Gepflästerte oder eher Pflästerli-Stadt?

In unserer Stadt St. Gallen werden Strassen gepflästert, was das Zeug hält. Und es ist auch kein Ende abzusehen, denn es sollen ja weitere Stadtteile mit Pflastersteinen beglückt werden. Als alter St.

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In unserer Stadt St. Gallen werden Strassen gepflästert, was das Zeug hält. Und es ist auch kein Ende abzusehen, denn es sollen ja weitere Stadtteile mit Pflastersteinen beglückt werden. Als alter St. Galler weiss ich noch, dass einst alle Strassen der Innenstadt und alle Plätze Kopfsteinpflaster aufwiesen. Irgendwann in den 1950er-Jahren wurden sukzessive die Pflästerungen entfernt und durch Teerbeläge ersetzt. Zugegeben, die Stadt hat damit nicht an Schönheit gewonnen, aber man war glücklich über die fugenlosen, schuhschonenden und stolperfreien Strassen.

Wenn ich heute beispielsweise durch die später wieder gepflästerte Spisergasse gehe, erinnere ich mich wehmütig an die einfachen Teerbeläge. Denn was sich heute hier dem Auge präsentiert, ist wirklich eine Schande für die Stadt St. Gallen. Übersät mit gegen hundert Flicken und diversen Stolperstellen inmitten der schön renovierten Fassaden und Erker, ist das Bild für Einheimische und Besucher eine Zumutung. Wenn dann die Wasserversorgung oder das EW oder das Gaswerk oder… oder… die neue Pflästerung wieder aufreisst, geht der Ärger von vorne los.

Heute werden zudem nicht wie früher die Steine ausgegraben. Nein, sie werden mit ohrenbetäubendem Lärm durchgefräst. Wasser fliesst in Strömen, um die Staubentwicklung zu vermindern. Die teuren Steine werden dann oft nicht etwa wieder verwendet, sondern das Loch im Strassenbelag wird einfach mit Teer aufgefüllt. In kurzen Abständen verunstalten dann so «Pflästerli» die Strasse. Es soll mir niemand weismachen, dass eine neue Pflästerung nicht mehr aufgerissen werden müsse. Das glaubt ja wohl niemand.

Wie wäre es, wenn man die Strassen wieder mit einem schönen, farblich abgestimmten, trittelastischen und reparaturfreundlichen Belag versehen würde? Zur Auflockerung könnte durchaus mit Pflastersteinen gespielt werden – zum Beispiel auf Plätzen oder an den Rändern. Ich meine, das wäre eine Alternative zur langweiligen Vollpflästerung, welche obendrein haufenweise Steuergelder verschlingt.

Otto Künzler

Tablatstrasse 45, 9016 St. Gallen

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