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GEMÜSE: Der Bauernmarkt startet wieder: Komplimente für die Tomaten

Morgen Freitag beginnt die neue Saison des St. Galler Bauernmarktes. Biobauer und Marktpräsident Rolf Bischofberger über den Markt im Zeitalter von Facebook und chinesischen Billigimporten.
Roger Berhalter
Jeden Freitag, von 7 bis 13 Uhr, von April bis November: Der wöchentliche Bauernmarkt hat in St. Gallen Tradition. (Bild: Sam Thomas)

Jeden Freitag, von 7 bis 13 Uhr, von April bis November: Der wöchentliche Bauernmarkt hat in St. Gallen Tradition. (Bild: Sam Thomas)

Ein Bauer wie Sie ist immer beschäftigt. Was würden Sie jetzt tun, wenn Sie nicht dieses Interview geben müssten?

Rolf Bischofberger: Mein heutiger Arbeitstag hat wenig mit dem Bauernbetrieb im engeren Sinn zu tun. Ich bin gerade dabei, eine neue Terrasse zu bauen für das Haus, das wir vermieten. Ich werde heute Bodenplatten verlegen.

Sie machen seit bald 30 Jahren beim St. Galler Bauernmarkt mit. Warum?

Anfang der 1990er-Jahre waren wir noch ein kleiner Betrieb, und wir wollten in die Direktvermarktung einsteigen. Da kam uns der neue Bauernmarkt sehr gelegen. 1991 machten wir zum ersten Mal mit. Damals führten wir mit zwei anderen Produzenten zusammen einen Verkaufsstand. Heute füllen wir allein drei Stände!

Der Bauernmarkt ist regional und saisonal – doch das sind heute auch die Grossverteiler. Warum braucht es da den Markt noch?

Es stimmt, wenn ich Biogemüse kaufen will, kann ich auch einfach in einen Laden gehen. Aber ein Markt bietet mehr als das.

Was denn?

Unsere Kunden können direkt mit dem Bauern reden und ihm Fragen stellen. Das schätzen die Leute. Ich sehe auf dem Bauernmarkt auch immer Menschen, die miteinander reden. Der Markt ist zum sozialen Begegnungsort geworden, dort trifft man sich. Im Zeitalter von Handy und Facebook ist das wieder wichtiger geworden.

Lenken die Gespräche Sie nicht auch von der Arbeit ab?

Nein, das ist kein Problem, im Gegenteil. Wenn ich an einen Grosshändler liefere, muss ich froh sein, wenn er die Ware abnimmt und ich den gewünschten Preis bekomme. Wenn ich auf den Markt fahre, komme ich danach immer mit Komplimenten für mein Brot oder meine Tomaten heim. Was will ich mehr?

Viele Detailhändler klagen über die wachsende Konkurrenz aus dem Online-Handel. Spüren Sie diese Konkurrenz auch?

Nein, das ist auf dem Markt kein Thema. Ich habe gerade kürzlich einen Bericht gesehen über einen chinesischen Hersteller, der unter italienischem Namen Tomatenpüree verkauft. Tomaten sind aber nur zu 45 Prozent drin, der Rest sind billige Zusatzstoffe. Wenn ich so etwas höre, kann ich nur den Kopf schütteln. Andererseits ist es auch eine Chance für uns regionale Produzenten, und solche Fernsehberichte sind beste Werbung für den Bauernmarkt. Je globaler die Welt wird, desto wichtiger ist der Markt.

Der St. Galler Bauernmarkt ist also nach wie vor erfolgreich?

Ja, und das wird sich so schnell kaum ändern. Es gibt mindestens drei Gewinner: Die Bauern, die ihre Produkte zu einem guten Preis verkaufen können. Die Kunden, die soziale Kontakte pflegen und Frischprodukte kaufen können. Und die Stadt, weil der Markt zu einer lebendigen Innenstadt beiträgt.

Der Marktplatz soll bald anders aussehen, die Stadt plant eine Neugestaltung. Sind auch Sie daran beteiligt?

Ja, am Anfang habe ich in einer Arbeitsgruppe mitgemacht.

Was würden Sie auf dem Marktplatz verändern?

Grundsätzlich funktioniert der Markt gut. Ein gewisser Verkehr muss halt sein, schliesslich müssen auch wir zu- und wegfahren können. Eine Markthalle möchte ich nicht, die Atmosphäre mit den Ständen unter freiem Himmel, das gehört für mich dazu.

Sie würden also nichts ändern? Vermissen Sie auf dem Marktplatz gar nichts?

Etwas mehr Platz wäre schön. Es gab einmal die Idee, das Gebäude der Acrevis-Bank auf Stützen zu stellen. So würde das Erdgeschoss frei, und es würde ein durchgängiger Platz entstehen. Aber ich muss aufpassen: Als Appenzeller habe ich den St. Gallern nicht zu sagen, wie sie ihren Platz gestalten sollen!

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