Gesichter lügen nicht

Natale Ferronato diagnostiziert Krankheiten mit dem Blick ins Gesicht der Patienten und ermittelt mit einer Art Pendel die passenden Heilmittel. Ein Buch berichtet von erstaunlichen Heilungserfolgen.

Beda Hanimann
Drucken
Teilen
Natale Ferronato bestimmt mit Hilfe des Biotensors, welche Heilmittel in welcher Konzentration die optimale Wirkung zeigen. (Bild: PD)

Natale Ferronato bestimmt mit Hilfe des Biotensors, welche Heilmittel in welcher Konzentration die optimale Wirkung zeigen. (Bild: PD)

Beda Hanimann

beda.hanimann

@tagblatt.ch

Manche dieser Geschichten hören sich an wie aus der Bibel. Der Mann, der während Monaten über stechende Magenschmerzen klagt, ist seine Qualen von einem Tag auf den anderen los. Das fünfeinhalbjährige Mädchen, das seit Jahren an einer schweren Neurodermitis leidet und nur noch weint und schreit, beruhigt sich nach zwanzig Mi­nuten. Der Jugendliche, der mit Lähmungserscheinungen im Rollstuhl sitzt, erhebt sich unter grosser Anstrengung und macht, gestützt auf seinen Vater, die ersten Schritte seit vielen Jahren.

Doch der Mann dahinter ist kein Messias und kein Heiliger. Sondern «ein älterer, freund­licher Herr, der mich trotz seiner italienischen Abstammung in perfektem Schweizerdeutsch begrüsste», wie sich Hans-Peter Studer erinnert. Der Erwachsenenbildner und Gesundheitsökonom aus Speicherschwendi hatte ihn vor einigen Jahren besucht, um ein Interview zu führen. Aus dem einen Besuch wurde eine Freundschaft, und irgendwann fand Studer: «Über diesen Mann und seine aussergewöhnlichen Diagnose- und Therapiemethoden sollte die Welt mehr erfahren.» So schreibt er es im Buch «Natale Ferronato – Ein Vermächtnis für die Zukunft der Heilkunde», das er nun im eigenen Verlag herausgegeben hat.

Schicksalsschläge wiesen den Weg

Natale Ferronato kam 1925 in der Nähe von Mailand zur Welt. Als Dreijähriger zog er mit seinen Eltern in die Schweiz. Er kam früh mit Not und Krankheit in Kontakt. Seine Mutter hatte im Ersten Weltkrieg als Lazarett-Krankenschwester gearbeitet, in Zürich wurde sie im Zuge der Unruhen rund um die Wirtschaftskrise und die Massenarbeitslosigkeit der Dreissigerjahre zur Anlaufstelle für Hilfe­suchende.

Auch Ferronatos eigener ­Lebensweg war von Schicksalsschlägen geprägt. Mehrere Unfälle beeinträchtigten nachhaltig seine Gesundheit. Er wurde jedoch von Ärzten und Versicherungen als Simulant abgestempelt und entdeckte dadurch die Naturheilkunde. Sie weckte sein Interesse, und er begann ein autodidaktisches Studium in ­Medizin, Homotoxikologie und Homöopathie. Bald wurde er zur Koryphäe auf diesem Gebiet, Auftritte im Fernsehen machten ihn international bekannt.

Doch der Kern seiner Heiltätigkeit liegt in seiner Jugend. Oft durfte er seiner Mutter beim Behandeln von Patienten assistieren, dabei beobachtete er diese sehr genau. Mit der Zeit fiel ihm auf, dass sich die Spuren ihrer Krankheiten auch in ihren Gesichtern zeigten. Das war keine neue Erkenntnis, doch Ferronatos Verdienst sei es, in der so­genannten Pathophysiognomik mehr Klarheit geschaffen zu haben, wie Studer schreibt: «Auf der Basis seiner jahrzehntelangen, sehr sorgfältigen Beobachtungen konnte er nicht nur die einzelnen Organe verlässlich spezifischen Bereichen im Gesicht zuordnen, sondern zusätzlich die verschiedenen Bereiche eines Organs genau bestimmten Zonen im Gesicht.»

Das zweite Markenzeichen ist der Biotensor. Ein vergoldeter Ring am Ende eines Drahtes wirkt dabei wie ein Pendel. Er gibt Ferronato Auskunft über Störungen und darüber, welche Medikamente in Frage kommen und in welcher Kombination und Dosierung sie verabreicht werden müssen. «Der Biotensor basiert auf einem Resonanzphänomen, er wird auch als Steigrohr des Unterbewussten bezeichnet», sagt Studer.

Das Naturheilmittel wächst in der eigenen Stube

Im Buch nennt er eindrückliche Beispiele, wie Ferronato dank des Biotensors auch auf die Spur weit zurückliegender und deshalb übersehener gesundheitlicher Störungen kam oder sogar eine gewöhnliche Zimmerpflanze als Naturheilmittel für genau den vorliegenden Fall ausmachte. «Das alles braucht eine gut ausgeprägte Intuition – aber auch ein grosses Wissen um die Abläufe im Organismus.»

Studer hat ausführliche Gespräche mit Ferronato und dessen Patienten geführt. Mit den Schilderungen will er aufzeigen, dass eine sanftere Medizin oft besser ist als eine mit dem Holzhammer. «Oft sind es nur an sich kleine Ursachen, die die Gesundheit aus dem Gleichgewicht bringen.» Entsprechend wenig brauche es, sie wieder ins Lot zu bringen. Der menschliche Organis­- mus habe sehr grosse Selbstheilkräfte, ist Studer überzeugt. «Das bewirkt dann die manchmal biblisch anmutenden Wunder.»

Hans-Peter Studer: Natale Ferronato – Ein Vermächtnis für die Zukunft der Heilkunde, Osi-­ ris-Verlag 2016, 181 S., Fr. 31.90

Hat ausführliche Gespräche mit Natale Ferronato und dessen Patienten geführt: Buchautor Hans-Peter Studer. (Bild: Michel Canonica)

Hat ausführliche Gespräche mit Natale Ferronato und dessen Patienten geführt: Buchautor Hans-Peter Studer. (Bild: Michel Canonica)