Gilli ist Panaschierkönigin

Aus dem Rennen um den zweiten St. Galler Ständeratssitz hat sich die Grüne Yvonne Gilli verabschiedet. Dafür hat sie, hauchdünn vor dem SP-Ständeratskandidaten Paul Rechsteiner, den Titel der Panaschierkönigin geholt.

Peter Brühwiler
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Panaschierkönigin Yvonne Gilli und die ebenfalls über Parteigrenzen hinweg beliebte neue Ständerätin Karin Keller-Sutter im Pfalzkeller. (Bild: Michel Canonica)

Panaschierkönigin Yvonne Gilli und die ebenfalls über Parteigrenzen hinweg beliebte neue Ständerätin Karin Keller-Sutter im Pfalzkeller. (Bild: Michel Canonica)

Fast noch interessanter als das Wahlwochenende selber ist für zahlenaffine Politbeobachter jeweils die «Wahlanalyse danach». Welche Nationalratskandidatin sammelte am meisten Panaschierstimmen, welcher Kandidat erhielt aus dem gegnerischen Lager überhaupt keine Unterstützung? Dank einer neuerarbeiteten, umfangreichen Datenbank des kantonalen Amtes für Statistik lassen sich diese und weitere Fragen beantworten. Zum Beispiel auch jene nach der Stimmbeteiligung: Obenaus schwang hier die Toggenburger Gemeinde Krinau, wo 61,1 Prozent der Stimmberechtigten an die Urne gingen. Am tiefsten lag die Beteiligung wenig überraschend bei den Ausland-St. Gallern: Lediglich 2161 von 6542 Stimmberechtigten verschickten ihr Stimmcouvert oder wählten elektronisch.

Gilli oder Rechsteiner?

Die Panaschierstatistik, die jeweils am meisten interessiert, zeigt auf den ersten Plätzen Wiedergewählte aus dem linken Lager. Zuoberst, hauchdünn vor dem SP-Vertreter Paul Rechsteiner, thront die Grüne Yvonne Gilli mit 14 072 Panaschierstimmen. Rechsteiner wird in einer Medienmitteilung seines Wahlkomitees trotzdem als Panaschierkönig bezeichnet – was deutlich mache, dass er «von den Ständeratskandidaten bei der breiten Bevölkerung mit Abstand am beliebtesten» sei. Technisch gesehen ist der ihm verliehene Titel zwar nicht ganz korrekt, aber wenn die Stimmen von «leeren Listen» dazugezählt werden, schwingt Rechsteiner tatsächlich obenaus.

Über 9000 Stimmen erhielt der dienstälteste Nationalrat von Wählern, die keine Parteiliste, sondern eine selber zusammengestellte einwarfen. Eher überraschend ist, dass der Gewerkschaftschef über 2000mal auf SVP-Listen auftaucht. Der St. Galler Politanalyst Bruno Eberle misst der Panaschierstatistik denn auch nicht allzu viel Bedeutung bei. «Es gibt Leute, die Toni Brunner und Paul Rechsteiner auf die Liste setzen, weil sie sich sagen, <das sind zwei Aktive>.» Entscheidender sei die Anzahl eingelegter Parteilisten und die Antwort auf die Frage, für wen sich die FDP und die übrigen Parteien vor dem zweiten Ständeratswahlgang aussprächen.

Bei den Panaschierstimmen schneidet die SVP verhältnismässig schlecht ab. So haben die Wähler Toni Brunner nur 5269mal auf fremde Listen gesetzt. Gleich dahinter folgt die grünliberale Margrit Kessler. Die Patientenschützerin ist vor allem auf SP- und CVP-Listen häufig zu finden.

SVPler wählten Markus Ritter

Weniger gepunktet bei den Christlichdemokraten hat der zur SVP übergelaufene Nationalrat Thomas Müller. 772 Stimmen – und somit weniger als die Parteikollegen Toni Brunner und Lukas Reimann – erhielt er auf CVP-Listen. Den durch den Parteiübertritt des Rorschacher Stadtpräsidenten verlorenen Sitz hat für die CVP Markus Ritter zurückerobert. Geschafft hat der St. Galler Bauernverbandspräsidenten dies vor allem dank Stimmen von SVP-Wählern, wie die Panaschierstatistik zeigt. Von allen St. Galler Nationalratskandidaten erhielten nur Walter Müller (FDP) und Jakob Büchler (CVP) – beide ebenfalls Landwirte – mehr Stimmen aus veränderten SVP-Listen als der Altstätter. Hätten die CVP-Wähler das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihren beiden Kandidaten Markus Ritter und Thomas Ammann entscheiden können, hätten sie letzteren nach Bern geschickt.

www.statistik.sg.ch

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