«Glauben macht selbständig»

Mit dem neuen Schuljahr hat Klaus Fischer seine Arbeit als Pfarrer in Gossau aufgenommen. «Ich fühle mich am richtigen Ort», sagt er im Rückblick auf die ersten sechs Wochen.

Josef Osterwalder
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Klaus Fischer arbeitet bereits als Pfarrer in Gossau, offizielle Amtseinsetzung ist aber erst am 18. November. (Bild: Michel Canonica)

Klaus Fischer arbeitet bereits als Pfarrer in Gossau, offizielle Amtseinsetzung ist aber erst am 18. November. (Bild: Michel Canonica)

GOSSAU. Soll der Glaube und damit auch die Kirche im Stillen wirken, oder soll auch bei ihr der Grundsatz herrschen «Tue Gutes und sprich darüber»? Solche Fragen hat Klaus Fischer am vergangenen Sonntag in seiner Antrittspredigt aufgegriffen.

Mit ihr hat er sich auch der Gemeinde vorgestellt. In der Gemeindeseelsorge arbeitet er allerdings schon seit dem 13. August, dem Beginn des neuen Schuljahrs. Zu seinen Arbeitsfeldern gehören zudem der Religionsunterricht, die Jugendarbeit und die Arbeit mit jungen Erwachsenen.

Pforzheim bis Gossau

Es ist genau das, was der neue Pfarrer von der Stelle in Gossau erhofft hat: die Arbeit im Team einer grösseren Gemeinde, mit Angeboten für ein breites Spektrum von Menschen. Dies im Unterschied zu seiner ersten Gemeinde in Langrickenbach und Birwinken auf dem Thurgauer Seerücken, wo ein Pfarrer für alles zuständig ist, selbst noch für die Arbeit im Sekretariat. «Aber auch das war für mich eine wertvolle Erfahrung; eine gute Einführung in die seelsorgerische Tätigkeit.»

Klaus Fischer ist in Pforzheim in Baden-Württemberg aufgewachsen. Er besuchte das naturwissenschaftliche Gymnasium und hat nach der Matura zuerst seinen Zivildienst in einer Schule für geistig behinderte Kinder absolviert. «Arbeit mit behinderten Kindern wäre auch als Beruf in Frage gekommen, aber ich wählte dann doch die Theologie, einfach, weil sie ein so breites Studium vermittelt, von Sprache über Philosophie und Geschichte bis zu den eigentlichen theologischen Fächern.»

Tübinger Erfahrung

Das Studium führte Pfarrer Fischer zuerst nach Frankfurt, dann nach Tübingen und Hamburg. In Tübingen lehrten damals Theologen, die zu den Führenden der Zeit gehören, auf evangelischer Seite Jürgen Moltmann und Eberhard Jüngel, auf katholischer Hans Küng und Walter Kasper. Im Gegensatz zu dieser theologischen Hochburg lernte Klaus Fischer dann in Hamburg das pulsierende Leben einer Grossstadt kennen, und eine Fakultät, in der sich die Studenten weit stärker auch persönlich einbringen müssen. Mit dem Abschluss des Studiums fühlte sich Fischer noch nicht bereit, gleich in die Seelsorge einzusteigen. Er fügte ein Studium der Pädagogik an, unterrichtete am Religionspädagogischen Institut und arbeitete zeitweilig auch als Buchhändler.

Die Suche nach einer Praktikumsstelle führte ihn in die Schweiz, wo sein Bruder seit 25 Jahren lebt, und auch Studienkollegen bereits Fuss gefasst haben. «Ich fühlte mich von der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen sehr gut aufgenommen.» In Engelburg absolvierte er sein berufliches Praktikum und wurde 2005 ordiniert. Das Einleben in die reformierte Kirche fiel ihm nicht schwer. In seiner Jugendzeit ist er in einer so genannten «unierten Kirche» aufgewachsen, welche die lutherische und die reformierte Tradition zusammengeführt hat.

Attraktive Botschaft

Sechs Wochen Gossau, wie sieht Pfarrer Fischer die Lage, allenfalls auch die Chance der Kirche? Auf der einen Seite scheine das Interesse an der Kirche zwar abgenommen zu haben; dennoch habe sie eine attraktive, zeitgemässe Botschaft zu vermitteln: Dass der Glaube nämlich zu Selbstbewusstsein und Selbstverantwortung führe, zu jener Freiheit, die das Evangelium der Welt gebracht habe. Dies zu vermitteln sei der Auftrag der Kirche, sagt Fischer; sie soll darum nicht versuchen, die Menschen auf andere Weise zu ködern.

Ausserordentliche Kirchbürgerversammlung mit Wahl von Klaus Fischer als Pfarrer, Sonntag nach dem Gottesdienst, Kirche Haldenbüel