GIFTRÜCKSTÄNDE: Der Fuchs darf in der Schule bleiben

Alte Tierpräparate sollen nicht aus städtischen Schulhäusern verschwinden, auch wenn viele davon mit Arsen belastet sein dürften. Gehe man mit den Präparaten richtig um, seien sie ungefährlich.

Adrian Lemmenmeier
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Bis in die 1970er-Jahre wurden Tierpräparate mit Arsenseife behandelt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bis in die 1970er-Jahre wurden Tierpräparate mit Arsenseife behandelt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

Tiere, die vor den 1970er-Jahren präpariert worden sind, können giftiges Arsentrioxid enthalten. Auch im St. Galler Kunstmuseum dürfte ein grosser Teil der über 3000 Exponate mit diesem Stoff versehen sein (siehe Ausgabe vom 3. August). In Winterthur wurden die ausgestopften Tiere im Juli aus Sicherheitsgründen aus den Schulhäusern verbannt. Wie geht man in St. Galler Schulhäusern mit dem Problem um?

«Das Thema ist seit über zwanzig Jahren bekannt», sagt Marlis Angehrn, Leiterin der städtischen Dienststelle Schule und Musik. Man halte sich an die 1997 vom Institut für Angewandte Umweltforschung (IfAU) herausgegebene Richtlinien. «Gemäss diesen sollen arsenbelastete Präparate nicht entsorgt werden, sondern man soll richtig mit ihnen umgehen.» Tiere wie in Winterthur aus den Schulhäusern zu entfernen, sei nicht vorgesehen. «Tierpräparate können zu Unterrichtszwecken verwendet werden, wenn man sich an die Regeln für Reinigung, Aufbewahrung und Anschauungsunterricht hält», sagt Angehrn.

Handschuhe und Staubschutzmaske

Doch wie können Lehrkräfte die toten Tiere gefahrlos im Unterricht einsetzen? Einem Leitfaden des Zürcher Mittelschul- und Berufsbildungsamtes zufolge ist es wichtig, alte Tierpräparate in verschlossenen Glasvitrinen aufzubewahren. So kann verhindert werden, dass arsenhaltiger Staub in die Luft gerät. Die Tiere und die Vitrinen sollen mit einem feuchten Lappen gereinigt werden. Dabei wird empfohlen, Handschuhe und eine Staubschutzmaske zu tragen. Den Hautkontakt mit den Präparaten solle man vermeiden. Erfolge dieser trotzdem, solle man die Hände gründlich waschen und sie auf keinen Fall an den Mund führen.

Das Amt für Volksschule des Kantons St. Gallen sieht vor, diese Handhabung bei den Schulen in Erinnerung zu rufen, wie es auf Anfrage mitteilt.

Nicht berühren – zum Schutz der Tiere

In St. Galler Schulhäusern war man sich bis anhin nicht wirklich einer Gefahr bewusst, wie Nachfragen zeigen. Im Schulhaus Spelterini etwa sei es den Kindern zwar nicht erlaubt, präparierte Tiere anzufassen. Weil das Arsenproblem aber bis anhin nicht thematisiert worden sei, sei dies eher aus der Überlegung geschehen, dass man dadurch die Präparate schütze. Dies sagt Anna-Katharina Geisser. Sie ist im «Spelterini» für die Tierpräparate zuständig. Etwa die Hälfte der Tiere sei ausserdem älteren Datums. Die Präparate würden in verschlossenen Schränken aufbewahrt.

Das Schulhaus Hebel verfügt über 30 bis 40 präparierte Tiere. Das teilt Schulleiterin Ursula Litscher auf Anfrage mit. «Die meisten davon sind sehr alt. Sie befinden sich auf dem Dachboden in Glasvitrinen.» Arsenhaltiger Staub könne sich also nicht verbreiten. Die aktuelle Thematik wolle man zum Anlass nehmen, um die Lehrkräfte im Umgang mit den Präparaten stärker zu sensibilisieren.

Im Schulhaus Grossacker verzichtet man auf präparierte Tiere im Unterricht. Der Grund ist allerdings nicht das Risiko der Arsenbelastung, sondern ein ästhetischer: «Mir gefallen ausgestopfte Tiere nicht», sagt Schulleiterin Carol van Willigen. «Wir haben unsere Präparate vor Jahren entsorgt.» Auch das dürfte sich allerdings mittlerweile schwieriger gestalten. Denn gemäss den 2016 verfassten Empfehlungen des Kantons Zürichs gehören arsenbelastete Tiere in die Kategorie Sonderabfall.