Gewürze im Tropenhaus

Chili, Pfeffer, Zimt: Was in der Küche in Gewürzstreuern zu finden ist, wächst im Tropenhaus an Sträuchern und Bäumen. Eine Nachtführung widmete sich den exotischen Nutzpflanzen.

Claudia Schmid
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Abendliches Staunen: Im Botanischen Garten gab es am Freitag Einblicke in das geheime Leben der Pflanzen. (Bild: Benjamin Manser)

Abendliches Staunen: Im Botanischen Garten gab es am Freitag Einblicke in das geheime Leben der Pflanzen. (Bild: Benjamin Manser)

Zum Streifzug durch das nächtliche Tropenhaus hatte Bio-Terra, Regionalgruppe St. Gallen und Umgebung, eingeladen. Präsidentin Luzia Steiner war vom grossen Aufmarsch überrascht: Rund 40 Personen kamen am vergangenen Freitagabend, um die botanischen Eigenschaften exotischer Nutzpflanzen besser kennenzulernen.

Verführerischer Duft

Durch die üppige Pflanzenwelt in feuchtwarmer Luft führte Hanspeter Schumacher, Leiter des Botanischen Gartens. Er machte auf einen grossen Baum aufmerksam, der gleich neben der Eingangstüre bis unter das Dach des Tropenhauses gewachsen ist. Der Duft eines abgebrochenen Blattes verriet sofort, welches Gewürz er hervorbringt. In Sri Lanka lasse kein Zimtbauer seine Bäume in den Himmel schiessen, erklärte der Leiter des Botanischen Gartens. Sie würden alle auf Brusthöhe zurückgeschnitten. Das Gewürz Zimt stammt aus der Rinde des Baumes. Sie wird entweder zu Zimtstangen gerollt oder gemahlen.

Während der Zimtbaum prächtig gedeihe, bekunde der Pfefferstrauch etwas Mühe, erzählte Hanspeter Schumacher über die Kletterpflanze, deren ursprüngliche Heimat Indien ist. Grund für ihren Unmut sei wohl, dass man – um Energie zu sparen – abends die Temperatur im Tropenhaus auf 14 Grad senke. Nun scheine sie sich aber mit den Gegebenheiten abzufinden.

Des Kaisers Pein

Der Cayennepfeffer stamme nicht etwa aus der Frucht eines Pfeffergewächses, sondern gehöre zur Familie der Paprika, betonte der Botaniker. Er erzählte eine Anekdote von Maximilian I., der im 19. Jahrhundert zum Kaiser von Mexiko inthronisiert wurde. Nach dem Biss in eine der leuchtenden Schoten soll er in einer wortreichen Schilderung zum Schluss gekommen sein, dass das Essen in der Hölle mit Chili zubereitet sein müsse.

Viele weitere exotische Gewürze und Nutzpflanzen aus fernen Ländern stellte Hanspeter Schumacher den interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern vor: Vom Zitronengras über die Nelkengewächse und das Piment bis zum Kaffeebaum und der Baumwolle. Letztere ist ein Malvengewächs. Die Naturfaser Baumwolle wird aus den Samenhaaren gewonnen.

Auch das Zuckerrohr ist im Tropenhaus vertreten. Hanspeter Schumacher verwies auf die rauhen Pflanzenteile. Man könne sich vorstellen, wie hart die Erntearbeit in den Zuckerrohrplantagen sei. Die Nutzpflanze ist vielseitig verwendbar. Sie liefert einerseits Haushaltszucker und dient andererseits auch als Viehfutter, als Brennmaterial oder als Lieferant zur Herstellung von Bioethanol.

Angebot an Gartenbaukursen

Am Schluss der Veranstaltung machten Luzia Steiner und Hanspeter Schumacher auf die Zusammenarbeit von Bio-Terra und dem Botanischen Garten aufmerksam. Die Regionalgruppe St. Gallen und Umgebung führte am Freitag nicht nur ihre Hauptversammlung auf dem Gartengelände durch, sondern organisiert auch immer wieder Bio-Gartenbaukurse im Botanischen Garten.