Gemeinderat verneint Mauschelei

Eine Kaderstelle in der Wittenbacher Verwaltung wurde nicht ausgeschrieben, weil der zurücktretende Gemeinderat Patrick Hersche bereits Interesse bekundet hatte. Der Gemeindepräsident verteidigt die Anstellung seines Parteikollegen.

Johannes Wey
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Der Wittenbacher Werkhof bekommt einen neuen Chef. Gemeinderat Patrick Hersche wird nach seinem Rücktritt die Leitung übernehmen. (Bild: Coralie Wenger)

Der Wittenbacher Werkhof bekommt einen neuen Chef. Gemeinderat Patrick Hersche wird nach seinem Rücktritt die Leitung übernehmen. (Bild: Coralie Wenger)

WITTENBACH. Der Wittenbacher SVP-Präsident Markus Brunner fand an der Bürgerversammlung deutliche Worte: «Es hat den Anschein, als ob hier einem Gemeinderat eine schöne Stelle zugeschoben wird. Das macht einen ganz schlechten Eindruck.» Brunner meinte damit die Anstellung von Patrick Hersche (CVP) als Leiter Werkhof ab dem kommenden April. Anfang Oktober hatte dieser seinen Rücktritt aus dem Gemeinderat per Ende März angekündigt. Die Ersatzwahl findet im Februar statt (siehe «Wahlkampf steht bevor»).

«Nicht vermischen»

Fredi Widmer, Gemeindepräsident und Parteikollege von Hersche, verteidigte dessen Anstellung. Für die Stelle müssten bestimmte Anforderungen erfüllt werden: Mechanische Ausbildung, Führungserfahrung, Mitglied der Feuerwehr mit Erfahrung und Wohnort Wittenbach. Hersche erfülle dies. In einer Mitteilung bezeichnete der Gemeinderat Ende Oktober die Wahl Hersches «geradezu als Ideallösung». Die Stelle sei deshalb auch aus Rücksicht auf eventuelle Bewerber nicht ausgeschrieben worden, sagte Widmer an der Bürgerversammlung. «Es wäre nicht richtig gewesen die Stelle auszuschreiben, wenn bereits ein qualifizierter Bewerber da war.» Für die Gemeinde bestehe dazu überdies keine Verpflichtung. Auf telefonische Anfrage hält Widmer fest, dass man Hersches Ausscheiden aus dem Gemeinderat und die Stelle nicht miteinander in Verbindung bringen dürfe. «Der Rücktritt erfolgte völlig losgelöst von Patrick Hersches beruflicher Veränderung und hatte familiäre Gründe.»

Werkhof wird reorganisiert

Mit der Pensionierung von Hersches Vorgänger Peter Sager steht beim Werkhof auch eine Neuorganisation an. Der Nachfolger wird laut der Mitteilung vom Oktober auch die Führung der Bauamt-Aussendienst-Gruppe übernehmen. Näher wollte Fredi Widmer nicht auf die Neuorganisation eingehen, kommuniziert werde zu einem späteren Zeitpunkt.

Zeitlich entlasten

Patrick Hersche betont, dass er seinen Rücktritt unabhängig von der neuen Kaderstelle eingereicht habe. Die Belastung sei ihm als Familienvater zu gross geworden. Dasselbe Problem gehe mit seiner Tätigkeit als selbständiger Transportunternehmer einher. «Deshalb wollte ich mich beruflich verändern.» Hersche stellt aber klar, dass der Stellenbeschrieb nicht bewusst auf ihn zugeschnitten worden sei und er jeweils in Ausstand getreten sei, wenn die Neubesetzung behandelt wurde. Die Diskussionen an der Bürgerversammlung seien im nahe gegangen. «Ich denke aber, dass es nicht um meine Person, sondern um die Ausschreibung ging. Niemand hat behauptet, dass ich nicht qualifiziert wäre.» Hersche bezweifelt ausserdem, dass keine Mauschelei-Vorwürfe laut geworden wären, falls er die Stelle nach einem öffentlichen Bewerbungsverfahren erhalten hätte.

Auch Kritik an der Schule

An der Bürgerversammlung hatte SVP-Präsident Markus Brunner auch die Vergabe einer 20-Prozent-Stelle durch die Primarschulgemeinde kritisiert. Auch diese Stelle sei nicht ausgeschrieben worden. Schulratspräsidentin Ruth Keller erklärte, dass sich die Primarschule an eine Ausschreibung der Schule für Musik für eine Sekretariatsstelle «angehängt» habe. Die Schule für Musik habe mehrere abgelehnte Bewerber an die Primarschulgemeinde verwiesen. «Bis auf die Ausschreibung hat danach ein normales Bewerbungsverfahren stattgefunden», erklärt Ruth Keller auf Anfrage. «Wir würden das heute anders machen.»

Patrick Hersche Abtretender Gemeinderat (Archivbild: Hannes Thalmann)

Patrick Hersche Abtretender Gemeinderat (Archivbild: Hannes Thalmann)