GERICHTSFALL: Streit um Katze vor Gericht

Eine Frau aus der Region soll eine Katze entführt haben. Der Fall landete vor dem Kreisgericht Rorschach.

Lisa Wickart
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«Kater abzugeben» hiess es in einem Inserat auf einem Online-Marktplatz. Erstellt hatte es gemäss «20 Minuten» die Tochter einer Frau aus der Region Rorschach. Die Mutter entschied sich aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes, der Katze ­einen neuen Besitzer zu suchen. Mehrere Interessierte meldeten sich auf das Inserat. Die Frau wählte einen Zürcher aus.

An einem Samstag Anfang 2016 brachte sie dem Mann die Katze samt Impfpapieren und Heimtierausweis vorbei. Einen Monat später meldete sie sich beim neuen Besitzer: Sie wolle die Katze zurück. Der Mann ging nicht auf ihre Anfrage ein. Mit dem Nein soll sich die Frau jedoch nicht zufriedengegeben haben. So habe sie den Mann unter Druck gesetzt und bedroht, wie der Kläger am Donnerstag vor dem Kreisgericht Rorschach angab. Nachdem die Katze im Mai plötzlich verschwand, war der Fall für den Zürcher klar: Der Kater wurde ­gestohlen. Zeugen hätten eine der Töchter dabei gesehen. Die Schwestern bestritten die Tat: Zum besagten Zeitpunkt sei eine in den Ferien gewesen, die andere bei der Arbeit.

Laut der Tochter verlief das Ganze anders: Ihre Mutter habe mit Hilfe der Polizei die Katze zurückholen wollen. Die Beamten erfüllten ihr den Wunsch nicht. Ihr sei es jedoch erlaubt, vorbeizugehen und nach dem Kater zu fragen. So klingelte die Frau an der Haustüre des Mannes. Dieser sei nicht zu Hause gewesen. Also habe sie vor der Tür gewartet. Plötzlich tauchte der Kater auf.

Seither ist das Tier wieder zurück bei der ursprünglichen Halterin, jedoch ohne Papiere. Diese will der Mann nicht rausrücken, er sei schliesslich der rechtmässige Halter. Der Anwalt der Frau sieht das anders. Nun soll das Gericht feststellen, wer recht hat. Die Richterin zeigte wenig Verständnis für den Kläger. Sie ermahnte ihn, dass er mit seiner Begehrlichkeit die Justiz von wichtigeren Fällen abhalte. Der Mann besteht auf Entschädigungen von rund 10000 Franken. Zudem will er die Katze zurück. Er glaubt, dass es dem Kater bei ihm besser geht: «Ich habe Zustände gesehen, auf die ich gar nicht eingehen will.»

Eine der Töchter zeigte vor Gericht etwas Reue. Sie hätte ihre Mutter nicht dazu überreden sollen, die Katze wegzugeben. Der Kater liege der Mutter am Herzen. Weder der Mann noch die Frau wollten in eine Vergleichsverhandlung treten. Die Richterin fällte noch kein Urteil. Dazu soll es im Lauf dieser Woche kommen.

Lisa Wickart

lisa.wickart

@tagblatt.ch