GERÄUSCHE: Es brummt im Tschudiwies

Seit Jahren hören einige Quartierbewohner im Tschudiwies ein störendes Brummen. Welchen Ursprung das Geräusch hat, weiss auch nach diversen Abklärungen niemand. Hörproben der Stadt verliefen ergebnislos.

Luca Ghiselli
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An der Ecke Tschudistrasse/Amselweg ist das Brummen besonders gut hörbar. (Bild: Ralph Ribi)

An der Ecke Tschudistrasse/Amselweg ist das Brummen besonders gut hörbar. (Bild: Ralph Ribi)

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Wie ein Motor, der ständig laufe. Ein Transformator, ein Sturm oder ein Betonmischer in der Strasse. So höre es sich an, das Brummen im Tschudiwies, schreibt Ingrid Jacober in der aktuellen Ausgabe des Quartierhefts. Die Vizepräsidentin des Quartiervereins Tschudiwies-Centrum ist sich sicher: Für die Geräusche, welche manche Anwohner vor allem nachts plagen, muss es eine plausible Erklärung geben. «Wir hören das Brummen seit einigen Jahren», sagt Jacober. Mal sei es lauter, mal weniger, mal kaum zu vernehmen. Und doch sei es ständig präsent. Besonders in den Liegenschaften an der Tschudistrasse in der Nähe des Amselwegs sei das Geräusch hörbar. «Trotz mehrerer Abklä­rungen wissen wir aber ­immer noch nicht, woher es kommt.»

Die Heizungen können es nicht sein, eine Wärmepumpe habe es in der Nähe keine, ein Zusammenhang mit den Geothermiebohrungen würde auch nicht als Ursache in Frage kommen, genauso wenig wie die Baustelle im Ruckhaldetunnel. «Alle private Abklärungen sind im Sand verlaufen», sagt Jacober. Nun hoffe sie, dass die Stadt das Heft in die Hand nehme. «Einigen von uns hat das Geräusch schon den Schlaf geraubt.» Auch wenn es nicht alle in der Umgebung hören: Für jene, die es hören, sei das Brummen beeinträchtigend.

Ein dröhnendes Vibrieren

Nicht nur Jacober hört das Brummen. Auch Paula Riederer, die schräg gegenüber wohnt, fühlt sich vom Geräusch geplagt. Die 92-Jährige lebt schon seit über sechs Jahrzehnten in dem Haus, das Brummen vernimmt sie aber erst seit rund vier Jahren. «Es ist ein dröhnendes Vibrieren», beschreibt die Seniorin das Geräusch. Auch sie habe bereits ­Abklärungen beim Eigentümer der Liegenschaft getroffen, den Lärmschutzbeauftragten zu Messungen eingeladen. Doch auch hier habe sich nichts ergeben. «Vor kurzem war ich einige Wochen lang in der Kur. Während dieser Zeit war das Brummen weg. Als ich wieder zurück nach Hause gekommen bin, war das Geräusch wieder da», berichtet Riederer. Auch bei der Stadt hat man keine Erklärung für das vermeintliche Brummen.

Bei Besuch vor Ort das Brummen nicht gehört

Kaspar Leuthold vom städtischen Amt für Umwelt und Energie war bereits vor Ort, um eine Hörprobe und Referenz­messungen durchzuführen. «Das Brummen habe ich beim Besuch vor Ort nicht gehört», sagt er. Also habe er auch keine Messungen durchgeführt. Gemäss der städtischen Lärmschutzverordnung gelte bei Anlagen nachts ein Grenzwert von 50 Dezibel bei geöffnetem Fenster. Dieser Wert sei aber nicht überschritten worden, ausserdem gelte er nur für Lärm, der von Anlagen ausserhalb der Liegenschaften nach innen dringe. Man habe bei den Stadtwerken nachgefragt, ob sich in der Nä­he eine solche Anlage – etwa ein Pumpwerk oder ein Réser­voir – befinde. Das sei nicht der Fall.

Obwohl er bei seinem Besuch nichts festgestellt hat, glaubt Leuthold den Betroffenen im Tschudiwies. «Hören ist auch etwas Subjektives», sagt er. So seien Studien zum Schluss gekommen, dass einige Menschen Geräusche hören, die für andere nicht wahrnehmbar seien. Pro Jahr werde er etwa ein- bis zweimal zu solchen Einsätzen gerufen. «Mit Lärmschutz haben solche Fälle aber nichts zu tun.»

In Bruggen roch's nach Fisch

Das Brummen im Tschudiwies-Quartier ist nicht das erste unerklärliche Phänomen in der Stadt. Vor genau vier Jahren, im Mai 2013, hielt Fischgestank den Westen der Stadt auf Trab. Damals führte die Stadt Luftmessungen durch, nachdem sich zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner über den Geruch beschwert hatten. Wie derzeit im Tschudiwies waren auch damals in Bruggen die Spekulationen über die Ursachen für den Fischgeruch gross. So vermuteten einige, die Geruchsemissionen kämen vom Geothermie-Bohrloch im Sittertobel oder dem benachbarten Kehrichtheizkraftwerk. Andere gingen davon aus, dass streng riechende Pflanzen oder die Industrie dafür verantwortlich seien. Schliesslich bat die Stadt die Bevölkerung um Hinweise, um die Ursache zu finden. Die Nachforschungen blieben aber ergebnislos. Bis heute ist unklar, warum es vor vier Jahren im Westen der Stadt so stark «fischelete». (ghi)