GIPFELSTÜRMER: Unverhofft zu WM-Silber

Der St. Galler Pascal Egli ist ein international erfolgreicher Bergläufer. Im Sommer stand er sensationell auf dem WM-Podest. Fortan wird er sich vermehrt auf den Extremsport einlassen.

Pascal Koster
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Pascal Egli jubelt im italienischen Premana während des Zieleinlaufs über WM-Bronze. Dann gab es Silber. (Bild: Matteo Bonacina)

Pascal Egli jubelt im italienischen Premana während des Zieleinlaufs über WM-Bronze. Dann gab es Silber. (Bild: Matteo Bonacina)

Pascal Koster

pascal.koster@tagblatt.ch

Zurzeit geniesst Pascal Egli eine Trainingspause, weil er vor zwei Wochen noch einen Berglauf-Wettkampf bestritten hat. Eine Ausnahme. Im Normalfall absolviert der 29-Jährige sechs Tage die Woche Ausdauereinheiten. Egli sagt: «Im Durchschnitt trainiere ich etwa 15 Stunden pro Woche.» Auch jetzt, da der Winter bald anbricht und die Saison für die Läufer vorüber ist, hält er das Pensum hoch. «Ich werde diesen Winter voraussichtlich mehrere Skitourenrennen bestreiten», erklärt er. «Deswegen trainiere ich nun des Öfteren auf den Ski.» Abgesehen vom Faktor Spass sind die Rennen bereits ein Bestandteil der Vorbereitung auf die Laufsaison. «Solche Wettkämpfe sind optimal, da man viele Höhenmeter macht und im Gegensatz zu einem Lauf herunterfahren kann. So werden die Gelenke nicht zu sehr belastet.»

Egli und die Berge, das passt. Neben seiner Leidenschaft für Skitouren und Bergläufe ist er ein begeisterter Bergsteiger. Seit Jahren leitet er Touren. Egli weiss genau, woher seine Faszination rührt. «Mit der Familie ging ich schon früh wandern. Mit zehn Jahren nahm mich mein Vater das erste Mal auf eine Hochgebirgstour mit. Ich war sofort hin und weg.» Seinem Vater und seiner Mutter, die vor zwei Wochen gestorben ist, hat er ohnehin viel zu verdanken. «Sie haben mich und meine Einstellung zum Sport immer unterstützt.»

Aus Hügeln werden 5000er

Egli blickt auf ein erfolgreiches Jahr. Im August an der Berglauf-WM im italienischen Premana lief der Ostschweizer als hervorragender Dritter im Ziel ein. Seine Leistung gewann zusätzlich an Wert, als bekannt wurde, dass der vermeintliche Sieger Petro Mamu illegale Substanzen im Blut hatte. Egli erbte die Silbermedaille, hat sich aber nicht speziell freuen können. «So etwas ist schlecht für das Image des Sports.» Jedoch erhebt der sechssprachige Egli keine grossen Vorwürfe gegen den Eritreer, den er von diversen Rennen gut kennt. «Ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht vorsätzlich gedopt hat. Er hatte eine Erkrankung und nahm dagegen Medikamente ein. Er weiss selber, dass es dumm war, sich nicht genauer zu informieren.»

In der kommenden Saison wird sich Egli auf die Skyrace-Serie fokussieren. Vor vier Jahren hat ihn ein Freund zu einem Skyrace-Anlass mitgenommen. Egli wusste gleich, dass dies etwas für ihn sei. Skyrace – zu Deutsch «Himmelsrennen» – ist eine Extremsportart. Der Name ist Programm. Die Athleten rennen über vergletscherte Berghänge und Schutthalden dem Himmel entgegen in Richtung Gipfel. Im Gegensatz zu den Bergläufen, wo oft nur eine Anhöhe angepeilt wird, bezwingen die Skyracer Berge, die bis zu 5000 Meter hoch sind. In solch technisch anspruchsvollen Rennformaten ­kämen seine Stärken am besten zum Tragen, sagt er. «Für mich gilt: je steiler und technischer, desto besser.»

Ein Leben in den Bergen

Mittlerweile wohnt Egli im Waadtland. An der Universität Lausanne ist er Doktorand in Gletscherhydrologie. Der Studiengang passt zu ihm. «Damit habe ich das Werkzeug, die Welt ein wenig zu verbessern.» Zudem lassen sich der zeitaufwendige Sport und die Ausbildung problemlos verbinden. Der Stadt Lausanne wird er aber so schnell wie möglich den Rücken kehren. «Ich will keinen Job, der mich dazu zwingt, in einer Grossstadt zu bleiben. Später möchte ich in den Bergen leben.»