GESCHÄFTSAUFGABE: Rotmontener Quartierladen schliesst

Der Quartierladen Tschanz in Rotmonten schliesst im Juni seine Türen. Die Betreiber beklagen einen Kundenrückgang.

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Claudio Kasper schliesst den Quartierladen Tschanz am 30. Juni (Bild: Elisabeth Reisp)

Claudio Kasper schliesst den Quartierladen Tschanz am 30. Juni (Bild: Elisabeth Reisp)

45 Jahre lang gingen die Rot­montener noch schnell zum «Tschanz» Besorgungen machen. Das Quartierlädeli an der Guisanstrasse 65 führte fast alles, was man brauchte. Namensgebend für den kleinen Laden war das Ehepaar Tschanz, welches bis im Sommer 2014 das Geschäft während 42 Jahren geführt hatte. Im September desselben Jahres haben Andrea Berner und Claudio Kasper das Geschäft übernommen. Nach zweieinhalb Jahren haben sie sich nun entschieden, den Laden aufzugeben. In einem Flyer, den sie in die Briefkästen der Quartierbewohner gelegt haben, geben sie ihre Gründe bekannt. Ein Quartier­laden könne nur überleben, wenn ihn die Bewohnerinnen und Bewohner auch treu unterstützten und die persönliche Bedienung, die Nähe und den Hauslieferservice schätzten, heisst es in diesem Flyer. «Die Kunden wurden aber immer weniger», sagt Claudio Kasper. Sie seien entweder weggezogen, etwa ins Altersheim, oder gestorben. Einen neuen Kundenstamm hätten sie nie so richtig aufbauen können, sagt Kasper weiter.

Dass er mit längeren Öffnungszeiten vielleicht einen andere Kundenschaft hätte ansprechen können, etwa die Berufstätigen, die erst nach Ladenschluss um 18.30 Uhr nach Hause kommen, glaubt Claudio Kasper nicht. «Man könnte 24 Stunden offen haben, es würde immer einer kommen, aber das rentiert nicht.»

Mit Hauslieferdienst Laden subventioniert

Die jungen Geschäftsführer bauten einen Hauslieferdienst auf, mit dem sie den Laden zuletzt quersubventioniert haben. Das sei nicht schlecht gelaufen – «die Kunden kommen nicht mehr, also mussten wir zu den Kunden» – aber gereicht habe es dennoch nicht. Am 30. Juni schliesst der Quartierladen. Es werde sicher noch eine kleine Verab­schiedung geben, eine Art «Uustrinkete», verspricht Kasper. Was danach mit dem Ladenlokal passiert, sei noch völlig offen.

Rotmonten steht dann aber nicht ohne Lebensmittelladen da. 300 Meter weiter bei der Bushaltestelle Sonne bietet der Quartierladen Müller ebenfalls alles für den täglichen Gebrauch an. Im Gegensatz zum «Tschanz» ist das Müller-Lädeli auch über Mittag und am Morgen ab 6.15 Uhr offen. Mittwochs und samstags gibt’s dort über Mittag Würste vom Grill. Gut möglich, dass die Läden sich aufgrund ihrer Nähe konkurrenziert haben. Doch auch andere Quartierläden haben teilweise Mühe, wie der städtische Quartierverantwortliche Peter Bischof weiss. Wie viele es aber noch gebe, darüber sei keine Buch­führung möglich. Da die Abgrenzung zu anderen Läden teilweise schwierig sei.

Quartierladen ist auch ein Treffpunkt

«Die Quartierläden müssen sich vor allem durch Spezialisierung von den Filialen der Grossver­teiler abgrenzen können.» Denn preislich sei die Konkurrenz im Vorteil. Catering oder Hauslieferservice sei eine mögliche Abgrenzung, sagt Bischof. «Ein Quartierladen ist zudem in der Regel mehr als eine Einkaufsmöglichkeit in direkter Nähe. Er ist auch ein Treffpunkt.» Im Riethüsli etwa fehlte so einer, nachdem der Quartier­laden und das letzte Restaurant eingingen. Daher sei dort ein Quartiertreffpunkt für die Bevölkerung und für die Vereine eröffnet worden. In Rotmonten sieht die Situation etwas anders aus. Bischof: «Es gibt es noch einen Quartierladen, zudem findet auch einmal im Monat das Quartiercafé unter der Linde statt.»
(rsp)