Gewalt an Schulen verhindern

Der Kanton St. Gallen fordert die Schulen auf, Prävention gegen Gewalt zu fördern. Dazu haben das Bildungsdepartement und der Erziehungsrat ein Programm lanciert, das die Schulen anwenden können.

Christoph Renn
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Mit einem neuen Präventivprogramm soll der Gewalt an den St. Galler Volksschulen ein Riegel vorgeschoben werden. (Bild: Hannes Thalmann)

Mit einem neuen Präventivprogramm soll der Gewalt an den St. Galler Volksschulen ein Riegel vorgeschoben werden. (Bild: Hannes Thalmann)

ST. GALLEN. Rund zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler an den Volksschulen im Kanton St. Gallen haben noch nie Gewalt erlebt. Hingegen hat fast die Hälfte mindestens einmal ein anderes Kind geplagt, was über dem Schweizer Durchschnitt liegt. Dafür erpressen und bedrohen die hiesigen Schülerinnen und Schüler durchschnittlich weniger als solche in anderen Kantonen. Dies zeigte eine Studie zu «Jugenddeliquenzen im Kanton St. Gallen» im Auftrag des Bildungs- und des Sicherheits- und Justizdepartements 2010.

Aufgrund dieser Zahlen haben der Erziehungsrat und das Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen ein umfassendes Programm zur Gewaltprävention für die Volksschulen entwickelt. In einem Kreisschreiben und an einer Impulstagung Ende März wurden die Massnahmen und Ziele vorgestellt.

Broschüre für die Schulen

«Wir wollen mit dem Gewaltpräventionsprogramm den Schulen nicht neue Regeln und Aufgaben aufbürden», sagt Brigitte Wiederkehr, Leiterin Abteilung Unterricht und Schulentwicklung beim Amt für Volksschule. Mit einer Internet-Plattform und einer Broschüre wollten sie vielmehr den Lehrerinnen und Lehrern bei der Prävention im Schulalltag beratend zur Seite stehen. «Wir wollen eine Übersicht über die verschiedensten Unterstützungsangebote geben», sagt Wiederkehr. Auf der Internet-Plattform werden Leitfäden sowie konkrete Vorschläge für den Unterricht und Dienstleistungen zusammengeführt.

Das Programm zur Gewaltprävention beruht auf vier Hauptpfeilern, die im Schulalltag beachtet werden sollten: die Beziehungsgestaltung im Unterricht, das Training von sozialem Verhalten, der konstruktive Umgang mit Konflikten und das konsequente, vernetzte Intervenieren – im Fokus stehe dabei die Prävention und Früherkennung. Wenn Kinder oder Jugendliche aggressives Verhalten zeigen und Gewalt ausüben, gilt es, professionell einzugreifen. «Wir unterstützen die Schulen dabei, diese Schwerpunkte zu beachten und umzusetzen» sagt Wiederkehr.

Prävention im Unterricht

Doch der Kanton will nicht nur helfend zur Seite stehen, sondern auch die Botschaft senden, dass Gewaltprävention zum Bildungsauftrag gehört und Teil des täglichen Unterrichts ist. Der Aufruf, wieder vermehrt auf die Gewaltprävention an den Schulen zu achten, bedeute aber nicht, dass die Schulen bis anhin nichts zu diesem Thema gemacht hätten. «Wir wollen Mut zur Prävention machen. Es gibt viele Schulen, die bereits Ideen zur Prävention umsetzten. Diese sind auch zu unterstützen», sagt Wiederkehr.

Die Prävention, ob bei Gewalt oder Sucht, sei ein laufender Auftrag. Doch könne den Schulen beziehungsweise den Lehrerinnen und Lehrern nicht konkret vorgeschrieben werden, welche Regeln sie wann zu befolgen hätten. «Es kommt immer auf die jeweilige Situation, die Grösse der Schule und deren Bedürfnisse an», sagt Wiederkehr.

Erfahrungen austauschen

Die Schulen sind aber nicht alleine für die Gewaltprävention verantwortlich und haben nur eine beschränkte Einflussmöglichkeit. «Im nächsten Schuljahr werden wir regionale Veranstaltungen organisieren, an denen verschiedene Vertreter der Schulen und schulnahe Personen Erfahrungswerte austauschen können», sagt Wiederkehr. Ein gutes Netzwerk in einer Gemeinde sei enorm wichtig, um erfolgreich gegen die Gewalt vorzugehen. Und schliesslich sei auch die Zusammenarbeit mit den Eltern von grosser Bedeutung.