Gewerbe ist positiv gestimmt

GOSSAU. Die Wirtschaftskrise scheint schneller überstanden als befürchtet: So äussern sich Gossauer Unternehmer. Die Auftragsbücher sind wieder gefüllt. Trotz positiver Stimmung: Acht Betriebe haben noch Kurzarbeit.

Andreas Kneubühler
Drucken
Teilen
Genug Arbeit: Die meisten Gossauer Unternehmen haben genug zu tun. Die Wirtschaftskrise scheint überstanden. (Archivbild: Urs Jaudas)

Genug Arbeit: Die meisten Gossauer Unternehmen haben genug zu tun. Die Wirtschaftskrise scheint überstanden. (Archivbild: Urs Jaudas)

Ist die Wirtschaftskrise für die Gossauer Unternehmen überstanden? Betrachtet man nur die nackten Zahlen des Amtes für Arbeit, könnte man höchstens von einer Entspannung reden. Noch immer haben in Gossau acht Firmen Kurzarbeit angemeldet, betroffen sind 158 Mitarbeiter. Das sind nur zwei Betriebe weniger als beim Höchststand der Krise im August 2009. Doch die Aussagekraft der Statistik ist begrenzt.

Gezählt werden nur die Anmeldungen für Kurzarbeit, die von den Unternehmen in der Regel vierteljährlich eingereicht werden. Ob tatsächlich nicht voll gearbeitet werden kann, wird hingegen nicht erhoben. Und da sich die Wirtschaft in verschiedenen Branchen unerwartet schnell erholt hat, könnte die Situation für die Gossauer Betriebe deutlich besser aussehen, als es die Statistik nahelegt.

Auftragsbücher gut gefüllt

Ein Beleg für diese Vermutung ist die Entwicklung bei der Huber Kunststoff AG, wo es 2009 Kurzarbeit gab. Von den 20 Angestellten seien drei betroffen gewesen, sagt Geschäftsführer Reto Huber. Seit September 2009 arbeiteten aber wieder alle Mitarbeiter mit vollem Pensum. Inzwischen wird sogar Überzeit gemacht und die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Rückblickend findet Huber, dass der Betrieb die Krise nicht extrem zu spüren bekommen habe.

Er führt dies auf die breitabgestützte Kundschaft zurück, die von den Herstellern von Haushaltapparaten bis zur Telekommunikation reicht. Das Unternehmen will nun ausbauen und die Produktionsfläche verdoppeln. Ein Ausbau der Mitarbeiterzahl sei hingegen vorerst nicht geplant, sagt Huber.

Die allgemeine Stimmung sei positiv, findet Armin Würth, Präsident der Handels- und Industrievereinigung Gossau. Davon ausgenommen seien höchstens ein paar wenige Unternehmen, die vom Export abhängig seien.

«Wer lokal tätig ist, dem geht es gut», so Würth. Vor einem Jahr sei die Verunsicherung noch gross gewesen. «Man wusste nie, ob die Krise auch die Region erreicht», erinnert er sich. Gossau sei wohl eher verschont geblieben. Betroffen waren vor allem die Maschinen- und die Textilindustrie, zählt er auf. Die Lebensmittelindustrie mit einem starken Standbein in Gossau bekam hingegen keine Auswirkungen zu spüren.

Sorgen bereitet Euro

Bei der Holzwerk Lehmann AG ist weniger die Wirtschaftskrise als der tiefe Euro ein Thema. Der Export sei für das Unternehmen wichtig, sagt Geschäftsleiterin Katharina Lehmann. Die einzelnen Unternehmensbereiche laufen unterschiedlich gut: Beim Sägewerk sei die Situation eher angespannt. Einer der Gründe liege bei der Verpackungsindustrie, die noch nicht auf Touren gekommen sei.

Wenn sich die Situation mit dem Euro wieder entspanne, sei sie aber zuversichtlich, sagt Katharina Lehmann.

Für die Aepli AG mit den beiden Sparten Metall- und Stahlbau sei 2009 ein ganz normales Jahr gewesen, sagt Inhaber Ruedi Aepli. Momentan werde Überzeit geleistet. Ganz ohne Folgen blieb die Krise nicht: Das Unternehmen habe gespürt, dass die Industrie nicht mehr gebaut habe. «Viele Projekte wurden kurzfristig gestoppt», stellt Ruedi Aepli fest. Es gebe eben kaum noch Unternehmen, die antizyklisch reagierten, bedauert er.

Nicht alle haben die Krise unbeschadet überstanden. Die Tipper Tie Alpina AG musste im Januar vergangenen Jahres 48 von 172 Mitarbeitern entlassen. Als Grund wurde «das nicht absehbare Ende der Wirtschaftskrise» angegeben. Mittlerweile hat das Unternehmen beschlossen, den Standort Gossau aufzugeben und ins Habis-Areal in Flawil zu verlegen.

Aktuelle Nachrichten