Gemeinden senken Schulden

Die Steuerkraft der St. Galler Gemeinden liegt bei 1800 Franken pro Einwohner. Die Spannweite ist enorm – Mörschwil weist 3350 Franken pro Kopf aus, Stein nur 892. Die Schuldenlast sank.

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Höchste und tiefste Steuerkraft: In Mörschwil (links) fliesst fast viermal mehr in die Gemeindekasse als in Stein. (Bilder: Urs Jaudas, Katharina Rutz)

Höchste und tiefste Steuerkraft: In Mörschwil (links) fliesst fast viermal mehr in die Gemeindekasse als in Stein. (Bilder: Urs Jaudas, Katharina Rutz)

ST. GALLEN. Die Steuerkraft (und als Konsequenz der Steuerertrag) der St. Galler Gemeinden weist von Gemeinde zu Gemeinde grosse Unterschiede auf. Das Kantonsmittel beträgt 1816 Franken pro Einwohnerin und Einwohner und Jahr (Vorjahr 1804 Franken). Die höchste Steuerkraft wurde mit 3350 Franken in Mörschwil errechnet, wie es in der Gemeindefinanzstatistik 2011 heisst, die das kantonale Amt für Gemeinden gestern veröffentlicht hat. Die tiefste Steuerkraft verzeichnet mit 892 Franken die Toggenburger Gemeinde Stein. Im Jahr 2011 erhielten die Gemeinden einen durchschnittlichen Finanzausgleichsbeitrag von 450 Franken (Vorjahr 465 Franken) je Einwohnerin und Einwohner. Damit wurde die Deckung der Nettoausgaben in allen Gemeinden sichergestellt.

Die Gemeinden erzielten gesamthaft einen Ertragsüberschuss von 100,3 Millionen Franken, was 11,4 Steuerprozenten entspricht. Davon verwendeten sie 70,5 Millionen Franken für zusätzliche Abschreibungen auf dem Verwaltungsvermögen, 12,6 Millionen Franken für Einlagen in Vorfinanzierungen und 17,2 Millionen Franken für Zuweisungen ins Eigenkapital.

60 Prozent für die Volksschule

In allen Aufgabenbereichen stehen zur Finanzierung der Ausgaben in mehr oder weniger grossem Umfang Entgelte wie Gebühren, Beiträge und Rückerstattungen zur Verfügung. Nicht durch diese Einnahmen gedeckte Ausgaben ergeben einen Nettoaufwand, der durch allgemeine Mittel zu finanzieren ist. Für den Aufgabenbereich Volksschule wendeten die Gemeinden 59,8 Prozent ihrer allgemeinen Mittel auf. Mit grossem Abstand folgten die Aufgabenbereiche Verwaltung (10,8 Prozent), Soziale Wohlfahrt (8,9 Prozent), Verkehr (6,9 Prozent) sowie Kultur und Freizeit (4,2 Prozent).

Die Einkommens- und Vermögenssteuern der natürlichen Personen bildeten mit 64,7 Prozent die Haupteinnahmequelle der politischen Gemeinden. Die übrigen Gemeindesteuern (Grundsteuer, Handänderungssteuer) und Steueranteile machten 20,8 Prozent der allgemeinen Mittel aus. Der Anteil der Finanzausgleichsbeiträge betrug 12,3 Prozent. 2,2 Prozent der Einnahmen erfolgten durch Gewinnablieferungen der Gemeindeunternehmen und Gesellschaften. Die St. Galler Gemeinden finanzierten ihre Nettoinvestitionen vollständig durch selber erwirtschaftete Mittel, heisst es in der gestrigen Mitteilung. Der Selbstfinanzierungsgrad betrug durchschnittlich 145 Prozent, was leicht unter dem kantonalen Fünfjahresmittelwert von 152 Prozent liegt.

Von mittlerer Finanzkraft

Im Jahr 2011 lag der Anteil der Selbstfinanzierung am Finanzertrag – der sogenannte Selbstfinanzierungsanteil aller St. Galler Gemeinden – durchschnittlich bei 13,5 Prozent. Dieses Ergebnis entspricht einer mittleren Finanzkraft.

Der durchschnittliche Aufwand für Passivzinsen und Abschreibungen sank im Vergleich zum Vorjahr auf durchschnittlich 7,3 Prozent des Finanzertrags. Im Kantonsmittel wendeten alle St. Galler Gemeinden weniger für Passivzinsen auf, als sie an Vermögenserträgen einnahmen – 1,9 Prozent des Finanzertrags. Das lässt auf eine ausgewogene Investitionstätigkeit, einen Rückgang der Verschuldung und ein moderates Zinsniveau schliessen.

1200 Franken Schulden pro Kopf

Die Gesamtverschuldung der St. Galler Gemeinden reduzierte sich im Jahr 2011 um weitere 118,7 Millionen Franken. Der durchschnittliche Gemeindehaushalt war Ende 2011 mit 1198 Franken je Einwohnerin und Einwohner verschuldet. Wie die Gemeindefinanzstatistik ausweist, wurde der Schuldenstand je Einwohner innert zwölf Jahren um zwei Drittel reduziert.

Die Verschuldung der politischen Gemeinden und Schulgemeinden betrug Ende 2011 unter Einbezug der Spezialfinanzierungen 579 Millionen Franken oder durchschnittlich 1198 Franken je Einwohnerin und Einwohner. Durch den im Jahr 2011 gesamthaft erwirtschafteten Ertragsüberschuss und die steten Abschreibungen konnten die Gemeinden die Gesamtverschuldung weiter reduzieren.

89 Prozent für den Konsum

Die St. Galler Gemeinden wendeten im Jahr 2011 durchschnittlich 11,5 Prozent für Investitionen auf und verbrauchten die verbleibenden 88,5 Prozent für Konsumzwecke. Da die Investitionen im Zeitverlauf sehr unterschiedlich anfallen, ergibt sich der grosse Streubereich zwischen 0,2 und 38,6 Prozent bei den Investitionen. Selbst in grösseren Gemeinden ist die Höhe des Investitionsanteils nicht konstant. (red.)