Gemischte Gefühle beim Gewerbe

ST.GALLEN. Mit dem Fahrplanwechsel verkehren ab Sonntag mehr Schnellzüge zwischen St.Gallen und Konstanz. Diese neue Verbindung löst diesseits und jenseits der Grenze gemischte Gefühle beim Detailhandel aus.

Kathrin Reimann
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Beliebte Destination bei Einkaufstouristen: Lago-Shopping-Center. (Bild: Benjamin Manser)

Beliebte Destination bei Einkaufstouristen: Lago-Shopping-Center. (Bild: Benjamin Manser)

Einkaufstourist – ein Wort, das polarisiert. Vor wenigen Tagen wurde es von einer sechsköpfigen Jury zum Schweizer Wort des Jahres erkoren. Und Einkaufstouristen aus der Stadt könnte es ab nächster Woche noch mehr geben. Zumindest theoretisch; ab Sonntag verkehren neu fünfmal am Tag Schnellzüge zwischen St.Gallen und Konstanz.

Komfort für Einkaufstouristen

Was die einen freut, ist den anderen ein Dorn im Auge. So etwa dem Vorstand von Pro City St.Gallen, Ralph Bleuer. «Es ist zwar im Vorfeld schwierig, die Auswirkungen der neuen Verbindung abzuschätzen, aber wir gehen davon aus, dass es welche geben wird.» Denn die Voraussetzungen für Einkaufstourismus werden dadurch verbessert, was Pro City keineswegs freut. «Aber wir können die Leute ja nicht davon abhalten, im Ausland einzukaufen, es bleibt uns also nichts anderes übrig, als die Faust im Sack zu machen», sagt Bleuer weiter, der den Verbindungen auch Positives abgewinnen kann. «Die Züge früh am Morgen und am Abend stellen für Pendler eine klare Verbesserung dar. Die Verbindungen aber mitten am Tag verlocken doch genau dazu, Einkäufe im Ausland zu tätigen.»

Kultur anstatt Konsum

Über die neue Verbindung, die einen innerhalb von 35 Minuten von Universitätsstadt zu Universitätsstadt transportiert, freut man sich zwar auf der deutschen Seite, die Hände reiben tut sich aber auch dort niemand. So glaubt Peter Hermann, Center-Manager des beliebten Lago-Shopping-Centers unweit des Konstanzer Bahnhofs, nicht an den grossen Run nach dem Fahrplanwechsel. «Die Mobilität ist doch jetzt schon unbegrenzt. Ich glaube jedoch, dass es eine Verlagerung von der Strasse auf die Schiene geben wird.» Ausserdem ist Hermann davon überzeugt, dass die Leute den Zug auch nutzen werden, um die jeweils andere Stadt anzuschauen und sich an der Kultur und nicht nur an den Einkaufsläden zu erfreuen.

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