Gespaltene Schädel und Wurfäxte

ST.GALLEN. Ab Samstag zeigt das Historische und Völkerkundemuseum die Ausstellung «Alamannen, Römer, Christen». Die Ausstellung besticht durch ihren Bezug zur Region: Die Alamannen waren die ersten Christen im Bodenseeraum.

Elisabeth Reisp
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Vor allem Grab- und Siedlungsfunde werden in der Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum gezeigt. (Bild: Benjamin Manser)

Vor allem Grab- und Siedlungsfunde werden in der Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum gezeigt. (Bild: Benjamin Manser)

Bryan Adams und Pink wären gemäss Kuratorin Sarah Leib die typischen Alamannen. Die zwei Musiker sind 172 respektive 162 Zentimeter gross. So gross, wie es die Menschen in der Bodenseeregion im Frühmittelalter waren. Wie gross die Alamannen waren, wie lange sie lebten, woran sie starben und welche Krankheiten sie plagten, wird in der neuen Ausstellung «Römer, Alamannen, Christen» im Historischen und Völkerkundemuseum gezeigt.

Originale und Nachbildungen

Die Ausstellung über die Alamannen vom Bodensee ist eine Wanderausstellung und keine Eigenproduktion des Historischen und Völkerkundemuseums. Kuratorin Sarah Leib hat sie jedoch mit viel Detailliebe mit Stücken aus der eigenen Sammlung aufgewertet. Archäologisch werden vor allem Grab- und Siedlungsfunde gezeigt: Zum Beispiel Schwerter, Wurfäxte, Schmuck, Goldkreuze oder Münzen – zum Teil im Original, zum Teil in Nachbildungen. Dazu kommen Kleiderpuppen, die eine Vorstellung davon geben, wie die Alamannen gekleidet waren, reich bebilderte Schautafeln und als Abschluss des Durchgangs kann auf Wachstafeln geschrieben oder ein Kostüm probiert werden.

Schmuckstücke rosten nicht

Die Geschichte der Alamannen ist ein Meilenstein in der Region. Sie siedelten sich an, als sich die Römer im 5. Jahrhundert zurückzogen und ihren Limes nach Süden verlegten. Das entstandene Vakuum zog die Alamannen an. «Funde belegen, dass Römer und Alamannen in der Übergangszeit friedlich nebeneinander lebten», sagt Sarah Leib. Bald wurden sie aber von den Franken bedrängt. Die christlichen Franken behielten die Oberhand, was zur Christianisierung der Bodenseeregion führte. Entsprechend ist die Ausstellung in drei Bereiche aufgeteilt: Zuerst werden die politischen Zusammenhänge und die kriegerischen Aspekte aufgezeigt. Etwa mit Fundstücken von Schwertern und anderen Waffen. Dass diese Stücke am schlechtesten erhalten sind, habe mit dem Material zu tun, sagt Direktor Daniel Studer. «Eisen rostet, die Schmuckstücke sind hingegen aus Edelstahl und haben daher die Jahrhunderte in der feuchten Erde gut überlebt.»

Skelette erzählen über Leben

In einem zweiten Teil wird das Leben der Alamannen aufgezeigt, so wie es aufgrund von Funden von Alltagsgegenständen rekonstruierbar ist. Anhand verschiedener Skelette wissen die Forscher, dass Frauen oft im gebärfähigen Alter starben. Männer hingegen starben häufig im Kampfesalter. Knochen lassen auch Rückschlüsse auf schreckliche Verletzungen und schmerzhafte Erkrankungen zu. «Karies hingegen hatten sie viel weniger als wir», sagt Leib. Der dritte Teil widmet sich dem Einzug des christlichen Glaubens.

Die Ausstellung wird übermorgen Samstag eröffnet und dauert bis 17. Januar. Ergänzend zur Ausstellung gibt es ein reichhaltiges Begleitprogramm.

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