GESERHUS: Geserhus-Leiterin tritt per sofort zurück

REBSTEIN. Die Heimleiterin des in die Schlagzeilen geratenen Altersheim «Geserhus» in Rebstein ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Das Heim bekommt mit Thomas Zünd einen Interims-Leiter. Der Verwaltungsrat räumt inzwischen ein, es gebe Mängel in der Pflege und im Betrieb.

René Hornung
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Kehrt nun Ruhe ins «Geserhus» ein? (Bild: Reto Martin)

Kehrt nun Ruhe ins «Geserhus» ein? (Bild: Reto Martin)

Vor knapp zwei Wochen war der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für das Alter (UBA) der Kragen geplatzt. Die dort engagierten Fachleute aus der Pflege und Medizin wandten sich an die Medien, um die Missstände im «Geserhus» öffentlich zu machen. Sie hätten vorgängig versucht, die Verantwortlichen zum Handeln zu bewegen, doch es passiere einfach nichts, war UBA-Regionalstellenleiterin Ruth Meisser empört.

Zünd übernimmt Betrieb
Nun hat der Protest doch Folgen. Die langjährige Heimleiterin sei mit sofortiger Wirkung von ihrer Funktion zurückgetreten – dies auch zum Schutze der Mitarbeitenden – erklärte der Rebsteiner Gemeindepräsident Andreas Eggenberger in seiner Funktion als Verwaltungsratspräsident des Zweckverbandes «Geserhus» am Mittwoch an einer Medienkonferenz. Der Betrieb wird in den nächsten fünf Wochen ad interim von Thomas Zünd geleitet. Zünd hatte früher das Alterszentrum Kappelhof in Wittenbach geleitet und war zuletzt im kantonalen Amt für Soziales tätig. Bereits dort hatte er mit dem «Geserhus» zu tun. Bevor er nun eine neue Stelle antritt, soll er die wichtigsten Schritte zur Reorganisation von Pflege und Betrieb in Rebstein einleiten.

Stelle wird ausgeschrieben
Ab Anfang Mai wird auch eine fachlich ausgewiesene Pflegedienstleiterin im «Geserhus» arbeiten, ihre Wahl war bereits früher erfolgt. Die Stelle der Heimleitung werde in diesen Tagen ausgeschrieben, erklärte Andreas Eggenberger. Er und Thomas Zünd räumten ein, dass der Betrieb für den hohen Anteil an pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohner nicht eingerichtet und dass der Ausbildungsstand des Personals ungenügend sei. Ausserdem sei der Personalbestand knapp. Vor allem mit der Betreuung von dementen und Alzheimerpatienten sei das Personal überfordert gewesen.

Verwaltungsratspräsident Andreas Eggenberger wies allerdings die Vorwürfe zurück, er habe auf die Interventionen des Personals und der Beschwerdestelle für das Alter nicht reagiert. Er sei selber erst seit März im Amt, habe sich zuerst einen Überblick verschaffen müssen, aber auch umgehend mit dem Heimpersonal gesprochen.

Bericht liegt vor
Nachdem noch unter seinem Amtsvorgänger wegen der Zustände im Heim eine Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht worden war und anfangs Februar der Untersuchungsrichter im Haus war, wurde die OBT Unternehmensberatung mit einer Befragung von Personal und Bewohner beauftragt. Dieser Bericht liegt nun vor und wurde am Mittwoch dem Personal vorgestellt. Bisher sei aber auch von der Justiz noch gegen niemand Anklage erhoben worden, stellte Eggenberger klar.

Die im OBT-Bericht aufgeführten Probleme wolle er nun rasch anpacken, betonte Interims-Leiter Thomas Zünd. In welcher Position die bisherige Heimleiterin weiterarbeiten wird, sei noch nicht bestimmt. Ihr Stellvertreter im Heim – und im privaten ihr Partner – trat nicht zurück.

Massive Vorwürfe


Die konkreten Vorwürfe der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für das Alter gegen das «Geserhus» sind massiv: Demente Patienten mit Bewegungsdrang würden wahllos medikamentös ruhig gestellt und einzelne in den Betten angebunden, sogar misshandelt. Bewohner, die nach Meinung der Heimleitung zu dick seien, bekämen kaum etwas zu essen. Personal ohne Fachausbildung gebe Medikamenten ab und setze Spritzen. Sterbende würden allein in Zimmern eingeschlossen. Die Heimleitung schüchtere Mitarbeitende ein, die sich gegen diese Zustände wehrten. Auch personalrechtlich Unregelmässigkeiten wie fehlende Einzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen wurden kritisiert.

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