GEWERBE: Mit dem Auto zum Dorfladen

In Horns Zentrum haben Geschäfte einen schweren Stand. Traditionsläden schliessen. Wer bleibt, setzt auf Stammkunden oder kämpft für mehr günstige Parkplätze. Doch der Gemeinde steht eine Aufwertung bevor.

Jolanda Riedener
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Die Konditorei Kölbener ist auch während der Sommerferien gut frequentiert und verfügt über Kundenparkplätze. (Bild: Jolanda Riedener)

Die Konditorei Kölbener ist auch während der Sommerferien gut frequentiert und verfügt über Kundenparkplätze. (Bild: Jolanda Riedener)

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Es ist ruhig an diesem schwülen Sommermorgen in Horn. Ein Schwan dreht vor dem «Bad Horn» seine Runde, nebenan liegt eine Frau ohne Oberteil zwischen langen Grashalmen. Nur wenig Fussgänger sind auf der Seestrasse unterwegs, dafür umso mehr Velofahrer. Ein junger Mann lehnt sich an die Hausmauer gegenüber der Konditorei Kölbener und raucht. «Das ist wohl der blödeste Sommerjob», schimpft er. Für ein Kinderhilfswerk ist er auf Mitgliedersuche – nur Passanten begegnen ihm wenige im 2600-Einwohner-Dorf.

Die Konditorei Kölbener ist eines der wenigen erhaltenen Traditionsgeschäfte in Horn. Stefan Kölbener hat die 1956 eröffnete Konditorei von seinen Eltern übernommen, heute führt er mehrere Filialen. Trotz Sommerferien wird sein Geschäft rege besucht. Kleine Sitzplätze vor dem Lokal sind liebevoll eingerichtet, auch Parkplätze gibt es hinter dem Haus.

«Früher hatte es in Horn drei Bäckereien und zwei Metzgereien», sagt Stefan Kölbener. Mehr Läden im Dorfzentrum würde er begrüssen. Vor allem aber hätten kleinere Geschäfte mit dem Einkaufstourismus zu kämpfen: «Ich finde es persönlich schade, dass so viele ennet der Grenze einkaufen», sagt Kölbener. Dadurch seien Arbeitsplätze und Lehrstellen in Gefahr. Die Konditorei bildet selber acht Lehrlinge aus. Weiter seien für seine Kunden Parkplätze wichtig. Davon gebe es zu wenige und wenn, dann müssten sie bis 22 Uhr bezahlt werden.

Gleicher Meinung ist eine Mitarbeiterin des Coiffeursalons Absolut Beauty Coiffeur: «Die Kunden wollen einen Gratisparkplatz in unmittelbarer Nähe», sagt sie. Auch ihr Geschäft, das seit 13 Jahren an der Seestrasse 58 besteht, sei auf Stammkunden angewiesen. Nur von den Horner Kundschaft alleine könnte sie nicht leben. «Gewerbe ist wichtig für ein Dorf, vor allem auch für ältere Menschen», sagt die Coiffeuse. Neben der Konditorei Kölbener war früher die Geisser Druck AG, heute befindet sich dort ein Thai-Massagestudio: «Hot Stone Massage, 1 Stunde 90 Franken, keine Erotikmassage!», steht hinter dem Schaufenster. Auch Drogerie und Papeterie sind weggezogen. Dafür haben im März eine Coop-Filiale und eine Apotheke in der Überbauung Horn-West eröffnet. Die Apotheke ist an diesem Vormittag menschenleer, im Coop kaufen sechs Personen ein.

Auf Wein und Erotik folgt Haustechnik

Seit Dezember steht der Shippers Shop, ein Geschäft für Bootszubehör, an der Seestrasse 66 leer. Es ist zur Vermietung ausgeschrieben. Nebenan versuchten es eine Betreiberin mit einem Geschäft für Dessous und erotischem Zubehör, eine Vinothek und jetzt ein Haustechnik-Anbieter. Seit über 20 Jahren hingegen besteht Hampis Travel Service in Horn: «Wir haben viele Stamm- und Geschäftskunden», sagt Mitarbeiterin Jeanette Matchim. Auf Laufkundschaft sei man nicht angewiesen, ebenso würden andere Fachgeschäfte das Reisebüro nicht beeinflussen. «Ein grosser Teil unserer Anfragen erhalten wir online oder telefonisch», sagt Matchim. Dennoch zähle man viele Horner zum Kundenkreis.