Glocken bekommen Gehhilfe

Der Turm der evangelisch-reformierten Kirche in Engelburg macht derzeit keinen Mucks. Weil das Gegengewicht zu gross war, kamen die Glocken ins «Hinken». Sie sind jetzt in Reparatur. Auch in Abtwil bereiten die Kirchglocken Sorgen.

Sebastian Schneider
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Die Glocken in Engelburg «hinkten» wegen des zu hohen Kopfholzes. (Bild: pd)

Die Glocken in Engelburg «hinkten» wegen des zu hohen Kopfholzes. (Bild: pd)

GAISERWALD. Die einen schlagen nicht rhythmisch, die anderen sind zu laut. Die Kirchenglocken der evangelischen Kirchen in Engelburg und Abtwil läuten nicht wie gewünscht. Das Problem in der Engelburger Kirche wird derzeit behoben. Auf sanftere Klänge in Abtwil müssen Anwohner noch warten.

Zu harte Klöppel

Der Kirchturm in Engelburg ist derzeit stumm. Denn die beiden Glocken, die normalerweise übereinander hängen, sind noch für etwa drei Wochen im luzernischen Triengen. Spezialisten der Firma Muff Kirchturmtechnik AG nehmen an den metallenen Klangkörpern Anpassungen vor. Zum einen müssen die Klöppel ersetzt werden, wie Kundenberater Oskar Näpflin sagt. Das Metall der 63 Jahre alten Klöppel habe sich durch die vielen Schläge während der Jahrzehnte verhärtet und die Glocke beschädigt. «Nun schmieden wir neue Klöppel mit einer weicheren Metalllegierung.»

Das zweite Problem war das sogenannte Kopfholz (siehe Bild), an dem die Glocken aufgehängt und mit Gewindestangen befestigt sind. Das Kopfholz sei zu hoch, weshalb man ein Stück herausschneide, sagt Näpflin. Dadurch verringere sich das Gegengewicht, und die Schwingung nehme ab. Bislang habe wegen dieses Problems der Klöppel der unteren Glocke auf die obere Glocke geschlagen. Zudem hat gemäss dem Spezialisten die falsche Dimensionierung des Kopfholzes die Glocke aus dem Rhythmus gebracht, was in der Fachsprache als «hinken» bezeichnet werde.

Greller Glockenklang

Bea Düring, die bei der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Gaiserwald für die Liegenschaften zuständig ist, will ein weiteres Problem in Angriff nehmen. Die Kirche in Abtwil, die in den 1950er-Jahren erbaut wurde, ist Anwohnern und Verantwortlichen zu laut. «Es scherbelt in den Ohren», beschreibt Düring das Problem, das schon lange bekannt sei.

Auch bei Anwohnern sei der Glockenschlag immer wieder ein Thema, weiss Martin Falk vom unweit entfernten Restaurant und Hotel Sonne. Er spricht von einem «grellen, aggressiven» Glockenklang. Das Problem sei wohl die Höhe des Kirchturms. «Dieser ist relativ nieder, weshalb der Schall an umliegende Häuser schlägt.» Für den Wirt sei das aber kein Grund, bei der Kirchgemeinde zu reklamieren. Auch Bea Düring sagt, dass keine Reklamationen deswegen eingehen. Gleichwohl soll nun ernsthaft darüber nachgedacht werden, wie das Problem behoben werden kann. «Da stehen wir allerdings noch ganz am Anfang», sagt Bea Düring. Bislang sei nichts Konkretes geplant und für das vermutlich teure Vorhaben auch noch kein Geld gesprochen.

Eventuell schrittweise vorgehen

Allerdings liegen Lösungsvorschläge bereits auf dem Tisch. Denn Oskar Näpflin hat den Kirchturm einer genauen Prüfung unterzogen. «Es gibt mehrere Möglichkeiten, das Problem zu beheben», sagt Näpflin. Er habe der Kirchgemeinde entsprechende Vorschläge unterbreitet. So könne im Kirchturm eine sogenannte Glockenstube eingerichtet werden, die die Klänge sanfter machen kann. Bea Düring könnte sich auch mit der Variante anfreunden, das Problem schrittweise anzugehen. So könnten etwa zuerst nur die Klöppel ausgewechselt und das Vorgehen fortzu beurteilt werden. «Aber wie gesagt, so weit sind wir im Projekt noch nicht», betont Düring.

Aus dem Kirchturm Abtwil schallt ein grelles Glockengeläut. (Bild: Sebastian Schneider)

Aus dem Kirchturm Abtwil schallt ein grelles Glockengeläut. (Bild: Sebastian Schneider)

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