Gewagter Neuanfang im Kloster

Der Gossauer Seelsorger Edi Amstutz zieht im August in die Abtei St. Otmarsberg nach Uznach. Obwohl er für diesen Schritt viel Mut brauchte, steht er hinter seinem Entscheid. Er ist sich aber bewusst, dass nicht alles rosig sein wird.

Angelina Donati
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Edi Amstutz in der Andreaskirche in Gossau. Mehrere Jahre war er in Gossau als Jugendseelsorger tätig. (Bild: Ralph Ribi)

Edi Amstutz in der Andreaskirche in Gossau. Mehrere Jahre war er in Gossau als Jugendseelsorger tätig. (Bild: Ralph Ribi)

GOSSAU. Während andere bei einem Umzug praktisch ihr ganzes Hab und Gut zügeln können, beschäftigt sich Edi Amstutz mit ganz anderen Fragen. So weiss er bislang noch nicht, ob er seine Stereoanlage mitnehmen soll. Erlaubt ist ihm das zwar, er wäre dann allerdings der Einzige, der Radio hören würde. Der 57-Jährige steht vor einem Umzug der besonderen Art. Im August zieht er als Laienbruder in die Abtei St. Otmarsberg nach Uznach – für immer, wie er sagt.

Langgehegter Wunsch

Mit dem Umzug gibt Edi Amstutz nicht nur seine 60 Quadratmeter grosse Wohnung für eine Mönchszelle auf, sondern auch viele Freiheiten. Denn obwohl er einen Sonderzug fährt und unabhängiger leben wird als Mönche, gelten auch für ihn die meisten klösterlichen Grundsätze. «Die Mönche nehmen mich als Laienbruder auf. Ich darf in der Gemeinschaft miterleben, wie sich der Tagesablauf im Kloster gestaltet», sagt er. Für ihn ist es eine Ehre, diese Möglichkeit zu erhalten. Damit geht für ihn ein langgehegter Wunsch in Erfüllung.

Zuflucht im Kloster gefunden

Was aber bewegt einen Menschen, den Lebensweg in eine derart neue Richtung zu lenken? «Als meine Frau und ich uns scheiden liessen, hat das in mir etwas ausgelöst», erinnert sich Edi Amstutz zurück. «Die Frage, wie ich mein Leben neu gestalten werde, war plötzlich omnipräsent.» Für den gelernten Schreiner stand fest, dass er seinen Beruf und somit sein eigenes Schreinergeschäft aufgeben wollte. Davon war der damals 47-Jährige vollends überzeugt und haderte mit seinem Entschluss auch nicht, als es kritische Stimmen aus seinem Umfeld gab.

Zehn Jahre ist das nun her. Danach schloss er das Studium als Religionslehrer ab und arbeitete als Jugendseelsorger, unter anderem für die Katholische Kirchgemeinde Gossau, wo er bislang tätig war. Eine Art Zuflucht fand Edi Amstutz im Frauenkloster St. Katharina in Wil, wo er seine Wohnung mieten konnte. Bereits in jungen Jahren haben ihn Klöster beeindruckt. Wohl auch deshalb, weil er während der Rekrutenschule in Kontakt mit Flüchtlingen aus Vietnam kam, die im Kloster aufgenommen wurden und dort leben durften. Auch damals arbeitete er schon als Jugendarbeiter und half ab und zu bei Arbeiten in den Klostergärten mit.

Sich lösen können

Vergleichen lasse sich seine bisherige Lebensweise mit derjenigen, die ihn im Kloster in Uznach erwartet, nicht. «Obwohl ich wusste, dass es meine Bestimmung ist, war es ein Schritt, der mich viel Mut gekostet hat», gesteht Edi Amstutz. Eine seiner grössten Ungewissheiten ist, wie sich der Kontakt zu seinen beiden erwachsenen Söhnen, die er aus der 17jährigen Ehe hat, künftig gestalten wird. «Zum Glück aber darf ich Besuche empfangen und auch regelmässig den Klosterbereich verlassen», sagt Edi Amstutz. Seine Söhne seien zwar weniger gläubig als er, würden aber hinter seiner Entscheidung stehen. Auch den Kontakt mit den Freunden will er weiterhin pflegen. «Wahre Freundschaften werden auch diese neue Situation zusammen überstehen», gibt er sich zuversichtlich.

Noch vor wenigen Monaten trauerte Edi Amstutz seiner Wohnung nach, die er erst vor kurzem aufgefrischt und für nicht wenig Geld restauriert hat. «Nach einem Gottesdienstbesuch änderte sich aber meine Sichtweise schlagartig. Als ich nach Hause kam, waren die Sorgen wie verflogen und die Wohnung und das Materielle nicht mehr wichtig.» Nun sei er bereit für seine Zeit in der, wie er sagt, riesigen Wohngemeinschaft mit 15 Mönchen.

Herausforderungen meistern

Zweifelsohne kann sein Neuanfang als äusserst gewagt bezeichnet werden. Edi Amstutz aber sagt, dass er wisse, worauf er sich einlasse. Er durfte bereits einmal «schnuppern» und war sofort begeistert. Auch dass der Wecker täglich um 5 Uhr klingeln wird, kann ihn nicht abschrecken. Zu gross ist die Vorfreude auf die kommende Zeit. Jeder Tag startet und endet mit einem Gebet. «Es sind solch schöne Psalmen», schwärmt Edi Amstutz. «Ganz besonders freut mich, dass ich als <Alleinsiedler> künftig am grossen Tisch essen darf.» Auch wird er weiterhin seinem Beruf als Jugendseelsorger nachgehen. Dennoch ist er sich bewusst, dass nicht alles rosig sein wird. «Auch hier gibt es unterschiedliche Charakteren und Situationen, an denen man wachsen muss.»

Mit dem Umzug ins Kloster will sich Edi Amstutz nicht der Welt entziehen, wie er betont, sondern sich mit dem, was er ohnehin tue und was für ihn einen hohen Wert hat, intensiver auseinandersetzen. «Bestimmt müssen Sie mich jetzt für einen komischen Kauz halten», sagt er und schmunzelt.