Gemeinsam zum Autobahndach

Die Stadt begrüsst die Idee der Olma-Messen, einen Teil der Stadtautobahn zu überdachen, um Bauland zu gewinnen. Eine Parlamentarierin kritisiert aber, dass die Stadt nicht federführend sei. Beim Bahnhof St. Fiden drohe ein Flickwerk.

David Gadze
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Geht es nach dem Willen der Olma-Messen, steht die Halle 1 (hinter der Stadtautobahn) dereinst auf einem Deckel über den Fahrbahnen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Geht es nach dem Willen der Olma-Messen, steht die Halle 1 (hinter der Stadtautobahn) dereinst auf einem Deckel über den Fahrbahnen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Olma-Messen brauchen Platz, um einen Ersatz für die Halle 1 zu erstellen. Diese soll an einem Ort entstehen, wo es noch kein Bauland, ja genau genommen noch gar kein Land gibt: auf einem «Deckel» über der Stadtautobahn beim Ostportal des Rosenbergtunnels. Das Gesuch für die Überdachung haben sie beim Bundesamt für Strassen (Astra) bereits eingereicht (Tagblatt vom 20. August).

Nicht mehr den Rücken kehren

Als «riesige Chance» bezeichnet Olma-Direktor Nicolo Paganini das Vorhaben. «Unser Areal dreht heute dem Quartier St. Fiden quasi den Rücken zu. Dabei bietet diese Seite viel Potenzial zur Entwicklung.» Dort könne dereinst ein zweiter Haupteingang entstehen. Ausserdem könne die Olma dadurch viel besser an den Bahnhof St. Fiden angebunden werden.

Wie gross die überdachte Fläche dereinst werden soll, wollen die Olma-Messen definieren, wenn sie aus Bern die Bewilligung erhalten. Paganini erwartet den Entscheid noch in diesem Jahr. In die weitere Planung soll dann auch die Stadt eingebunden werden. «Bisher lief jederzeit die gegenseitige Information. Für ein Baubewilligungsverfahren wäre dann eine sehr enge Abstimmung nötig», sagt Paganini. Denn die Überdachung der Stadtautobahn beim Olma-Areal soll auf die Entwicklung des Bahnhofs St. Fiden abgestimmt werden. Die Idee, diesen zu überdachen, kursiert schon seit Jahren.

Olma-Messen unter Zeitdruck

Nur: Die Planungen aufeinander abzustimmen, dürfte nicht so einfach sein. Denn die Olma-Messen können nicht warten, bis die Stadt ihre Pläne für die Entwicklung des Areals Bahnhof St. Fiden konkretisiert. Das wird wohl noch länger dauern. «Die einzige Möglichkeit, die Stadtautobahn beim Rosenbergtunnel zu überdachen, besteht während ihrer Sanierung», sagt Paganini. Also etwa ab dem Jahr 2019.

Stadträtin Patrizia Adam begrüsst die Überdachungsidee der Olma-Messen. Diese würde in die Planung der Stadt bei der Entwicklung des Areals Bahnhof St. Fiden einfliessen, versichert die Baudirektorin. «Wichtig ist, dass die Planungen aufeinander abgestimmt werden und keine Seite etwas macht, womit weitere Entwicklungen verbaut würden.» Das sei eine «Grundbedingung». Dasselbe gelte für das Areal zwischen den Gleisen und der Bachstrasse, welches die Stadt vor knapp drei Jahren gekauft hat. Für dieses wird derzeit zusammen mit der Migros, die ihren Standort in St. Fiden ausbauen will, eine Machbarkeitsstudie erarbeitet.

«Stadt muss mitentscheiden»

SP-Stadtparlamentarierin Doris Königer kritisiert das Vorgehen. Es sei «befremdend», dass die Olma-Messen die Überdachung beziehungsweise deren Ausmass nach ihren Bedürfnissen planen wollen. Königer zeigt zwar Verständnis dafür, dass die Olma-Messen aufgrund des zeitlichen Drucks vorgeprescht seien. «Die Federführung bei einem solchen Projekt müsste aber bei der Stadt oder beim Kanton liegen», sagt sie.

Königer spricht sich dafür aus, zwischen dem Rosenbergtunnel und der Splügenstrasse einen möglichst grossen Teil der Stadtautobahn zu überdachen. Denn es stünden diverse Projekte an, für die geeignetes Bauland fehle, beispielsweise für ein neues Feuerwehrdepot. Und gerade da ungewiss sei, ob der Bahnhof St. Fiden je überdacht werde, biete die Überdachung der Stadtautobahn beim Olma-Areal entsprechende Möglichkeiten. Die Stadtparlamentarierin befürchtet ausserdem, rund um den Bahnhof St. Fiden entstünde ein «Flickwerk», wenn es keine koordinierte Planung gebe.