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GERICHTSFALL: St.Gallerin wegen Veruntreuung zu bedingter Freiheitsstrafe verurteilt

Ein 54-jähriger Mann hat seine ehemalige Lebensgefährtin beschuldigt, 218'000 Franken veruntreut zu haben. Das Kreisgericht St.Gallen sprach die Frau jetzt schuldig. Sie hatte vor Gericht ihre Unschuld beteuert.
Claudia Schmid
Symboldbild: Vor Kreisgericht St.Gallen stand dieser Tage eine Frau, die mit den Bankkarten ihres Partners Geld veruntreut haben soll. (Bild: Michel Canonica)

Symboldbild: Vor Kreisgericht St.Gallen stand dieser Tage eine Frau, die mit den Bankkarten ihres Partners Geld veruntreut haben soll. (Bild: Michel Canonica)

Das Paar lebte von 2008 bis Mitte März 2017 zusammen. Im Hause wohnten auch die beiden Kinder der Frau und zeitweise eines der Kinder des Mannes. Die Beschuldigte arbeitete Teilzeit in der Einzelfirma ihres Lebenspartners als Buchhalterin und erhielt dafür einen Lohn. Er habe lange Zeit nicht bemerkt, dass seine Freundin mit seinen Bankkarten ohne seine Kenntnis Geld von zwei Konti abhebe, erklärte der 54-jährige Schweizer vor Gericht. Erst als ein Treuhänder ihm gesagt habe, die Buchhaltung weise extrem hohe Privatbezüge auf, sei er stutzig geworden. Danach habe er herausgefunden, dass die Frau mit seinem Geld Waren in Läden und im Internet für sich gekauft habe.

Der Mann bezifferte den Schadensbetrag vor Kreisgericht auf über 200'000 Franken. Zudem warf er der Beschuldigten vor, dass sie zwischen Januar 2014 und November 2016 im Rahmen ihrer Buchhaltungstätigkeiten für seine Einzelfirma das Kontokorrentkonto missbrauchte. Sie habe private Rechnungen von ihr von 16'400 Franken bezahlt. Er habe schon gewusst, dass die damalige Lebenspartnerin Schulden habe, dennoch habe er ihr vertraut, erklärte der Mann. Nach seinen Angaben veruntreute die Beschuldigte bereits früher 100'000 Franken. Damals hätten sie abgemacht, dass sie kein Haushaltsgeld mehr erhalte, um so etwas zurückzuzahlen.

Veruntreuung bestritten

Die 44-jährige Schweizerin erzählte eine andere Geschichte. Von Anfang an sei sie für das Haushaltgeld aufgekommen. Höchst selten habe sie von ihm 1000 Franken für die Haushaltskosten erhalten, doch erst nach langem Betteln. Für das Wohnen hätten sie und ihre Kinder zwar kein Bargeld bezahlt, dafür habe sie aber neben den Buchhaltungsarbeiten gewaschen, gekocht, geputzt und Umgebungsarbeiten erledigt. Auch ihre Kinder hätten mithelfen müssen.

Die Beschuldigte bestritt die Veruntreuung. Sie habe zwar Bargeldbezüge mit den Kreditkarten des Mannes getätigt, doch immer im Auftrag oder Einverständnis von ihm, betonte sie. Manchmal habe sie mit dem Geld Material für den Betrieb einkaufen müssen, manchmal habe sie Lebensmittel für den gemeinsamen Haushalt gekauft. Vereinzelt habe sie auf seine Einwilligung hin Rechnungen von ihr über sein Konto bezahlt. Sie habe aber vorher gefragt.

Die Frau gab zu, dass sie zwischen 2009 und 2012 mit seiner Bankkarte rund 100'000 Franken abgehoben hatte, um Dinge für den Haushalt, Kleider und anderes zu kaufen. Sie sei der Meinung gewesen, sie dürfe dies, da sie ja zusammengelebt hätten.

Starkes Abhängigkeitsverhältnis

Die Beteuerungen der Beschuldigten seien unglaubwürdig, erklärte der Staatsanwalt. Er erinnerte daran, dass sie bereits 2012 verurteilt worden war. Damals habe sie versucht, die Straftat zu vertuschen, indem sie von einer vermeintlichen Erpressung erzählt habe. Bald aber sei das Lügengebäude zusammengefallen und sie habe zugegeben, dass sie das Geld wegen ihrer Kaufsucht ausgegeben habe.

Der Staatsanwalt beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Der Verteidiger verlangte einen Freispruch von Schuld und Strafe für seine Mandantin. Die Frau habe sieben Tage in der Woche von morgens bis abends für ihn gearbeitet und dafür nur 1700 Franken Lohn erhalten. Sie sei in ein starkes Abhängigkeitsverhältnis zu ihm verstrickt gewesen. Er habe ihr sogar verboten, den kranken Vater zu besuchen.

Das Kreisgericht St.Gallen folgte der Argumentation der Verteidigung nicht. Es verurteilte die Frau wegen gewerbsmässigen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage und mehrfacher Veruntreuung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren. Ihrem ehemaligen Lebensgefährten muss sie 150'000 Franken Schadenersatz zahlen.

Claudia Schmid

stadtredaktion@tagblatt.ch

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