Gerangel um den zwölften Platz

ST. GALLEN. Vierzehn Frauen und Männer wollen künftig für die St. Galler SVP im Nationalrat politisieren. Nur zwölf schaffen es auf die Kandidatenliste. Die Ausmarchung kostet Nerven. Und die liegen teils blank.

Regula Weik
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Begehrte Sitze: Zwei Frauen und zwölf Männer wollen für die St. Galler SVP nach Bern fahren und im Nationalrat politisieren. (Bild: ky/Peter Schneider)

Begehrte Sitze: Zwei Frauen und zwölf Männer wollen für die St. Galler SVP nach Bern fahren und im Nationalrat politisieren. (Bild: ky/Peter Schneider)

Wenn andere Parteien über mangelndes Interesse an politischen Aufgaben klagen, entlockt dies den Chefs der St. Galler SVP ein müdes Lächeln. Ihre Liste für die Nationalratswahlen füllt sich jeweils flugs. So auch dieses Jahr. Die kantonalen Delegierten haben morgen einmal mehr eine echte Auswahl: Zwei Frauen und zwölf Männer drängt es nach Bern.

Ausmarchung im Rheintal

Die vier Bisherigen und aus jedem Wahlkreis eine Kandidatur – das gibt summa summarum zwölf, exakt so viele Namen, wie es Listenplätze hat. So einfach und klar die Überlegungen der St. Galler Parteileitung bei der Listengestaltung anmuten, so sehr haben offiziell nicht Nominierte daran zu kauen.

Eine umstrittene Region – und dafür braucht man keine hellseherischen Fähigkeiten – ist das Rheintal. Nebst Nationalrat Roland Rino Büchel steht Mike Egger auf der Kandidatenliste. Der Kantonsrat und Präsident der Jungen SVP St. Gallen politisiert frisch und forsch – etablierten Aushängeschildern der Partei beides manchmal eine Spur zu stark. Dennoch: Egger hat sich den Rheintaler Listenplatz geholt; sein Kantonsratskollege Walter Freund hatte das Nachsehen. Über die Gründe darf spekuliert werden. Im Kantonsparlament sei Freund eher ein Hinterbänkler, heisst es da und dort hinter vorgehaltener Hand. Dass Freund nun als freier Kandidat auf der Anwärterliste steht, dürfte längst nicht allen passen. «Drei Rheintaler auf der Liste? Das ist strategisch ein Witz», sagt ein Rheintaler SVPler.

Regionalpolitische Überlegungen hin oder her: Freund ist, was Egger nicht ist, nämlich Bauer. Das ist nicht unwesentlich. Die SVP geniesst in St. Gallen mit immer noch starker Landwirtschaft Sympathien bei den Bauern.

Wie viele Bauern tun gut?

Der oberste Parteichef Toni Brunner ist derzeit als einziger Bauer auf der St. Galler Nationalratsliste gesetzt. Dass keine einzige Kreispartei einen Bauern nominiert hat, begeistert ihn nicht sonderlich. Und so hat er sich angeschickt, selber Gegensteuer zu geben – und bei einzelnen, aus seiner Sicht potenziellen Kandidaten geweibelt. So auch bei Gottfried Jud. Der Degersheimer Gemeinderat und Bauer hatte der Kreispartei Wil einen Korb gegeben; doch Brunner scheint ihn erfolgreich umgarnt zu haben, heute steht Jud auf der Kandidatenliste.

Gerücht wirkt nach

Dem Hörensagen nach soll Brunner auch andernorts die Finger im Spiel gehabt haben. So etwa, als vor zehn Tagen plötzlich Sonja Nef als mögliche St. Galler SVP-Kandidatin gehandelt wurde. Die Ex-Skirennfahrerin wie auch die St. Galler Parteiführung wollen davon nichts gewusst haben und dementierten sogleich (Ausgabe vom 12. Januar). Das Gerücht hat einigen Unmut ausgelöst – insbesondere bei Sarah Bösch, der zweiten Frau mit dem Fernziel Bern. Die St. Gallerin kämpft wie Freund und Jud um den letzten Listenplatz. Und das ohne Rückendeckung ihrer Kreispartei; diese hat sie nicht nominiert.

Mit Sonja Nef – die «hervorragende Persönlichkeit» würde bei den St. Galler Parteiexponenten offene Türen einrennen – wäre auch die Listenstrategie aufgegangen. Bis heute fehlt ein «neuer» Name aus dem Wahlkreis Rorschach; dies, nachdem Fraktionschef Michael Götte die Fahrt nach Bern vertagt hat.

Sprengkandidatur?

Doch selbst die Nomination durch die Kreispartei bietet keine Gewähr, tatsächlich auf dem Ticket für Bern zu sein. Vor vier Jahren hatte dies der Werdenberger Kandidat bitter erfahren müssen, als an der Nominationsversammlung der damalige Präsident der Jungen SVP, Jeffrey Bleiker, an seiner Stelle auf die Liste gehievt wurde.

Ob sich morgen in Rheineck wieder eine Sprengkandidatur durchsetzt, ist offen. Bei der St. Galler SVP ist es jedenfalls nie ausgeschlossen.