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Kommentar Datenschutz bis ins Jenseits Kommentar

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Kommentar

Datenschutz bis ins Jenseits

Kommentar

An der diesjährigen Hauptversammlung des Personalverbandes der Stadt St. Gallen sollte, wie es Tradition ist, auch der Mitglieder gedacht werden, die im vergangenen Jahr «von uns gegangen sind». Präsident Jürg Jakob räusperte sich diesmal allerdings leicht verlegen und musste einräumen, dass die namentliche Verkündigung der Verstorbenen hier und jetzt leider nicht möglich sei. Die Quelle, aus welcher der Personalverband die Namen in nützlicher Frist in Erfahrung bringen kann, war nämlich seit Jahren die Pensionskasse der Stadt. Diesmal berief sie sich auf die gesetzlichen Vorschriften der beruflichen Vorsorge. Gemäss Artikel 86 darf eine Pensionskasse keine Daten der Versicherten an Dritte weitergeben. Das offensichtlich auch dann nicht, wenn der Einfluss der Kassenmitglieder auf das irdische Dasein massiv geschwunden ist. Selbst dem Juristen Jakob, in Pensionskassenfragen nicht ganz unerfahren, kam die Weigerung merkwürdig vor. Ihm blieb aber nichts anderes übrig, als die in der Aula der Gewerbeschule Versammelten zu bitten, sich trotzdem zu erheben und der unbekannten Toten zu gedenken.

Was ja nicht so einfach ist. Vielleicht mochte sich einer noch an irgendeinen Kameraden erinnern, vielleicht konnte ein anderer einen «Ersatz» aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis ins stille Gebet einschliessen. Möglicherweise kam jemandem gar ein Lied von Georg Kreisler aus dem Album «Everblacks» in den Sinn: das Chanson über all die Schutzverbände. Und vielleicht hätte Kreisler, hätte er nicht auch schon das Zeitliche gesegnet, in analogem Reim beigefügt: «Und der Datenschutz ist auch nichts Nutz.» Zumindest nicht im Jenseits. (th)

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