Geschichte aus Pappmaché

Der Gossauer Fasnachtsumzug feiert sein 60jähriges Bestehen. Dafür werden Kostüme vergangener Tage entstaubt. Ob allerdings auch eine 61. Ausgabe zustande kommt, ist fraglich.

Noemi Heule
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GOSSAU. Asterix, Winnetou, Kasperli, Globi, Diddl, Papa Schlumpf oder Familie Feuerstein. Der Fundus der Fasnachtskommission gleicht einer Hitparade der Comicfiguren für Kinder. Viele Sujets sind zeitlos, einige dagegen nach bis zu 60 Jahren nicht mehr aktuell. «Der Wilde als Menschenfresser wäre heute politisch wohl nicht mehr korrekt», sagt Annelies Barraz. Die Fundus-Chefin weist den Weg durch das Labyrinth im Keller des Schulhauses Othmar.

An den Wänden stapeln sich Kisten mit Stoffen vergangener Verkleidungen, riesige Pappmaché-Köpfe lugen zwischen den Regalen und aus den langen Gängen der unterirdischen Anlage hervor. Über Jahre klebten, kleisterten und malten die Kinder für einen Auftritt am Fasnachtsumzug. «Er hatte für jeden Gossauer Schüler Tradition», sagt Vorstandsmitglied Annelies Barraz.

Entstaubt, statt neu geschaffen

Zum 60jährigen Bestehen wird diese Tradition nun neu belebt. Ausgediente Masken werden für den Jubiläumsumzug aus den Kellern geholt. «Alles ist erlaubt», sagt Adrian Krucker, Präsident des Fasnachtskomitees. Hauptsache, es erinnere an die farbenfrohe Geschichte der Gossauer Fasnacht. Der runde Geburtstag ist jedoch nicht der einzige Grund, wieso alte Masken entstaubt, statt neue geschaffen werden: «Es ist schwer, Lehrer für die Bastelei zu motivieren», sagt der 33-Jährige. Unter dem Motto «Weisch no?» wurden deshalb bereits vor zwei Jahren alte Sujets wiederverwertet. Lange könne der Umzug jedoch nicht mehr vom Glanz alter Tage zehren, ist sich Krucker bewusst. Auch dem Fasnachtskomitee mangelt es an Freiwilligen. Sechs Mitglieder zählt der Vereinsvorstand heute. Die Minimalbesetzung musste für die diesjährige Ausgabe Abstriche machen. Nachdem das Komitee vor zwei Jahren mit 2500 Arbeitsstunden an seine Grenzen stiess und auch finanziell ein Defizit einfuhr, verzichtet es in diesem Jahr auf eigene Festwirtschaften. Diese wurden an Externe vergeben.

«Fasnacht verliert Bedeutung»

Krucker will sein Präsidentenamt nach den Umzügen abgeben. Er könne die ehrenamtliche Tätigkeit nicht mit seiner Arbeit in der Brauerei Stadtbühl vereinen, sagt er. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden. Dafür müsse man jedoch kein Fasnächtler sein, versichert er.

Ihn selbst habe sein Faible für das Organisieren zum Ehrenamt verleitet, sagt er. «Der Werdegang vom Papier zum fertigen Umzug faszinierte mich», sagt er. Die Tradition am Leben zu erhalten, war zusätzlich Ansporn. «Die Fasnacht verliert an Stellenwert», bedauert er. Dies habe er während seiner vierjährigen Tätigkeit deutlich gespürt. «Wenige sind noch bereit, viel Aufwand in Dekorationen und Kostüme zu stecken», sagt er.

Obwohl: Wenn er sich den kommenden Umzug vor Augen führe, müsse er diese Aussage revidieren: 50 verschiedene Sujets laufen pro Umzug auf. Die fast 1000 Teilnehmer gestalteten teils aufwendige Kostüme und Wagen für die rund 3500 Zuschauer. Auch wenn es an Freiwilligen fehlt, bleibt Krucker deshalb zuversichtlich, dass es weitergeht. Irgendwie.