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GERICHT: Drogen gegen Sex: Bedingte Strafe für ungewöhnlichen Tauschhandel

Das Kreisgericht St. Gallen hat einen portugiesischen Staatsangehörigen wegen Pornografie und Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt. Vom Vorwurf der Vergewaltigung sprach es ihn frei.
Öffentliche WC Anlage am Gallusplatz: Hier kam es zum Tauschgeschäft Drogen gegen Sex (Bild: Hanspeter Schiess)

Öffentliche WC Anlage am Gallusplatz: Hier kam es zum Tauschgeschäft Drogen gegen Sex (Bild: Hanspeter Schiess)

Der 38-jährige Beschuldigte war in die Schweiz gekommen, um Arbeit und eine Wohnung zu suchen. Er habe geplant, seine Frau und sein Kind nachzuholen, erzählte er in der Verhandlung vor Kreisgericht. Dazu kam es allerdings nicht, weil ihn die Staatsanwaltschaft wegen Vergewaltigung, Pornografie und Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz anklagte. Eine Frau hatte geltend gemacht, sie sei vom Angeklagten vergewaltigt worden. Laut Anklage sprach sie ihn im Herbst 2016 im Grabenpärkli an und fragte ihn, ob er etwas Kokain gegen Sex tauschen würde.
Um den Tauschhandel zu vollziehen, gingen die beiden zur öffentlichen Toilette am Gallusplatz. Dort wurden sie dann aber gestört, weil die Polizei an die Türe klopfte. Sie vereinbarten für den nächsten Tag ein Treffen und tauschten die Telefonnummern aus. Die Frau rief den Beschuldigten tatsächlich an, traf sich mit ihm in der Stadt und nahm ihn mit nach Hause, um Geschlechtsverkehr zu haben und von ihm dafür zwei Kügeli Kokain und 20 Franken zu bekommen.

Es steht Aussage gegen Aussage

Über den weiteren Verlauf des Geschehens gebe es keine Gewissheit, erklärte der Staatsanwalt vor Gericht. Aussage stehe gegen Aussage. Die Frau hatte zu Protokoll gegeben, sie habe beim Verkehr Schmerzen gehabt und deshalb gesagt, er solle aufhören. Sie habe eine Pause verlangt und beim zweiten Geschlechtsverkehr wieder gesagt, sie wolle nicht mehr weitermachen. Die Frau hatte im Intimbereich eine Verletzung erlitten, die blutete.

Der Beschuldigte beteuerte, der Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich gewesen. Auch nach der Pause sei die Frau mit dem Weitermachen einverstanden gewesen. Sie habe nie zu ihm gesagt, sie wolle aufhören. Nach einer Zigarettenpause sei sie freiwillig wieder mit ihm ins Schlafzimmer gegangen. Später ging die Frau wegen ihrer Verletzung ins Kantonsspital und erstattete Anzeige. Zu dieser habe sie sich allerdings auch nur entschlossen, weil ihr Ehemann sie dazu gedrängt habe, betonte die Verteidigerin des Beschuldigten.

Der in Nigeria geborene Portugiese gab zu, Kokain verkauft zu haben. Da er der älteste Sohn sei, habe er nicht nur für Frau und Kind aufkommen, sondern auch seine Mutter und andere Familienmitglieder unterstützen müssen. Deshalb habe er sich auf das Drogengeschäft eingelassen. Innerhalb von drei Jahren soll der Beschuldigte in der Stadt St. Gallen rund 100 Kügelchen Kokain zu je 0,2 bis 0,5 Gramm verkauft haben.

Bei der Festnahme des Beschuldigten fand die Polizei pornografische Bilder auf dem Handy. Diese habe er von Facebook-Bekannten erhalten und nicht wirklich beachtet, aber auch nicht gelöscht, erklärte er. Viele Nutzer von sozialen Medien wüssten nicht, dass die ihnen von Bekannten und Freunden zugesandten strafbaren Bilder beim Anklicken im Handy gespeichert würden und man sich so der Pornografie schuldig mache, betonte die Verteidigerin.
Die Staatsanwaltschaft beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren und eine Geldstrafe, die Verteidigerin einen Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung, eine Haftstrafe von vier Monaten und eine Geldstrafe. Zudem verlangte sie für ihren Mandanten eine Haftentschädigung wegen Überhaft. Er befindet sich seit letztem September in Untersuchungs- und Sicherheitshaft.

Widersprüchliche Aussagen

Das Kreisgericht St. Gallen folgte schliesslich den Anträgen der Verteidigung. Es verurteilte den 38-jährigen Mann zu einer bedingten Freiheitsstrafe von vier Monaten und einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 30 Franken. Für die Überhaft erhält er 6800 Franken Entschädigung. Das Gericht sei einstimmig zur Überzeugung gelangt, dass man dem Beschuldigten keine Vergewaltigung vorwerfen könne, erklärte der vorsitzende Richter. Die Frau habe nicht dargelegt, inwiefern sie bedroht oder unter Druck gesetzt worden sei. Auch seien ihre Aussagen sehr widersprüchlich. (cis)

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