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GLOCKENSCHLAG: Glaubensfrage Glockenschlag

ST.GALLEN. Die Stadt hat auf Lärmklagen reagiert und ihre drei Glocken während der Nachtstunden abgestellt. Die Kirchgemeinden zeigen dafür wenig Verständnis. Sie lassen ihre Glocken weiterhin in der Nacht schlagen.
Malolo Kessler
Lärm oder Trost? Die Glocke im Dom wird auch weiterhin nachts schlagen. (Archivbild: Urs Bucher)

Lärm oder Trost? Die Glocke im Dom wird auch weiterhin nachts schlagen. (Archivbild: Urs Bucher)

Lästig, nervtötend, schlafraubend – beruhigend, tröstend, schön. An Kirchenglocken scheiden sich die Geister. Besonders am nächtlichen Glockenschlag. Er wird in der Stadt gegenwärtig teils heftig diskutiert.

Teilerfolg für IG Stiller

Anfang Jahr begann die IG Stiller in St. Gallen gegen den nächtlichen Glockenschlag zu kämpfen. Ihr Ziel: Die Glocken zwischen 22 Uhr und 7 Uhr zum Schweigen zu bringen. Im April erzielte sie einen Teilerfolg.

Als Reaktion auf bei ihr eingegangene Lärmklagen entschied die Stadt, den nächtlichen Stundenschlag dreier Glöckchen abzustellen (siehe Kasten). In den Klagen war nicht nur das nächtliche Schweigen der Glocken am Spiser- und Multertor sowie am Waaghaus gefordert worden, sondern auch dasjenige der Kathedrale und der Kirchen St. Laurenzen, im Heiligkreuz und in Winkeln.

Diese Glocken liegen nun aber nicht in der Kompetenz des städtischen Amtes für Umwelt und Energie, sondern in jener der Kirchgemeinden (Tagblatt vom 22. April). Deshalb trafen sich Vertreter der Evangelischen Kirchgemeinden St. Gallen Centrum, Tablat und Straubenzell sowie der Katholischen Kirchgemeinde St. Gallen mit Stadtrat Fredy Brunner sowie Kaspar Leuthold und Harry Künzle vom Amt für Umwelt und Energie an einem runden Tisch. «Es ging vor allem darum, dass die Kirchen zum Thema Stellung nehmen», sagt Stadtrat Brunner.

Markenzeichen und Musik

Die Haltung der Kirchgemeinden ist deutlich: Keine will den nächtlichen Glockenschlag abstellen. Für sie ist dieser Markenzeichen, Tradition, Kulturgut, Trost und Musik. «Wir werden den nächtlichen Glockenschlag sicherlich beibehalten», sagt Annina Policante, Präsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Straubenzell. Sie finde es falsch, wenn man im Zusammenhang mit Glocken von Lärm spreche. «Flugzeuge, Autos – das ist Lärm.»

Margrit Gerig, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Tablat, hört viele positive Stimmen zum Glockenschlag. Daher gebe es keinen Anlass, die Glocke nachts abzustellen. Auch Karl Gabler, Präsident der evangelischen Kirchgemeinde St. Gallen Centrum, sieht keinen Handlungsbedarf. «Ich persönlich habe noch nie Reklamationen wegen des nächtlichen Glockenschlags gehört», sagt er auf Anfrage.

Dass die Stadt ihre Glocken «auf Anregung einer Minderheit» abgestellt und somit «gekuscht» habe, finde er voreilig.

Den Dom zuletzt abstellen

Für Guido Corazza, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde St. Gallen, war das Nachgeben der Stadt auf die Klagen «einfach der bequemste Weg». Die Katholische Kirchgemeinde werde nicht kuschen, sagt Corazza. «Nicht wegen einer penetranten Minderheit.

» Wer in die Nähe des Doms ziehe, wisse, worauf er sich einlasse. «Der Glockenschlag ist ein Gruss der Kirche», sagt Corazza. «Ein Trost für diejenigen, die in der Nacht wach liegen müssen.» Corazza hat kein Verständnis dafür, dass die Glockengegner immer noch kämpfen, obwohl das Bundesgericht zweimal eine Beschwerde gegen das Glockenläuten in den Zürcher Gemeinden Bubikon und Gossau abgelehnt hat. Und nachdem die IG Stiller 2007 gegen den Dom erfolglos ins Feld gezogen war.

«Die Domglocken sind die letzten, die wir abstellen würden», sagt Corazza. Das seien die Glocken, für die er bis zuletzt kämpfen würde.

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