Gemeinden sind gefordert

Die FDP Region Rorschach hat am Mittwoch zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung zum Thema Flüchtlinge geladen. Zu reden gibt vor allem die schwierige Suche nach geeignetem Wohnraum für Asylsuchende in den Gemeinden.

Linda Müntener
Drucken
Teilen
Roger Hochreutener, Geschäftsführer der Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidenten, Moderator Andreas Hartmann und Jürg Eberle, Leiter des kantonalen Migrationsamts (v. l.). (Bild: lim)

Roger Hochreutener, Geschäftsführer der Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidenten, Moderator Andreas Hartmann und Jürg Eberle, Leiter des kantonalen Migrationsamts (v. l.). (Bild: lim)

ALTENRHEIN. Es ist das Thema, das derzeit die Schlagzeilen beherrscht: die Flüchtlingskrise und ihre Auswirkungen. Deshalb hat die FDP Region Rorschach am Mittwoch zu einer Veranstaltung mit dem Titel «Flüchtlinge – Migration – Fahrende. Ist unsere Region sicher?» eingeladen. «Wir wollen den Puls fühlen», sagt Moderator Andreas Hartmann, der den Anlass mit Susanne Dornbierer und Robert Raths organisiert hat. Rund 70 Interessierte sind der Einladung in die Hundertwasser-Halle gefolgt.

Lob für Arbeit der Gemeinden

Gleich zu Beginn liefert Jürg Eberle, Leiter des kantonalen Migrationsamts, Fakten. Kommt ein Asylsuchender in der Schweiz an, wird er einem Empfangszentrum des Bundes zugewiesen. Dort wird die Person registriert und ein erstes Mal befragt. Bei klaren Fällen wird bereits über das Gesuch entschieden, die übrigen Asylsuchenden werden den Kantonen zugewiesen. Im Kanton St. Gallen werden sie in einem der sechs Asylzentren untergebracht. «Diese weisen eine Auslastung von 130 Prozent auf», sagt Eberle. Heisst: Kleinkinder schlafen zu zweit in einem Bett, Aufenthaltsräume werden zu Schlafsälen umfunktioniert. Bis zu sechs Monate dauert der Aufenthalt, danach werden die Asylsuchenden den Gemeinden zugeteilt.

Hier kommt Roger Hochreutener ins Spiel. Der Geschäftsführer der Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidenten ist der zweite Referent. Er lobt die Solidarität und Zusammenarbeit der Gemeinden. «Die Betreuung vor Ort läuft gut», sagt er. Doch die Gemeinden stehen vor Herausforderungen. Eine ist der Zustrom von unbegleiteten Minderjährigen. 100 000 Kinder und Jugendliche sind laut Hochreutener weltweit alleine auf der Flucht, im Kanton St. Gallen sind etwa 150 untergebracht. «Die Zentren sind aber für Erwachsene ausgelegt und werden den Bedürfnissen der teils traumatisierten Kindern nicht gerecht.» Ein weiteres Problem ist die steigende Aufnahmequote. Immer mehr Asylsuchende können in der Schweiz bleiben und verbleiben länger in den zugewiesenen Wohnungen. «Es wird immer schwieriger, geeigneten Wohnraum zu finden.»

Suche nach Wohnraum

Dieses Problem gibt auch in der Fragerunde zu reden. Im Publikum sitzt der Unteregger Gemeindepräsident Norbert Rüttimann. Er gibt zu bedenken, dass sich die Suche nach Wohnraum für Asylsuchende in kleinen Gemeinden schwierig gestalte. «Auch Einheimische brauchen günstigen Wohnraum», sagt Rüttimann. Das führe zu Unmut in der Bevölkerung. Er schlägt als Möglichkeit vor, die Dauer des Aufenthalts zu begrenzen. Damit ist er nicht der einzige. «Was ist, wenn das Boot voll ist? Wenn wir keinen Platz mehr haben?», fragt der Rorschacherberger FDP-Gemeinderat Enrik Hippman, «hat der Kanton dafür einen Plan?» Jürg Eberle entgegnet, dass sich diese Frage für den Kanton gar nicht stelle. «Weil wir keine Entscheidungskompetenz haben. Solche Fragen beurteilt der Bund.» Auch Hochreutener lässt sich auf keine politischen Diskussionen ein. Weder darüber, warum «die reichen Araber keine Flüchtlinge aufnehmen wollen», noch darüber, ob «wirklich alle in ihrer Heimat bedroht werden». Er sieht die Situation pragmatisch. «Wir haben den Auftrag, die Leute unterzubringen. Diesem können wir entweder mit Frust oder mit einem Lächeln begegnen.»

Aktuelle Nachrichten