Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GESCHICHTE: Den Pionierbau aufmöbeln

Die ARA Hofen ist die älteste Abwasserreinigungsanlage der Schweiz. Während 100 Jahren wurde sie stetig erneuert. Bald steht die nächste Etappe an. Dennoch finden sich in Wittenbach noch Reste des Originals.
Noemi Heule
In den Gründungsjahren während des Ersten Weltkrieges lag die ARA Hofen in unbebautem Gebiet. (Bild: PD)

In den Gründungsjahren während des Ersten Weltkrieges lag die ARA Hofen in unbebautem Gebiet. (Bild: PD)

Die St. Galler Bürgerversammlung sprach 1905 drei Millionen Franken für den Bau einer Kläranlage, unterhalb der Stadt auf Wittenbacher Boden, im Weiler Hofen. Heute wird in der Stadt erneut über die Kläranlage befunden, diesmal geht es um 13,5 Millionen Franken, diesmal bestimmt das Parlament. Der Kredit ist für eine Anlage gegen Mikroverunreinigungen bestimmt. Sie soll Rückstände, etwa Pestizide oder Medikamente, aus dem Abwasser entfernen (Ausgabe vom 1. Mai). Es ist die vierte Reinigungsstufe der Kläranlage, die einst mit zwei startete. Und damit Geschichte schrieb: Die ARA Hofen ist die älteste mechanisch-biologische Abwasseranlage der Schweiz.

Wer im Osten der Stadt, in Wittenbach oder Speicherschwendi auf die WC-Spülung drückt, leitet sein Abwasser in die ARA Hofen. Gleichzeitig machen sich WC-Papier oder Feuchttücher auf den Weg in Richtung Kläranlage. Aus der Küche kommen Ölreste dazu. Ungebetene Gegenstände wie Wattestäbchen oder Zigarettenstummel landen ebenfalls in den Leitungen. All dies wird in der ARA abgefangen – mit mechanischen, biologischen oder chemischen Mitteln.

Textilindustrie verschmutzt St. Galler Gewässer

Feuchttücher, die sich – im Gegensatz zu Papier – nicht auflösen, werden als erstes aus dem Abwasser gefischt. Sie verfangen sich in den Rechen der Anlage, während das Abwasser, eine braune Kloake, munter weiterfliesst. Mechanische Filter kommen in Hofen seit Anbeginn zum Einsatz. 1917, inmitten des Ersten Weltkriegs, nahm die ARA den Betrieb auf. Bereits kurz nach der Jahrhundertwende wurde der Pionierbau geplant, während der Stickereiblüte und auf dem Höhepunkt der Textilindustrie. Die Schadstoffe aus der Textilbehandlung landeten damals ungefiltert in städtischen Gewässern.

Hat das Abwasser die Rechen passiert, gelangt es in Becken, in denen Sand und Fett beseitigt werden. Der Sand setzt sich am Grund ab, das Fett schwimmt obenauf. 30 Prozent der Reinigungsleistung ist bereits nach der sogenannten Vorklärung erbracht, wie Klärmeister Daniel Gahler sagt. Anschliessend steht der chemische Reinigungsschritt an. Mit Eisensulfat wird das Phosphat im Abwasser gebunden, bevor Abermillionen Mikroorganismen die biologische Reinigung übernehmen. Die Bakterien ernähren sich von den organischen Abfällen. Um sie zu verwerten, sind sie allerdings auf Sauerstoff angewiesen. Über riesige Gebläse im Untergrund, dem Herzstück der Anlage, wird Luft in die Becken gepumpt.

Auf biologische Filter setzten auch die Pioniere im Jahr 1917. Im sogenannten Festbettverfahren sickerte das Wasser über Steine, die von Mikroben bevölkert waren. «Die Geruchsemissionen waren im Gegensatz zu heute immens», sagt Gahler. Anschliessend gelangte das Abwasser in die sogenannten Emscherbrunnen, wo sich der Schlamm am Grund festsetzte. Diese Brunnen stehen noch immer, als letztes Überbleibsel der ursprünglichen Anlage werden sie nun als Stapelbecken für den Klärschlamm genutzt. Mit Ross und Güllewagen standen die Bauern einst Schlange, um mit dem Schlamm aus der Kläranlage ihre Felder zu düngen.

In den Gründungsjahren während des Ersten Weltkrieges lag die ARA Hofen in unbebautem Gebiet. (Bild: PD)

In den Gründungsjahren während des Ersten Weltkrieges lag die ARA Hofen in unbebautem Gebiet. (Bild: PD)

Natürliches Gefälle clever genutzt

Heute entsteht aus dem Schlamm Methangas und daraus Energie. Die festen Überreste werden als Brennstoff in der Zementindustrie genutzt. Auch aus dem gereinigten Wasser wird Energie gewonnen. 180 Höhenmeter tiefer speist es das Kleinwasserkraftwerk Morgental. Das natürliche Gefälle zwischen Stadt und See gab einst den Ausschlag für den Standort der Anlage. Vor 100 Jahren, als es noch keine Pumpwerke gab, wurde die Kläranlage am tiefsten Punkt des Einzuggebietes gebaut.

Seither wurde die ARA laufend ausgebaut. Nach einer Rundumerneuerung 1981 hat sie mit ihrem Vorgänger wenig gemein. Aber auch heute werden immer wieder Sanierungen vorgenommen. «Arbeiten an der Kläranlage gleichen einer Operation am offenen Herzen», sagt Daniel Gahler. Schliesslich müsse die Anlage stets in Betrieb bleiben. Die nächste grosse Erneuerung, die Anlage gegen Mikroverunreinigungen, muss aber nicht am Herzstück, am offenen Herzen, vorgenommen. Die zusätzliche, vierte Reinigungsstufe wird schliesslich nicht in Hofen, sondern unterhalb des Kleinwasserkraftwerk Morgental realisiert.

Seit 1917 sind die Ansprüche an die ARA Hofen gestiegen. Und mit ihnen die Anzahl Becken. (Bild: Ralph Ribi)

Seit 1917 sind die Ansprüche an die ARA Hofen gestiegen. Und mit ihnen die Anzahl Becken. (Bild: Ralph Ribi)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.