Ginkgos und Bad Boys

Die Nutzung öffentlicher Grünflächen im Stadtzentrum war Thema des dritten SP-Sommerspaziergangs. Dieser führte zu grünen Zentrumsgebieten, exotischen Bäumen und talentierten Spontansportlern.

Kathrin Reimann
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Beeindruckende Station des Sommerspaziergangs: Die «Street Work-out»-Anlage vor dem Volksbad. (Bild: Coralie Wenger)

Beeindruckende Station des Sommerspaziergangs: Die «Street Work-out»-Anlage vor dem Volksbad. (Bild: Coralie Wenger)

Die Szene, die sich vor dem Volksbad abspielt, mutet ein bisschen wie aus dem Gefängnis an: Junge Männer mit Tätowierungen machen Klimmzüge und lassen zu Hip-Hop-Beats ihre Muskeln spielen. Doch die vermeintlichen Bad Boys bieten den 20 Teilnehmern des SP-Sommerspaziergangs einen beeindruckenden und spannenden Einblick in ihr «Street Work-out»-Training.

Süsser Duft im Park

Der Volksbadplatz ist aber nur eine von drei Stationen, die während des SP-Sommerspaziergangs zum Thema Nutzung öffentlicher Grünflächen besucht werden. Auch im Stadtpark oder im Unteren Brühlpark treffen mit Sportlern und Parkbesuchern unterschiedliche Interessen aufeinander, wie die Spaziergang-Leiter Marcel Thoma vom Sportamt und Adrian Heeb vom Gartenbauamt, bestätigen. «Der Abfall ist unser Hauptproblem», sagt Heeb, der mit sieben Mitarbeitern für die Pflege der Grünflächen im Zentrum zuständig ist. So sehe es jeweils am Montagmorgen ganz anders aus, als noch am Freitagabend. Aber das Scherbenaufsammeln oder Pflanzenersetzen, gehöre halt zum Job. Genauso wie die Gestaltung des Parks: «Obwohl die Anlage nicht natürlich entstanden ist, wurde sie darauf getrimmt.» Der süssliche Duft, der einem hier in die Nase steige, stamme von den angepflanzten Kuchenbäumen. Meistens zumindest.

Für Marcel Thoma ist klar: Der Untere Brühlpark soll vor allem als Park und weniger für kulturelle Anlässe genutzt werden. «Ausser dem Klassikfestival, dem Olma-Festzelt und der Verbrennung des Funkens, finden hier keine Veranstaltungen statt.» So habe er auch die Anfrage abgelehnt, ob man den Park im Winter als Eisbahn nutzen könne.

Atombombenabwurf überlebt

Auch Anlässe im fast 35 000 m² grossen Stadtpark werden nur bewilligt, wenn sie den Rasen nicht sehr beanspruchen. Die grösste Grünfläche der Innenstadt ist vor allem bei Sportlern populär. «Schulklassen und Vereine nutzen ihn zum Einlaufen. Auch bei Joggern, Hündelern und Slacklinern ist er beliebt», sagt Thoma. Auf die Anwesenheit letzterer hat die Stadt mit fix an den Bäumen angebrachten Schutzmatten reagiert, nachdem durch die Slacklines mehrere beschädigt worden waren. Davon nicht betroffen, war das «lebende Fossil». So lautet der Spitzname des Ginkgo-Baumes, der ebenfalls im Stadtpark zu finden ist. «Man sagt, dass sei der einzige Baum, der den Atombombenabwurf auf Hiroshima überlebt hat», sagt Heeb stolz.

Marcel Thomas' Stolz ist indes ausserhalb des Stadtparks zu finden: «Diese Anlage zeigt, dass in St. Gallen der organisierte Sport gut funktioniert – der unorganisierte jedoch noch viel besser.» Der Sportamtleiter meint damit das Beachvolleyballfeld und die «Street Work-out»-Anlage vor dem Volksbad. Beide sind zu diesem Zeitpunkt – trotz Nieselregen – besetzt von Spontansportlern, welche die Anlagen ohne Anmeldung nutzen.

«Sehen und Gesehen werden»

Die «Street Work-out»-Anlage, die man so gut wie nie verlassen antreffe, hält Thoma für eine «ganz positive Sache». «Das sind zirkusreife Nummern, die man sich hier anschauen kann.» Und obwohl die Nutzer wie Bad Boys daherkämen, seien sie dies keineswegs. «Im Gegenteil, sie verhalten sich höchst professionell und sind engagiert. Hier wird keiner ausgelacht und Neuen und Neugierigen gegenüber ist man offen.» Da die «Street Work-out»-Szene aber kontinuierlich am Wachsen sei, schaue man sich nach einem weiteren Standort um. «Eine Möglichkeit wäre die Kreuzbleiche, aber bei diesem Sport geht es auch ums Sehen und Gesehenwerden. Am liebsten hätten sie einen Standort gleich neben der Calatrava-Halle», sagt Thoma.

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