Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GLEICHSTELLUNG: Frauen in der St.Galler Stadtverwaltung erhalten keinen zusätzlichen freien Tag

Am 8. März sollten Mitarbeiterinnen der Stadt einen arbeitsfreien Tag erhalten. Das Stadtparlament lehnte den Vorstoss, der dies verlangte, am Dienstag ab.
Christoph Renn
Am 8. März, dem internationalen Frauentag, verteilt auf dem Bärenplatz in St.Gallen die Politische Frauengruppe (PFG) traditionellerweise Mimosen an Passantinnen. Im Bild rechts PFG-Stadtparlamentarierin Andrea Hornstein. (Bild: Michel Canonica - 8. März 2018)

Am 8. März, dem internationalen Frauentag, verteilt auf dem Bärenplatz in St.Gallen die Politische Frauengruppe (PFG) traditionellerweise Mimosen an Passantinnen. Im Bild rechts PFG-Stadtparlamentarierin Andrea Hornstein. (Bild: Michel Canonica - 8. März 2018)

Frauen in der Stadtverwaltung müssen weiterhin auch am 8. März arbeiten. Weil sie in Lohnfragen immer noch ungleich behandelt werden, hätten an diesem Tag, dem internationalen Frauentag, städtische Mitarbeiterinnen nach Meinung von Andrea Scheck (Juso), Alexandra Akeret (SP) und Andrea Hornstein (PFG) einen zusätzlichen freien Tag erhalten sollen. Das Stadtparlament lehnte ihr Postulat "Gleichstellung jetzt!" am Dienstagabend aber mit 32 gegen 23 Stimmen überraschend klar ab. Der Abstimmung war eine rege Diskussion ums Thema Lohnungleichheit vorausgegangen.

Unbegründete Unterschiede zwischen den Löhnen

Postulantin Andrea Scheck wies darauf hin, dass das Lohnsystem in der Schweiz aus dem letzten Jahrhundert datiere. Lohnunterschiede gebe es darin weiterhin. Trotzdem gebe es Leute im St.Galler Stadtparlament, die ihr sagen würden, dass es keine strukturellen Nachteile für Frauen gäbe. "Wenn das so ist, wäre St.Gallen weltweit die einzige Stadt, in der das so ist", fügte Scheck an. Auch Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigten, dass es noch immer unbegründete Unterschiede bei den Löhnen von Frauen und Männern gäbe.

Diese Zahlen liess dann allerdings Manuela Ronzani (SVP) nicht gelten. "Bei der Analyse dieser Unterschiede werden Modelle verwendet, die nie ganz genau sind, und es bleibt darum ein unerklärter Rest." Zudem würde ein freier Tag für Frauen nur bedeuten, dass die anfallende Arbeit vor- oder nachgeholt werden müsse. Am Ende warf sie den Postulantinnen vor, Symbolpolitik zu betreiben.

Institutionelle Ungleichheiten verhindern

Noch klarere Worte fand Andreas Dudli (FDP): "Der Vorstoss ist politischer 1. April." Die Verantwortung des Stadtparlamentes sei, dafür zu sogen, dass in der Stadt eine institutionelle Ungleichheit ausgeschlossen werden könne. Dazu trage ein freier Tag nichts bei. Zudem gebe es in der Schweiz nur zwei institutionelle Ungleichbehandlungen von Mann und Frau: Militärdienst und AHV-Eintrittsalter. Dafür sei aber nicht das Stadtparlament zuständig.

Gesetze wie von den Postulantinnen gefordert, dürften aber auch nicht auf kommunaler Ebene geschaffen werden, betonte Andreas Dudli. Worauf ihm Vica Mitrovic (SP) entgegnete, dass das Parlament durchaus Ideen haben dürfe und mutig sein solle.

Weiteren Gegenwind für den zusätzlichen freien Tag gab es dann allerdings von Karin Winter (SVP). Sie warf die Frage auf, wieso die Postulantinnen nur für städtische weibliche Angestellte einen freien Tag forderten: "Ich glaube nicht, dass Unternehmen nachziehen werden." Darauf hielt Peter Olibet (SP) fest: "Wir sind die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dieser Frauen. Nur hier können wir etwas machen."

"Lohnungleichheit ist kein Aprilscherz"

Postulantin Andrea Hornstein beharrte darauf, dass es noch immer Lohnungleichheit in der Schweiz gebe. "Und das ist leider kein Aprilscherz", sagte sie in Anspielung auf die Aussage von Andreas Dudli. Zudem stehe nicht der freie Tag für Frauen im Zentrum. "Wir wollen mit dem Vorstoss ein Zeichen setzen und Druck machen."

Wenn der Stadtrat beweise, dass es in der Stadtverwaltung keine strukturelle Ungleichheit gebe, wäre ein freier Tag nämlich gar nicht nötig, hielt Andreas Hornstein fest. Stadtpräsident Thomas Scheitlin versicherte daraufhin, dass in der Verwaltung der Stadt St.Gallen keine systematische Ungleichheit bestehe: "Wir haben Massnahmen eingeleitet, um dies zu verhindern."

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.