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GLASFASER: Die Stadt von morgen als Datenkrake

Quartier um Quartier möchte die Stadt vernetzen und Informationen zentralisieren. Zum Beispiel den Stromverbrauch einer Überbauung oder den Füllstand von Abfallcontainern. Braucht es diese Smart City? Zwei Meinungen aus der Redaktion.
Luca Ghiselli

Die Stadt St.Gallen macht vorwärts: Sie soll eine Smart City werden und damit ökologischer, vernetzter und effizienter. Das ist keine Utopie, sondern zwingend nötig. Ein Schritt hin zur Stadt von morgen ist die Entwicklung der Remishueb zu einem smarten Quartier. Dazu nutzen die Bewohner gemeinsam eine App. Da ist es unvermeidbar, dass sie auch persönliche Daten preisgeben. Wer aber deshalb befürchtet, dass die Stadt zur Datenkrake wird, irrt.

Zum einen, weil sich die Stadt ihrer Verantwortung bewusst ist. Die Daten sind verschlüsselt, sie werden nicht weitergegeben und sind vor Hackerangriffen geschützt, so gut es eben geht. Und zum anderen, weil die Verwaltung weder Facebook oder Google ist, noch dazu werden will. Die Stadt gehört jedem Bewohner der Stadt – die Kontrollmechanismen funktionieren.

Hinzu kommt: Niemand wird gezwungen, die Dienste der Smart City oder die App zu nutzen. Wer einwilligt, weiss, worauf er oder sie sich einlässt. Und was die Nutzer von sich preisgeben müssen, um mitzumachen, ist immer noch deutlich weniger, als es bei herkömmlichen Social-Media-Plattformen der Fall ist. Die realen Vorteile der Vernetzung übertreffen die potenziellen Risiken also bei weitem.

Smart City klingt zunächst einmal toll. Smart City heisst aber auch, dass irgendwann jeder Stromzähler und jeder Abfallkübel per Glasfaser am Netz ist. Geplant ist ein stadtweites Internet der Dinge, und dessen Knotenpunkte liegen in den Amtsstuben. Bald haben die Behörden von jedem Bürger ein digitales Dossier verfügbar, das die früheren Fichen aus Papier alt aussehen lässt.

Nach dem jüngsten Datenskandal bei Facebook ist wieder viel von Privatsphäre die Rede. Natürlich agiert die Stadtverwaltung anders als eine kommerziell ausgerichtete Firma. Aber auch die Smart City führt zwangsläufig zu Datenbergen, und wo Daten angehäuft werden, können sie verloren, gelöscht oder noch schlimmer: manipuliert werden.

Noch ist die Vernetzung am Anfang, noch sind die gesammelten Daten spärlich. Unklar ist jedoch, wo das hinführt. Die Smart City wirft jedenfalls Fragen auf: Weiss die Stadt bald von jeder Bürgerin, wann sie das Licht anmacht und von jedem Bürger, wann er duscht? Was passiert, wenn ein Hacker an der Strom- und Wasseranzeige herumschraubt? Welche Daten werden in Zukunft noch erhoben? Wo werden sie gespeichert, wie werden sie geschützt? Diese Fragen muss die Stadt smart beantworten.

Luca Ghiselli

luca.ghiselli

@tagblatt.ch

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

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