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Gessners St. Galler Brieffreunde

Zürich begeht mit Ausstellungen und Veranstaltungen den 500. Geburtstag des Naturforschers Conrad Gessner. Dessen Leben und Wirken hat auch in St. Gallen Spuren hinterlassen. Briefe und Bücher in der Vadianischen Sammlung der Ortsbürgergemeinde belegen rege Kontakte.
Beda Hanimann
Dokumente von Conrad Gessner in der Vadiana (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Dokumente von Conrad Gessner in der Vadiana (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Es ist vielleicht der Beleg dafür, dass es Mitte des 16. Jahrhunderts in St. Gallen Meerschweinchen gab. In einem Brief vom 5. Mai 1551 bedankt sich der Zürcher Naturforscher Conrad Gessner beim nachmaligen St. Galler Stadtschreiber Josua Kessler für dessen Bemühungen, ihm solche zu besorgen. «Das kann ein Hinweis sein, dass es im Hause Kessler Meerschweinchen gab, aber genau wissen wir es nicht», sagt die Historikerin Rezia Krauer vom Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde.

Gessners Interesse an dem Tierchen hatte berufliche Gründe, zwischen 1551 und 1558 erschien sein vierbändiges Werk «Historia animalium», in dem auch das Meerschweinchen ausführlich beschrieben ist. Dass er dafür auch in St. Gallen recherchiert hatte, kommt nicht von ungefähr. Im Leben und Wirken Gessners, dessen 500. Geburtstag derzeit in Zürich mit Ausstellungen und Veranstaltungen gefeiert wird, gebe es einen eigentlichen St. Galler Link, wie der St. Galler Altphilologe Clemens Müller sagt, der an der Jubiläumsschau mitgearbeitet hat.

Kommunikationsmittel Brief

Die direkteste Verbindung sind Briefe von Conrad Gessner an den Reformator und Bürgermeister Vadian, die heute in der Vadianischen Sammlung der Ortsbürgergemeinde liegen. In einem ersten Brief von 1543 gibt Gessner dem St. Galler medizinische Ratschläge – mit der Entschuldigung, dass er sich ungefragt einmische. «Das ist typisch Gessner: Er war grosszügig im Weitergeben seines Wissens», sagt Müller.

In einem Brief von 1551 erwähnt Gessner einen Franzosen, der Vadian kennenlernen wolle und angeblich Rat für dessen gesundheitliche Probleme wusste. «Das ist häufig so in diesen Briefen», sagt Rezia Krauer. «Es geht um Kontakte, die hergestellt werden. Der eine braucht eine Lösung für ein Problem, der andere sucht etwas.» Die Menschen dieser Zeit seien über Briefe sehr eng miteinander vernetzt gewesen. «Ob Gessner und Vadian sich persönlich begegnet sind, wissen wir nicht. Die Chance ist aber gross», sagt Rezia Krauer.

Bitte um Gegenlektüre

Mit einem Brief vom 18. März 1545 schickte Gessner seinem Kollegen in St. Gallen Druckfahnen seiner «Biblioteca universalis» mit. Das Werk war eine Zusammenstellung von Schriften und Drucken in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache, eine Art «Google der frühen Neuzeit», wie Müller sagt. Es stellte Autoren vor, listete deren Werke auf und enthielt Originalzitate daraus. Immerhin fünf Seiten des Kompendiums waren Vadians Schaffen gewidmet, mit dem Brief von 1545 bat Gessner um Gegenlektüre und Korrektur der Vadian betreffenden Passagen.

Gemeinsame Freunde

Der Brief mit dem Link zur «Biblioteca universalis» steht für einen weiteren Bezug zwischen Gessner und St. Gallen. Aus Vadians Bibliothek sind zahlreiche Originalausgaben der von Gessner herausgegebenen Schriften in die Vadianische Sammlung der Ortsbürgergemeinde übergegangen. Die «Biblioteca universalis» hatte Vadian von einem gemeinsamen Freund erhalten, dem Zürcher Reformator Heinrich Bullinger. Auch das ist ein Beleg für den regen Kontakt unter den Gelehrten verschiedener Städte.

Ebenfalls zu den Beständen der Vadianischen Sammlung gehört Gessners «Evonymium Philiatrium», ein pharmazeutisch-pharmakologisches Werk über die Kunst, durch Destillation Wirkstoffe für Medikamente zu isolieren und zu verstärken. «Das war ein internationaler Bestseller, der bald in alle europäischen Nationalsprachen übersetzt wurde», wie Müller erklärt. Eine deutsche Ausgabe war 1583 bei Leonhard Straub gedruckt worden, dem ersten Buchdrucker der Stadt St. Gallen.

Jubiläum als Inspiration

St. Galler Spuren verrät auch ein Zettelkasten mit Rezepten, in dem Gessner eigene Notizen und Passagen aus Briefen und Büchern versammelt hatte. «Darin befinden sich auch Ratschläge und Beschreibungen von Mitteln gegen Nierensteine aus der Feder von Vadian», sagt Müller.

In mehreren Briefen an Vadian, die sich in der Sammlung der Ortsbürgergemeinde befinden, wird Gessner erwähnt. Ausserdem gibt es eine Reihe von Briefen aus seiner Hand, die an seinen Griechisch-Lehrer Myconius in Basel gerichtet waren. «Wie diese Briefe nach St. Gallen gelangten, wissen wir nicht», sagt Rezia Krauer.

Das Jubiläumsjahr von Conrad Gessner, dem «Leonardo da Vinci der Schweiz», wird so auch in St. Gallen zur Inspiration. «Jedes Mal, wenn wir etwas in unserem Fundus genauer betrachten, entdecken wir wieder Neues», sagt Rezia Krauer.

Dokumente von Conrad Gessner in der Vadiana (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Dokumente von Conrad Gessner in der Vadiana (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Spuren von Conrad Gessner in St. Gallen: Brief von 1551 an Josua Kessler; Meerschweinchen-Kapitel in der «Historia animalium»; Gessner-Porträt des Schaffhauser Malers Tobias Stimmer, das als Vorlage der alten 50er-Note von 1978 diente; Druckhinweis der in St. Gallen entstandenen deutschen Ausgabe des «Evonymium Philiatrium» von 1583 (von links oben im Uhrzeigersinn). (Bilder: Michel Canonica)

Spuren von Conrad Gessner in St. Gallen: Brief von 1551 an Josua Kessler; Meerschweinchen-Kapitel in der «Historia animalium»; Gessner-Porträt des Schaffhauser Malers Tobias Stimmer, das als Vorlage der alten 50er-Note von 1978 diente; Druckhinweis der in St. Gallen entstandenen deutschen Ausgabe des «Evonymium Philiatrium» von 1583 (von links oben im Uhrzeigersinn). (Bilder: Michel Canonica)

Dokumente von Conrad Gessner in der Vadiana (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Dokumente von Conrad Gessner in der Vadiana (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

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