständig und reinigt bereits die Goldacher und einige Rorschacher Kamine. Mit Rorschacherberg und ganz Rorschach wird sein Gebiet nun erweitert. «Ich freue mich auf die neue Aufgabe», sagt Frei. Er und seine fünf Mitarbeiter schauen ab Januar, dass in der Region alle Öfen und Heizungen regelmässig gereinigt werden, um mögliche Brände frühzeitig zu verhindern.

Aktuelle Nachrichten