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Geschäftsberichte als Bettlektüre

ST.GALLEN. Seit 100 Tagen ist Peter Jans Stadtrat. Für den Nachfolger von Fredy Brunner an der Spitze der Direktion Technische Betriebe hat die intensive Zeit bereits viel früher begonnen: Mit der Nominierung der SP vor einem Jahr. Im Interview blickt Jans nochmals zurück – und voraus.
David Gadze
Peter Jans in seinem Büro an der St. Leonhard-Strasse. (Bild: Hanspeter Schiess)

Peter Jans in seinem Büro an der St. Leonhard-Strasse. (Bild: Hanspeter Schiess)

Herr Jans, was ist derzeit Ihre Bettlektüre?

Peter Jans: In den vergangenen Wochen waren es vor allem die Geschäftsberichte der städtischen Unternehmen.

Sie sind jetzt seit 100 Tagen als Stadtrat im Amt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Jans: Die Arbeit ist sehr spannend, weil jeder Tag anders ist. Es ist sowohl zeitlich als auch sachlich eine grosse Herausforderung, vieles kannte und kenne ich immer noch nicht. Man kommt in eine bestehende Organisation mit laufenden Prozessen. Es ist nicht möglich, sich ein paar Wochen lang einzuarbeiten. Man muss zwar nicht jedes Projekt im Detail kennen, aber zumindest eine Gesamtübersicht haben.

Sie mussten aber nicht gleich von null auf 100 starten, sondern wurden vor dem Amtsantritt von Vorgänger Fredy Brunner eingeführt. Wie hilfreich war das?

Jans: Das war sehr wertvoll. Aber auch nach dieser Einführung war ich quasi erst am Anfahren. Und auch jetzt bin ich noch nicht bei 100. Es braucht etwa ein Jahr, bis man alle Abläufe kennengelernt hat. Den Rechnungsprozess habe ich nun mitgemacht, nach den Sommerferien beginnt die Budgetierung für 2016.

Wo stehen Sie heute?

Jans: Ich habe das Gefühl, dass ich gut angekommen bin. Ich mache die Arbeit mit viel Freude, habe alle Bereichs- und Unternehmensleiter der Technischen Betriebe kennengelernt und mir einen Überblick über die verschiedenen laufenden Projekte verschafft. Trotzdem werde ich viele Dokumente und Berichte in die Ferien mitnehmen.

Sie haben von Fredy Brunner viele Geschäfte übernommen, die schon länger laufen und teilweise weit fortgeschritten sind. Etwa der Ausbau des Fernwärme- oder des Glasfasernetzes oder das Energiekonzept 2050. Wo wollen Sie eigene Schwerpunkte setzen?

Jans: Das hängt von der Strategie des Gesamtstadtrats ab. Es gibt Legislaturziele, die nach wie vor gelten. Das Energiekonzept ist ohnehin etwas Langfristiges. Wenn ich eines Tages abtrete, wird es immer noch nicht ganz umgesetzt sein. Aber gerade diese Thematik ist ein ureigenes Interesse von mir und wird für meine Arbeit zentral sein. Dann gibt es viele kurzfristige Projekte, die ich mitprägen möchte. Etwa das neue Busbetriebskonzept, das der Kanton im Jahr 2018 in Kraft setzen will. Persönlich ist es mir ein Anliegen, den öffentlichen Verkehr weiter zu stärken und das Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung umzusetzen, ohne die Erreichbarkeit der Stadt einzuschränken. Oder die Elektromobilität weiter zu fördern.

Sie waren fast zehn Jahre lang nicht mehr in der Politik, nachdem Sie 2006 aus dem Kantonsrat zurückgetreten waren. Was gab den Ausschlag für die Rückkehr?

Jans: Die lokale Politik interessiert mich seit meiner Jugend. Als ich zum Gericht kam, ging ich davon aus, dass die Karriere als Politiker abgeschlossen sein würde. Aber als die SP-Anfrage für die Stadtratskandidatur kam, habe ich nach reiflicher Überlegung zugesagt. Dieses Amt bildet einen schönen Abschluss meiner beruflichen Laufbahn.

Wie wichtig ist es für Ihre Partei, die SP, wieder einen Vertreter in der Stadtregierung zu haben?

Jans: Gerade für den Informationsfluss zwischen der Fraktion im Stadtparlament und dem Stadtrat ist es sehr wertvoll. In der Exekutive hat man aber eine andere Rolle als im Parlament. Im Stadtrat geht es darum, gemeinsam zu einer guten Lösung zu kommen. Man hat nicht nur eine Verpflichtung gegenüber seiner Wählerschaft und der Partei, sonder muss das Ganze sehen können.

Sie haben vor der Stadtratswahl gesagt, dass Sie Respekt haben vor der grossen Verantwortung und den vielen Erwartungen, die «wahrscheinlich teilweise unerfüllbar sein werden». Spüren Sie diese Erwartungen gerade auch als SP-Rückkehrer im Stadtrat?

Jans: Eigentlich nicht. Ich glaube, den meisten Leuten ist bewusst, dass alles Zeit braucht und man in der Exekutive andere Meinungen mittragen muss. Und meine Arbeit betrifft nicht nur meine Direktion. Ich kann auch bei Vorlagen aus anderen Direktionen mitentscheiden.

Apropos andere Meinungen: Im Wahlkampf haben Sie sich gegen einen neuen Autobahnanschluss ausgesprochen und mit Ihrer Partei die Güterbahnhof-Initiative eingereicht. Der Stadtrat befürwortet aber das Projekt. Wie stehen Sie heute zu diesem Vorhaben?

Jans: Ich bringe mich in die laufenden Diskussionen so ein, wie ich mich schon vorher zu diesem Thema geäussert habe. Ich bin der Meinung, dass wir möglichst die Infrastruktur nutzen sollten, die wir haben. Der Stadtrat hat vom Stimmvolk 2010 den Auftrag bekommen, das Verkehrsaufkommen zu stabilisieren. Ich bin überzeugt davon, dass wir dieses Ziel mit verschiedenen Massnahmen erreichen können, ohne die Prosperität der Stadt einzuschränken. Wenn beispielsweise Dutzende von Millionen in die Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen investiert werden, muss es auch möglich sein, die Pendler zum Umstieg auf den öV zu bewegen – und so die Strassen zu entlasten. Sonst müssen wir uns fragen, für wen wir das machen. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Wenn der Stadtrat etwas beschliesst, muss man das gemeinsam vertreten.

Wissen Sie noch, was Sie heute vor einem Jahr gemacht haben?

Jans: Ja, fast auf den Tag vor einem Jahr wurde ich von der SP als Kandidat für die Stadtratswahlen nominiert. Für mich hat in dem Moment der Wahlkampf begonnen. Das vergangene Jahr war ziemlich intensiv.

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